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Insel des Nebels

Sie sind die Speerspitze Schottlands und schützen das Festland vor den Urgewalten des atlantischen Ozeans – die Hebriden. Die wohl bekannteste von ihnen ist die Isle of Skye, ein mystischer Flecken Erde voll Sagen und Legenden aus keltischer Zeit.
Ein Artikel von Andreas Feichtenberger
Fotos: Andreas Feichtenberger

Fotos: Andreas Feichtenberger

Im Nordwesten Schottlands finden sich rund 500 Inseln, deren Küsten sich den stürmischen Westwinden widersetzen und die brausende Gischt des Atlantiks an ihren Granitfelsen zerschellen lassen. Es ist eine raue Gegend so hoch oben im Norden. Doch die Menschen haben gelernt, mit der Natur zu leben und das wollten wir in unserem Urlaub auch. Den Gezeiten trotzen und die Moorlandschaften und Felsen der Insel erobern. Also machten wir uns auf zur Isle of Skye, die einzige Insel der Inneren Hebriden, die mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist. Wer Schottland bereist, rechnet mit dem Schlimmsten, wer die Insel des Nebels besucht, wie sie von den Einheimischen genannt wird, erwartet noch ein bisschen mehr Unwirtlichkeit. Und was soll man sagen: 14 Tage fast durchgehend Sonnenschein, das Meer in der Bucht, in der wir ein Haus gemietet hatten, lag die meiste Zeit spiegelglatt zu unseren Füßen und ließ uns einen perfekten Blick auf zahlreiche Robben, die auf einer vorgelagerten Insel in der Sonne badeten. Wir hatten Glück, das wissen wir, denn die Schotten, mit denen wir ins Plaudern kamen, stöhnten unter der Hitze von etwa 22 Grad.

SAM_2225Schafe, Kühe und Papageientaucher
Da wir jeden Tag mit einem Wetterumschwung rechnen mussten, beschlossen wir gleich zu Beginn, einige der fantastischen Strände der Insel zu besuchen. Der wahrscheinlich bekannteste unter ihnen ist der Coral Beach. Wie der Name schon verrät, ist es kein klassischer Sand, der hier in der Sonne glänzt, sondern es sind gebleichte und getrocknete Algenstücke. Es zahlt sich aus, hier auf die Ebbe zu warten, denn dann wird ein Landweg zur gegenüberliegenden Insel frei, wo wir zahlreiche Seehunde aus nächster Nähe beobachten konnten. Aber rechtzeitig an die Rückkehr denken, die Flut kommt schneller als man glaubt! Das Gegenstück zum Coral Beach ist der Talisker Bay, eine malerisch schöne Bucht mit einem kleinen Wasserfall und ihrem charakteristischen schwarzen Sand – die perfekte Fotolocation. Beide liegen an der Westküste von Skye und sind durch einen kurzen Fußmarsch zu erreichen – vorbei an blühenden Wiesen sowie freilaufenden Kühen und Schafen. Im Süden befindet sich Elgol, ein steiniger Strand mit einer fantastischen Kulisse. Außerdem starten von hier Bootstouren, die uns ein ganz besonderes Naturschauspiel ermöglichten: Papageientaucher und Delfine schwammen direkt vor unserem Bug in den Wellen.

Alte Männer, steile Felsen
Die Isle of Skye bietet aber nicht nur an ihren Küsten eine einzigartige Kulisse, sondern auch im Landesinneren. Der mit Sicherheit beeindruckendste Anblick ist die Felsformation namens „Old Man of Storr“ im Osten, unweit der Hauptstadt Portree. Wie die überdimensionierte Version von Obelix’ Hinkelstein ragt die Felsnadel aus der grünen Hügellandschaft. Der Weg dorthin ist etwas beschwerlich, aber er lohnt sich auf jeden Fall. Ein Muss für jeden Besucher ist auch Quiraing im Norden von Skye. Es ist der nördliche Kamm des Trotternish-Gebirges und wer den Marsch auf sich nimmt, wird mit einem Blick über das unendlich scheinende Hochland der Insel belohnt. Wer aber nur wenig Zeit zur Verfügung hat, bleibt einfach beim Aussichtsplatz auf der Straße stehen und genießt. Wiederum auf der anderen Seite der Insel, ganz im Westen und in der Nähe des Dunvegan Castle – übrigens das älteste bewohnte Schloss von Schottland – befindet sich Neist Point mit dem gleichnamigen Leuchtturm, der leider für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Ist aber halb so schlimm, denn das Erinnerungsfoto ist mit Leuchtturm ohnehin imposanter. Ein netter Ausflug sind auch die so genannten Fairy Pools, die Feen-Becken, die sehr beliebte Motive für Hobbyfotografen darstellen. Kleine Wasserfälle stürzen hier in einladende Felsbecken, in denen sich das kühle Nass sammelt. Das Wasser ist eiskalt, aber ein echter Schotte lässt sich davon nicht abhalten. Einheimische planschen gerne in den erfrischenden Naturwannen, die sicherlich eine Temperatur von 16 oder 17 Grad haben dürften.

SAM_2756Wenn es doch regnet
Nicht jeder Schottland-Reisende ist mit Sonnenschein gesegnet. Es lohnt sich also, ein Alternativprogramm in der Tasche zu haben. Und auch hier bietet die Insel des Nebels so einiges. Zum einen das bereits erwähnte Dunvegan Castle, der Stammsitz der MacLeods, mit einem gut ausgestatteten Museum und dem Prunkstück Fairy-Flag, der Feen-Fahne, die angeblich die Familie beschützen soll. Weniger mystisch geht es in der einzigen Whisky-Brennerei von Skye zu, der Talisker Distillery. Was hier produziert wird, ist nicht nur für Whisky-Fans ein Muss. Hier, in dem malerischen Dörfchen Carbost, wird wohl einer der heftigsten Whiskys in Schottland hergestellt. Wer schon in Carbost ist, muss zwei Stopps mit einplanen. Zum einen das „Oyster Shed“, wo der Name Programm ist. Hier gibt es frische Meerestiere in Top-Qualität und mit Würstelbuden-Flair. Eine Auster kostet nur ein Pfund. Selbst schuld wer vorbeigeht. Zum anderen ist das örtliche Pub, the Old Inn, einen Besuch wert. Stimmungsvoll, gutes Essen und bestes Bier. Natürlich auch alle Sorten von Talisker Whisky. Nur eine Warnung sei angebracht: Die Isle of Skye ist leider kein Geheimtipp mehr. Wer hier Urlaub machen möchte, sollte mit Buchungen früh dran sein.

      

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