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In den Sternen

Wer kennt sie nicht? Seit knapp 26 Jahren unterhält sie uns jeden Sonntagabend in den Ö3-Sternstunden und gibt Einblicke in die Welt der Astrologie. Gerda Rogers weiß, wie die Sterne stehen – und verrät im Interview, wie die Planeten ihr Leben begleiten.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Braucht man für die Astrologie ein gewisses Talent, eine Voraussetzung oder kann man das auch erlernen?
Das kann man schon lernen. Es gibt die großen Astrologieschulen, da musst du einmal die Grunddinge lernen. Das Schwierigste in der Astrologie ist die Deutung. Die Zusammenhänge der Planeten zu verstehen. Du siehst zwar momentan die Situation, nur: Wo läuft das dann hin, wie löst sich das? Da beginnt der Schwierigkeitsgrad der Astrologie – in der Deutung. Es hängt auch immer davon ab, was ich aus der Situation mache, wie ich damit umgehe.

Inwieweit ist unser Weg von den Sternen vorgezeichnet?
Ich glaube, dass man auf die Welt kommt, mit einem gewissen Stempel auferlegt. Natürlich auch mit den genetischen Anlagen! Und dann liegt es an uns selbst: Was mache ich aus dem? Natürlich spielt vieles eine große Rolle: Elternhaus, Erziehung, Umfeld, wo ich wohne.

Wie viel Handlungsspielraum bleibt einem dann noch?
Den haben Sie auf jeden Fall! Die Sterne, das Horoskop zeigt das Bild, in welcher Zeitqualität Sie jetzt sind, wo Sie stehen und vorausblickend, wo der Weg hingehen wird. Aber den Rest, das müssen schon Sie selbst machen! Das kann nicht ich machen. Ich kann nur sagen, es wird sich jetzt Ihr Leben in diese Richtung komplett ändern. Dann aber müssen schon Sie selbst etwas daraus machen!
Ich sage zum Beispiel schon: Sie stehen vor grundlegenden Änderungen. Und da können Sie sich danach richten. Und meistens spüren Sie es ohnehin im Unterbewusstsein. Viele sagen, ich will etwas ändern. Das sind dann diese berühmten Saturnphasen. Wir entwickeln uns, bis wir ins Grab steigen! Gott sei Dank! Wir wollen ja nicht stehen bleiben, das wäre traurig! Und zu unserer persönlichen Entwicklung gehören natürlich Lebenserfahrungen positiver wie negativer Art. Denn am meisten lernst du durch negative Entwicklungen. Wenn du drei Mal den falschen Mann erwischt hast oder geheiratet hast, wirst du beim vierten Mal wachsamer werden. Das ist die Lernphase.

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Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Sie sind ja auch zwei Mal geschieden…
Gott sei Dank, ja! Ich habe 25 Jahre Ehe gehabt, das reicht. Und jetzt habe ich genug. Jetzt bin ich erwachsen geworden, jetzt kann ich alleine gehen, brauche ich keinen Mann mehr. Na, das geb ich mir heute nicht mehr! Das ist endgültig vorbei! Aber dafür braucht man auch ein gewisses Alter, eine gewisse Lebenserfahrung. Aber ich muss wieder sagen, ich habe es die 35 Jahre alleine recht gut geschafft. Und da kommt auch nichts mehr dazu, der Zug ist abgefahren!

Sagen das auch Ihre Sterne?
Und ich! Meine Sterne sowieso. Mit Saturn-Uranus im Ehehaus braucht man nicht heiraten, das ist eine Bankrott-Erklärung! Aber Gott sei Dank, das war die einzige Bankrott-Erklärung in meinem Leben, die kann man ja wegstecken. Man kann ja mal eine Romanze haben oder einen Flirt. Aber man braucht nicht mehr so tiefsinnig reingehen. Also ich finde eben, es gibt wichtigere Dinge im Leben als einen Mann.

Foto: Michael Liebert

Foto: Michael Liebert

Haben Sie Ihre Sterne immer im Blick?
Schon wenn ich in der Früh aufstehe, weiß ich, was los ist. Da bin ich schon vorsichtig, wenn ich weiß, dass momentan der Mars sehr negativ steht. Da passieren ja immer gerne so Sachen. Unfälle, du wirst niedergefahren, Sportverletzungen, lauter lustige Dinge.

Haben Sie manchmal Angst, etwas in den Sternen zu sehen, das Sie gar nicht wissen möchten?
Nein, ich will alles wissen, ich bin neugierig! Ich will nichts verheimlichen, nichts schummeln, nichts verschieben.

Und wenn etwas Unangenehmes in den Sternen steht?
Es gibt ja Menschen, die einen unglaublichen Verdrängungsmechanismus haben. Den habe ich wirklich nicht. Beinhart.

Kommen auch Menschen mit einer Frage zu Ihnen, die Sie nicht beantworten wollen?
Ja, klar! Wann sterbe ich? Sie können es mir ruhig sagen, ich kann damit gut umgehen. Ja! Ich kenne solche Fälle. Das kannst du doch niemandem sagen, unmöglich!

Aber Sie würden das sehen?
Das ist auch in der heutigen Zeit ein bisschen anders geworden in der Astrologie, weil die Medizin schon so weit ist, dass sie heute auch schon Totgesagte noch retten kann. Aber du siehst es sicher auch in der Astrologie, speziell bei alten Leuten. Ich habe es bei meiner Mutter auch gesehen. Fast auf den Tag genau. Es ist eine Ablaufuhr da. Das Horoskop ist eine Lebensuhr. Aber Menschen sind auch fähig, diese Lebensuhr zu verkürzen, indem sie ihr ganzes Verhalten daran legen, alles kaputt zu machen. Alkohol, Drogen, Exzesse. Der Mensch ist wirklich sein eigener Vernichter. Das muss man sagen.

Sie haben eine Zwillingsschwester, die wenige Minuten älter ist als Sie. Inwiefern machen diese paar Minuten bereits einen Unterschied?
Wir sind sehr gleich und wir sind trotzdem sehr verschieden. Natürlich ist bei eineiigen Zwillingen diese genetische Veranlagung ja ganz knapp beisammen. Das ist ja etwas ganz anderes als bei zweieiigen. Die haben ja auch, obwohl sie gleich geboren sind, vollkommen andere Horoskope. Der eine nimmt eben von dort genetisch mehr mit, der andere von da. Wir sind uns sehr ähnlich in Talenten, Begabungen, wie wir arbeiten, auch in groben Zügen, wie unser Schicksal verlaufen ist. Und dann haben wir doch wieder unsere Eigenheiten. Ich würde sagen, sie könnte meinen Job machen, ich könnte ihren Job machen, wir sind ja beide noch berufstätig, sie hat Modegeschäfte. Und kennt sich aber mit der Astrologie genauso aus wie ich. Wir greifen auch zum selben, was wir essen, was wir kaufen, was wir anziehen. Wir fahren dieselbe Automarke, wir haben beide dieselben Häuser, die nur ein paar Meter voneinander entfernt stehen. Wir sind beide geschieden, wir sind beide allein, wir haben beide ein Kind. Wir reisen beide gerne. Wir lieben beide unsere wieder gewonnene Unabhängigkeit.

Am 1. Jänner 2018 werden Sie 76 Jahre alt – was ist Ihr Jungbrunnen?
Ich glaube, dass ich mit ganz guten Genen ausgestattet wurde. Dann habe ich nie geraucht, nie Alkohol oder Drogen genommen. Mal ein Glas Wein zum Essen, das war’s. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals betrunken gewesen wäre. Ich geh brav ins Bett und schlag mir nicht die Nächte um die Ohren. Und ich esse sehr diszipliniert. Man muss einfach auf sich schauen. Eitel muss man auch sein, die Eitelkeit hält einen auch jung – und schön. Ich muss mir selbst gefallen – nicht wegen der anderen.

Nach so vielen Jahren – und doch bereits im pensionsfähigen Alter – denken Sie manchmal daran, kürzer zu treten?
Nein, gar nicht! Ich sterbe noch am Schreibtisch! Warum soll ich denn aufhören, was mir Spaß macht? Und wenn ich körperlich und geistig flott da bin? Ich arbeite gerne, damit gedenke ich, noch nicht abzutreten!

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