beitrag_TEN

Ihre Wahl bitte

Ein Artikel von Christian Heugl

Vor 100 Jahren, im Mai 1919, blieb nach den Gemeinderatswahlen in Hallein kein politischer Stein auf dem anderen. Dominierten zuvor die bürgerlichen Parteien den Gemeindeausschuss nach Belieben, so erhielten nun die Sozialdemokraten mit 17 von 25 Mandaten deutlich die absolute Mehrheit. Was war geschehen?

Die Industriestadt Hallein war zwar schon zu Zeiten der Monarchie eine Hochburg der Sozialdemokratie, aber das geltende Zensus-Wahlrecht bevorzugte das Großbürgertum, also jene Bewohner, die genug Steuern leisteten. Die Mehrheit der Halleiner Bevölkerung war nicht wahlberechtigt. Erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das allgemeine Wahlrecht eingeführt, jede Stimme war nun gleich viel wert, Frauen wie Männer hatten dieselben Rechte. In der Industriestadt Hallein drehten sich damit die politischen Kräfteverhältnisse um. Die rote Vorherrschaft sollte rund 80 Jahre, bis in die 1990er Jahre anhalten. Es war ein dorniger Weg, bis das allgemeine Wahlrecht vor 100 Jahren in der Verfassung verankert wurde. Heute ist die bange Frage nicht, wer wählen darf, sondern wer überhaupt zur Wahl geht.
Dabei waren die Zugänge zu den freien Wahlen noch nie so einfach wie in unserer Zeit. Auch der Findungsprozess, wo denn nun meine Stimme am meisten bewirken kann, ist einfacher denn je. In den meisten Tennengauer Gemeinden wird im Vorfeld der Wahlen zu Diskussionen eingeladen, bei denen die lokalen Politiker Rede und Antwort stehen. Eine gute Gelegenheit zum Deponieren persönlicher Anliegen, aber auch zum Notieren der gegebenen Wahlversprechen. Der entscheidende Punkt aber ist: Eine eigene Meinung haben und zur Wahl schreiten. Das belebt die Demokratie und ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.

129 total views, 2 views today

Alle Beiträge aus Reportage & Wissen


Facebook IconInstagram