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„Ich bin süchtig nach dem Spiel“

Julia Riedler hat bereits früh ihre Liebe zum Spiel und Theater entdeckt. Was als Hobby begann, hat die gebürtige Pongauerin mittlerweile an zahlreiche Bühnen Deutschlands geführt und ihr bereits etliche Auszeichnungen und Preise eingebracht.
Ein Artikel von Doris Thallinger

Wann hat deine Begeisterung für die Schauspielerei begonnen?
Ich glaube, sehr früh. Ich bin absolut süchtig nach dem Spiel, dem Spiel an sich. Das hab ich schon mit vier Jahren gemerkt, als mein kleiner Bruder geboren wurde. Da habe ich endlich jemanden gehabt, den ich habe zwingen können, ständig und immer mit mir zu spielen. Dieses Motiv von spielen und miteinander spielen, jemandem etwas vorspielen und auch sich das Spiel anzuschauen, das ist, glaube ich, das Elementare, das mich daran reizt.

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Foto: Josef Beyer

Als du beschlossen hast, auf die Schauspielschule zu gehen, wie war die Reaktion deiner Familie?
Meine Familie hat meine Leidenschaft fürs Theater  immer schon mitverfolgt. Eigentlich glaube ich, meine Eltern haben es schon früher gewusst als ich. Sie haben es zwar nie antizipiert, nie erzwungen, aber sie haben gespürt, dass ich da für etwas brenne und mir viel möglich gemacht. Nur die Erwartung meines Bruders habe ich nicht erfüllen können: dass ich einmal bei Marienhof mitspiele. (lacht) Das war früher unsere Serie, die haben wir immer gemeinsam bei der Oma angeschaut.

In Wien hat es mit der Aufnahmeprüfung nicht geklappt – in Hamburg dagegen sofort. Was ist in Hamburg anders gelaufen?
Es ist total normal, ich hab Glück gehabt, dass es schon beim zweiten Mal geklappt hat. Oft ist es ein Prozedere von Jahren, bis man an einer staatlichen Schauspielschule aufgenommen wird. Für mich war trotzdem klar, wenn es in Hamburg nichts wird, dann lasse ich es. Ich wollte mich nicht zu lange anbiedern. Aber dann hat’s ja Gott sei Dank geklappt!

Seitdem lebst du in Deutschland. Denkst du manchmal darüber nach, nach Österreich zurück zu kehren?
Na klar! Heimlich schleiche ich mich ja immer weiter nach Süden. Angefangen habe ich in Hamburg, damals mit 18 Jahren, wo ich später auch am Schauspielhaus engagiert war, dann ging es nach Köln und jetzt nach München. Ich pirsche mich an Österreich heran. (lacht)

An welchen Projekten arbeitest du derzeit?
Ich hab gerade einen Film abgedreht, einen ZDF-Zweiteiler: Bier Royal. Darin geht es um eine Familie, die eine Brauerei besitzt und sich zerstreitet, ich bin die Schwiegertochter – mit sehr tollen Kollegen, sehr lustigen Schauspielern, allen voran Robert Palfrader und Gisela Schneeberger. Am 28. September ist die Premiere zur Spielzeiteröffnung der Kammerspiele mit „On the road“ von Jack Kerouac. Nach der Premiere geht es gleich ins nächste Projekt, wir machen die Wartesaal-Trilogie von Lion Feuchtwanger.

Parallel dazu gibt’s die Uraufführung eines Stücks, das Frank Witzel, der 2015 den deutschen Buchpreis gewonnen hat, geschrieben hat. Er hat sein erstes Theaterstück, für mich und zwei Kolleginnen, geschrieben: Jule, Julia, Julischka. Das wird im November in Wiesbaden uraufgeführt.

Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit auf der Bühne und der vor der Kamera?

Foto: Jacqueline Krause-Burberg

Foto: Jacqueline Krause-Burberg

Auf der Bühne ist man sehr viel mehr Co-Autorin und Mit-Produzentin. Es liegt auch an einem selbst, wie das Stück wird. Theater ist ein Medium, das nie abgeschlossen ist. Im Gegensatz zum Film. Du probst zwar, aber das Stück verändert sich für jede Vorstellung wieder. Darum ist Theater nie perfekt. Das liebe ich am Theater, jedes Mal wieder kann es mich neu fordern und unerwartete Sachen treten auf. Auch die Zuschauer sind jedes Mal andere und bringen immer eine ganz neue, eigene Energie rein.

Und der Film ist da halt auf seine Weise in den meisten Fällen viel vorproduzierter. Da liegt die Herausforderung darin, dass man mit diesen vorgedachten Räumen so lebendig, so präzise und so auf Punkt umgeht, als ob man da schon immer drin gewesen wäre.

Du hast in deiner bisherigen Laufbahn schon etliche Preise abgeräumt, im November bekommst du den Bayerischen Kunstförderpreis verliehen. Was bedeutet dies für dich als Schauspielerin?
Super ist das! Sophie Rois, eine der größten österreichischen Schauspielerinnen überhaupt, hat mal gesagt, dass sie mit jedem Preis besser wird. Und ja, Preise sind keine objektive Messlatte für Qualität, aber sie beruhigen, weil sie sagen, dass es okay ist, was man macht, und dass es liebevoll angenommen wird, und man sogar noch Geld bekommt. Hammer Geschenk vom Freistaat Bayern! Mich bindet das auch. Jetzt hat mir Bayern diese Auszeichnung verliehen, da denk ich mir: Danke Bayern, ich bleib noch ein bisschen bei euch!

Julia Riedler wurde am 6. März 1990 in Salzburg geboren und wuchs in Salzburg Stadt, Melbourne und Bischofshofen auf. Nach der Matura begann sie, Rechtswissenschaften zu studieren und arbeitete als Regieassistentin, wo sie erkannte, dass die Schauspielbühne ihr Zuhause ist. Bereits während ihres Studiums an der Theaterakademie Hamburg erhielt sie ein Engagement am Deutschen Schauspielhaus, danach wurde sie Ensemble-Mitglied am Schauspielhaus Köln. Seit 2015 spielt Julia Riedler an den Münchner Kammerspielen und wirkt darüber hinaus an zahlreichen Fernseh-Produktionen mit und ist als Hörspielsprecherin tätig. Im November darf sie den Bayerischen Kunstförderpreis für Darstellende Kunst entgegennehmen.

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Foto: Kerstin Schomburg

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