AUFMACHER

„Ich bin ein Homo Ludens“

Zum zweiten Mal erscheint Brigitte Hobmeier dieses Jahr als Buhlschaft auf der Jedermann-Bühne. Schon im ersten Jahr ist es ihr gelungen, die Kritiker, aber auch das Publikum und die Medien für sich einzunehmen. Brigitte Hobmeier – Schauspielerin, Gewinnerin zahlreicher Preise, Ehefrau und Mutter – ist dennoch mit beiden Beinen am Boden geblieben. Und verzaubert in ihrer unkomplizierten Art, mit ihrem mädchenhaften Charakter und vor allem mit ihrem ansteckenden Lachen, dem man beim besten Willen nicht widerstehen kann.

Die Tür des Salzburger Künstlertreffs, dem Café Bazar, fliegt auf, im nächsten Moment schlüpft eine junge Frau mit Strohhut herein und blickt sich suchend um. Sie wirkt etwas abgehetzt, als ob sie zu spät zu einem Termin käme – dabei ist sie doch sogar einige Minuten zu früh dran. Unter dem frechen Strohhut im Dandystyle werden wache blaue Augen sichtbar, ein Gesicht voller Sommersprossen und vor allen Dingen dieser Mund, der so herzlich lachen, und vor allem über so vieles lachen kann. Kaum geschminkt, bescheiden und unauffällig, könnte man glatt an Brigitte Hobmeier vorbeischauen, ihr vielleicht sogar noch ganz automatisch ein Lächeln schenken und weiter gehen, ohne zu bemerken, dass sich die diesjährige Buhlschaft hinter der sportlich-lässigen Frau verbirgt. Diese zentrale Figur der Salzburger Festspiele – die zwar keine tragende Rolle im Stück inne hat, aber dafür umso mehr Prestige, umso mehr Anerkennung und umso mehr Relevanz, was die Szenerie der Salzburger Festspiele betrifft.

Brigitte Hobmeier ist die leidenschaftliche, die frivole Geliebte des Jedermann, die frech mit dem Fahrrad über die Bühne radelt und damit schon in ihrer ersten Saison in Salzburg der Buhlschaft eine persönliche Note verliehen hat.

Und nun steht sie mitten im Café Bazar: klein, zart, fast ein wenig verloren und immer noch außer Atmen. Die Augen blitzen, vielleicht auch aus Neugier, welche Fragen dieses Mal auf sie zukommen werden. Sie ist an diesem Tag zur Kostümanprobe in Salzburg – natürlich mit dem Zug, viel entspannender auf der Strecke München – Salzburg. „Ich fahre gerne mit dem Zug, gerade die Strecke München – Salzburg ist ja zur Festspielzeit extrem, ich bin die noch nie ohne Stau gefahren. Und mit dem Zug bin ich gemütlich in anderthalb Stunden in München.“

München, dort ist Brigitte Hobmeier am 2. März 1976 geboren und im bayerischen Ismaning aufgewachsen. Nach ihrem Schulabschluss wird sie an der Folkwang-Hochschule in Essen aufgenommen und studiert Schauspiel. Wie es damals dazu kam, dass sich die junge, unsichere Brigitte Hobmeier der Schauspielerei verschrieb, das kann sie heute nicht genau sagen. „Ich weiß es nicht, warum ich mich ausgerechnet für die Schauspielerei entschieden habe. Das kam einfach so daher. Das kam von außen. Eine Lehrerin hat einmal gesagt, bewirb dich an der Schauspielschule. Aber das war für mich damals ein ganz absurder Gedanke. Und dennoch war es ein Keimling, der groß geworden ist in mir. Geglaubt habe ich aber nicht daran. Es war mehr so der Gedanke, probier ich es halt…“ Und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: „Ich glaube, ich spiele einfach unglaublich gerne. Ich bin ein Homo Ludens.“ Kaum sind die Worte über ihre Lippen, verziehen diese sich wieder zu einem breiten Grinsen und ein lautes Lachen ertönt. So frei, so unbeschwert, dass man gar nicht anders kann, als mit zu lachen. Für Hobmeier sei das Spiel essentiell, ein Lebenselixier: „Ich spiele auch nicht nur auf der Bühne. Ich mag es gern spielerisch, dass man ernste Sachen lustig betrachtet, dass man im Hässlichen das Schöne findet, im Schönen das Hässliche, im Grotesken den Ernst.“

Noch heute scheint es die hübsche Rothaarige aber noch gar nicht so recht fassen zu können, dass sie tatsächlich ihren Spieltrieb zum Beruf machen konnte. „Dass ich tatsächlich das Glück hatte, an einer Schauspielschule angenommen zu werden…“, sinniert sie, „nein, soweit reicht mein Selbstbewusstsein nicht; das weiß ich, dass das Glück war.“

Den Verlauf ihrer weiteren Karriere kann Brigitte Hobmeier aber wohl kaum nur ihrem Glück zuschreiben: Nach Abschluss der Schauspielschule im Jahr 1999 war sie bis 2011 Teil von Peter Steins Faust-Projekt, von 2002 bis 2005 spielte sie unter Christian Stückl am Münchner Volkstheater. Seit 2005 ist Hobmeier im Ensemble der Münchner Kammerspiele. Neben ihren Engagements auf der Bühne ist sie insbesondere in den vergangenen Jahren auch vermehrt in unterschiedlichen TV- und Kinoproduktionen zu sehen. Und seit 2013 verkörpert sie eben die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen.

Die stete Suche nach

der Lust am Spiel

Was würde sie heute jungen Kollegen, Nachwuchs-Künstlern raten? „Was ich vielleicht nicht nur jungen, sondern auch mir selbst und älteren Kollegen raten möchte, ist, niemals die Suche aufzugeben, diese gierige Suche – nicht nur nach der eigenen Rolle, sondern auch nach dem Stück, nach dem, was man wirklich erzählen will. Ich habe schon viele junge Kollegen gesehen, die diese Suche nicht in sich hatten; denen hab ich dann auch nicht gern zugeschaut. Aber auch bei älteren Kollegen denke ich mir manchmal: ‚Puh, du trägst aber auch nur noch deinen Namen von A nach B’.“ Das Spielen sei eine Lust. Eine Lust, die man schauen müsse, dass man sie behält, bewusst erhält – oder eben wieder findet. Die Inspiration für ihre Rollen, für die Lust am Spiel findet Brigitte Hobmeier in allem und überall. „Es ist, wie wenn man schwanger ist und plötzlich überall Schwangere sieht. Ich bin dann in meinem Blick gefiltert – es ist, wie wenn sich ein Filter über meine innere Kamera vorschiebt. Letzten Sommer hab ich zum Beispiel viele Buhlschaften herumlaufengesehen!“

Und auch wenn sich an der Inszenierung des Jedermann in diesem Jahr nicht allzu viel ändern wird: Für die Schauspieler, für das gesamte Ensemble, fällt heuer ein gewaltiger Druck weg: „Ja, was vor allen Dingen anders sein wird, ist, dass dieser fast unerträgliche Druck nicht da ist. Man hat letztes Jahr schon gespürt, dass sich die Leute gefragt haben: ‚Was wollt ihr eigentlich nach dem Stückl machen?’ Und diese Angst um das Stück ist nun nicht mehr da. Die Leute haben gesehen, dass wir das Stück ernst nehmen und liebevoll mit dem Sujet und dem Mythos Jedermann umgehen.“

Doris Thallinger

Cathy Kagiri, geboren 1990 in Nairobi, Kenia, kam vor fünf Jahren nach Österreich, um zu studieren. Als Au Pair-Mädchen fasste sie Fuß in Salzburg. Heute ist die schöne Kenianerin fast fertig mit ihrem Geschichte – Studium an der Universität Salzburg – und außerdem die frisch gekrönte Miss Integration sowie unser Cover-Model der SALZBURGERIN. Für Cathys titeltaugliches Make-up und Haare sorgte Evelyn Karbach vom Team Mario Krankl. Die 24-Jährige wurde Newcomerin des Jahres 2015 bei den Austrian Hairdressing Awards und hat mit ihrer allerersten Kollektion bereits die begehrte Trophäe für das Team Mario Krankl (Judengasse 11 in Salzburg) gewonnen.

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