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IAA 2017 ein Hauch der Veränderung

Die alle zwei Jahre stattfindende Internationale Automobilausstellung in Frankfurt war immer der Präsentierteller der Automobilindustrie. Auch 2017 wird das aktuelle Repertoire gezeigt, vor allem wieder mehr SUVs in allen Größen und Zuschnitten und Konzepte für die künftige E-Mobilität. Und doch zeichnet sich eine Änderung ab – etliche bedeutende Marken haben sich zurückgezogen und sind nicht präsent.
Ein Artikel von René Herndl

Die IAA 2017 ist für Audi, BMW, Opel, Mercedes, VW und Co. wieder mit einer Vielzahl an Premieren und Konzeptfahrzeugen jene Bühne, auf der sowohl technische als auch Design-Kompetenz demonstriert werden soll. Vor allem die deutschen Autohersteller nutzen die Gelegenheit, ihre kommenden Fahrzeuge ins rechte Licht zu rücken.
Luxus und extreme PS-Zahlen sollen die Stimmung heben, selbst wenn diese Neuheiten wohl nur für eine ganz kleine Minderheit erschwinglich sind – aber sie färben quasi auf die Angebote für die Normalverbraucher ab. So hofft man zumindest gerade jetzt, da doch das Misstrauen der Käufer durch Abgas-Manipulationen, Politik und Umweltproblematik stark gewachsen ist.
Die Hauptrollen bei der teilweise ziemlich protzigen Show spielen aber in Summe weder die Supersportwagen noch die als Technologieträger angepriesenen Luxus-Limousinen, sondern die SUVs in allen möglichen Größen und Formen und die doch ziemlich große Zahl der Konzeptfahrzeuge für die politisch gewünschte E-Mobilität, die jedoch lediglich ein Ideen-Vorgriff auf jene Autos sind, die wir ähnlich eventuell in mehreren Jahren kaufen können.
Und das, was den Massenmarkt ausmacht, jene Modelle, die die größten Stückzahlen beim Verkauf erzielen, ist selbstverständlich ebenfalls ausgestellt, verblasst aber neben ultimativem Sport und maximalem Luxus: Die nächste Generation des Bentley Continental, der neue BMW M5 erstmals mit Allradantrieb, die dritte Auflage des Porsche Cayenne bringen beides unter einen Hut.

Messe-Trend oder Informationsänderung?
Der Schatten, der dieses Jahr über der IAA liegt, ist noch kein wirklicher Trend, aber eine Warnung, dass sich Änderungen anbahnen. Fiat, Volvo, DS, Infiniti, Peugeot, Alfa Romeo, Nissan, Jeep, Mitsubishi und auch Tesla sind der IAA ferngeblieben. Werden andere Marketing-mechanismen stärker? Sind die Kosten zu hoch? Vielleicht spielt auch das sich ändernde Informationsverhalten der Käufer, eine neue Informationspolitik, eine Rolle. Oder man hat einfach keine Neuigkeiten zu präsentieren.

Mercedes, BMW, Audi und Co
Dennoch ist auch diese IAA ein Feuerwerk vieler Neuerscheinungen, neuer Modelle, face-gelifteter bekannter Mobile und durchaus interessanter Konzepte für die Zukunft, wobei auch die Neuheiten für den kleineren Geldbeutel nicht fehlen. Mercedes schießt mit der offiziellen Premiere seines neuen AMG-Supersportwagens Project One den optischen 1000-PS-Vogel ab. Dieses Sportjuwel des Daimler-Konzerns ist, abgeleitet aus der Formel 1, nicht nur auf 275 Exemplare limitiert, sondern kostet mit 2,2 Millionen Euro auch rekordverdächtig viel. Als Kontrast dazu stellt Mercedes seine neue X-Klasse vor: Der erste Pick-up mit Stern mit Nissan-Basis steht neben dem Facelift der S-Klasse sowie einer Concept-Studie des Livestyle-SUVs GLB.
Zu den Höhepunkten bei BMW gehören die Publikumspremieren des 6er GT, dem Nachfolger des 5er GT, des Groß-SUVs BMW X7 und dessen kleineren Bruder X3.  Der neue bayerische Überflieger M5 wurde schon erwähnt und als Draufgabe gibt’s den Elektro-Pionier BMW i3 in einer Neuauflage und ein noch sportlicherer i3s. Als Konzept-Fahrzeug brilliert der 8er – eine Vision? Ein exklusiver Sportler aus Bayern wäre jedenfalls überfällig.
Beim VW-Konzern steht das neue Golf-SUV T-Roc im Mittelpunkt, der mit sportivem Outfit den Rahm in dieser Klasse abschöpfen soll. Zumindest hierzulande. Der neue Polo, der inzwischen größer geworden ist als der Ur-Golf, sowie das Facelift des VW Golf Sportsvan ergänzen das Angebot für das Volk.
Aus Ingolstadt kommt der Audi A8 als Flaggschiff in neuem Gewand und mit allen erdenk-lichen technischen und elektronischen Spielereien, die alles in den Schatten stellen sollen, was bislang in ein Auto gesteckt wurde.

SUVs im Dutzend
Der SUV-Trend gleicht schon fast einem Tsunami, so viele neue Angebote gibt´s: Neben den schon genannten von Mercedes, Porsche, BMW und VW drängeln sich noch etliche neue und vor allem kompakte SUVs in den Vordergrund: Der Seat Arona basiert auf dem Ibiza und wird, wie auch der neue Kia Stonic, nur mit Frontantrieb angeboten, der Hyundai Kona dagegen hat eine eigene Plattform, stärkere Motoren und kann auch mit Vierradantrieb geordert werden. Von Opel wird der Grandland X in Position gebracht, eine Kooperation mit Peugeot mit viel Elektronik aber ohne Allrad. Den aufgefrischten Ford Ecosport gibt es auch mit, den Citroen C3 Aircross nur ohne. Die Premium-Sparte im kompakten Segment der SUVs wird vom neuen Jaguar E-Pace vertreten, der trotz seiner bescheidenen Abmessungen großes SUV-Feeling vermittelt, samt vielen PS und Allradantrieb. Und Skoda schiebt nun ebenfalls ein kleineres SUV, den Karoq nach, der am wachsenden SUV-Kuchen mitnaschen soll, während Dacia den Duster in neuen Kleidern vorgestellt hat, der ab 2018 zu kaufen ist.

Audi-A8

Flaggschiff aus Ingolstadt: Audi A8

Mercedes-Benz-X-Klasse

Mercedes X-Klasse – der Feine fürs Grobe

bmw-concept-8-series

BMW Concept 8 – ein Blickfang

Hyundai-i30-N

Hyundai 130 N: Knallbüchse aus Fernost

SKODA-KAROQ

Škoda – der neue Kompakt-SUV Karoq

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Bentleys neuer Continental GT: neue Plattform, längerer Radstand und längere Motorhaube

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VW T-Roc – Golf mit hohem Aufbau

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Subaru Impreza – ganz neu. Praktisch und gut!

Jaguar-E-PACE

Jaguar E-PACE: Highlight bei den kompakten Premium-SUVs

Schnell, klein und fein
Die Fraktion der Knallbüchsen, also kompakter Autos mit vielen PS, wird vom neuen Hyundai i30 N mit 250 oder 275 PS angeführt, der nochmals verstärkte Seat Leon Cupra R leistet mehr als 300 PS, die diversen kleinen VWs gibt’s nun auch als GTIs, auch den Ford Fiesta ST mit 200 PS, während der Renault Mégane RS mit dem Motor aus der Alpine und satten 300 Pferdestärken ausgeliefert wird. Sportlich geht es auch bei Toyota zu, weil die Japaner ihren Kleinwagen Yaris für die Knallbüchsenklasse aufrüsten.
Und auch die Hybridschlacht ist noch lange nicht geschlagen. Nahezu alle Hersteller machen nun auf Halb- oder Ganz-Elektrifizierung, von Porsche bis zu Jaguar, das mit dem I-Pace demnächst für Furore sorgen will. Die Liste der Neuerscheinungen und Visionen ist noch lange nicht vollständig – es werden auch schöne, neue Kombis wie der Opel Insignia Country Tourer oder Supersportler wie der wunderschöne Ferrari Portofino gezeigt –, aber dazu fehlt uns hier einfach der Platz. Leider.

Fotos: Hersteller

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