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Hommage an die Schöpfung

In Neumarkt am Wallersee liegt Johann Weyringers Atelier, eine Brutstätte der Kunst. In diesem kreativen Ambiente hat uns der Künstler Einblicke in seine Welt gewährt.

Trotz der frühen Morgenstunden ist Johann Weyringer gut gelaunt, frisch und munter und voller Energie. Seine Augen fangen an zu leuchten, sobald er von seinen Kunstwerken spricht, seine Gedanken hinter jedem Werk beschreibt und den Entstehungsprozess schildert. Fertige Skulpturen zieren den Garten rund um das großzügig angelegte Atelier ebenso wie Werke aus Holz, Stein und Metall, die sich gerade in Arbeit befinden.

Wer hiervon beeindruckt ist, wird von den Innenräumen des Ateliers überwältigt. Unter all den Werken, die sich hier finden, springt dem aufmerksamen Betrachter stets eine faszinierende Frauenfigur ins Auge. „Die Aphrodite begleitet mich schon mein ganzes Künstlerleben lang“, erklärt Weyringer. Sein zwölfteiliger Lithografie-Zyklus verkörpert ihre Geschichten von Liebe und Leidenschaft und nicht zuletzt ihre Entwicklung zur selbstbewussten, ja selbstbestimmten Frau. Für den vielseitigen Künstler ist die Darstellung der Aphrodite, bzw. generell die Darstellung von Frauen, eine Hommage an die Schöpfung.

Eine der meistbeachteten Bildnisse der Aphrodite findet sich im Amtssitz des Salzburger Bürgermeisters Heinz Schaden: Mit der „Geburt der Aphrodite in Hellbrunn“ zeigt Johann Weyringer eine Allegorie auf Salzburgs große Vergangenheit und gleichzeitig verweist er damit auf die heutige Stellung der Stadt in der ganzen Welt. „Ich bezeichne Salzburg gerne als das Rom des Nordens“, nimmt er Bezug auf die vielen Parallelen der beiden Städte mit großer Geschichte und großer Kunst.

Und Johann Weyringer muss es wohl wissen, verbringt er doch viel Zeit in Rom. 2013 begann er mit seinen Arbeiten für die Kirche des Päpstlichen Instituts Santa Maria dell’ Anima, wo bereits sein Porträt des Papstes Benedikt XVI. emeritus hängt und sich in die Werke von Salviati, Saraceni, Lorenzetto und Sermoneta einreiht. Zudem realisiert er dort eine monumentale Wandgestaltung. Die Zusammenarbeit mit dem emeritierten Papst war eine der ganz besonderen Begegnungen seines Lebens: „Diese Güte und Intelligenz vereint in einem Menschen mit einem so großen Verständnis für Kunst hat mich besonders beeindruckt“, erinnert er sich gerne zurück.

Und auch Johann Weyringer selbst beweist immer wieder Güte und Großzügigkeit, wenn er eines seiner Werke zugunsten karitativer Zwecke stiftet. Durch sein soziales Engagement konnte gerade auch im lokalen und regionalen Bereich viel bewirkt werden. Aktuell unterstützt Weyringer im Rahmen der Salzburgerin des Jahres-Gala das mobile Kinderhospiz Salzburg durch eine ganz besondere Gabe: die Lithografie Prima Vera, gedruckt auf fünf Steinen in den Farben Schwarz, Blau, Gelb, Grün und Rot. Das Werk zeigt drei Damen, nämlich die drei Feuilletonistinnen Lina Loos, Berta Zuckerkandl und Hermynia Zur Mühlen. Diese drei starken Frauen schrieben in der Vorkriegszeit für das Neue Wiener Tagblatt, das damalige Flaggschiff des Steyrermühl-Verlages. Johann Weyringer schuf diese Lithografie anlässlich der Erscheinung des Buches „Wollzeit²²“ von Ernst Spitzbart, in dem dieser den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund des Steyrermühl-Verlages durchleuchtet und diese drei schreibenden Damen in den Blickpunt rückt.

Dieses wundervolle Werk hat Johann Weyringer nun zur Verfügung gestellt, um für den guten Zweck versteigert zu werden. Der Gesamterlös geht an das mobile Kinderhospiz Salzburg.

Doris Thallinger

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