Hoch im Kurs

Bitcoins & Co versprechen das schnelle Geld, doch die kritischen Stimmen werden immer lauter. Der Markt schreit nach Regulierung der Kryptowährungen, Experten sprechen schon von der Bitcoin-Blase. In Wahrheit aber ist diese Online-Währung nur die Spitze eines gigantischen digitalen Eisbergs.
Ein Artikel von Andreas Feichenberger

Davon darf man an der Börse wirklich nur träumen: Anfang des Jahres kaufe ich um knapp 900 Euro, Ende des Jahres verkaufe ich um knapp 20.000 Euro. Das entspricht einem Gewinn von fast 1.200 Prozent. Amerikas größter Bitcoin-Broker, Coinbase, hat durch diesen Boom allein im Jahr 2017 mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz gemacht, das sind rund 2,7 Millionen Dollar am Tag. Kein Wunder, dass jeder etwas von diesem Kuchen abhaben will. Nirgendwo sonst lässt sich so schnell Geld verdienen. Hinzu kommt, dass Analysten glauben, dass der Zenit noch lange nicht erreicht ist. Summen von 60.000 bis 100.000 US-Dollar pro Bitcoin geistern durch die Medien.

Gleichzeitig warnen Institutionen wie die Finanzmarktaufsicht und die Nationalbank vor dem Handel mit der Kryptowährung. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny etwa bezeichnet sie als  „spekulativ, volatil und unseriös“. FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller: „Die Entwicklung der Bitcoins hat alle Charakteristika einer Blase. Wir können nur jemandem empfehlen, Bitcoins zu kaufen, der bereit ist, sein ganzes Geld zu verlieren.“

China hat den Handel mit Bitcoins bereits verboten, Korea möchte nachziehen. Aber auch in der westlichen Welt geht es rund: Deutschland, Frankreich, USA – sie alle überlegen stärkere Regulierungen für die Digitalwährung.

Und ganz Unrecht haben sie mit diesen Maßnahmen nicht. Anfang 2018 kam nämlich gleich die Ernüchterung: Nach dem 20.000 US$-Hoch folgte ein Absturz auf unter 10.000 US$. Mitunter ist dieser Kurssturz mit Sicherheit auch diesen Regulierungsüberlegungen geschuldet, man darf die Warnungen aber trotzdem nicht außer Acht lassen. Um seriös beurteilen zu können, wohin dieser Weg geht, muss man aber erst die Hintergründe verstehen.

Kompliziert, aber dennoch logisch
So wenig greifbar Kryptowährungen auch sein mögen, so sicher werden sie nicht mehr von der Bildfläche verschwinden. Der Grund dafür verbirgt sich in der Technologie, die hinter Bitcoin & Co steckt, die Blockchain, ein dezentrales Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien, das jede Veränderung transparent erfasst.

Greifbarer umschrieben: Eine gigantische Datenbank, die nicht auf einem Server liegt, sondern über viele Computer verteilt ist. Sie gehört nicht einem Unternehmen, sondern jeder Teilnehmer hat die gleichen Zugriffsrechte. Die Regeln werden von der Software festgelegt. D.h. es ist auch nicht zu manipulieren oder zu hacken – niemand muss einer anderen Person vertrauen, alle vertrauen diesem System. Und über diese Datenbank kann jede Art von Information transferiert werden – eben auch finanzieller Natur.

Zum besseren Verständnis ein paar konkrete Beispiele: 39 Prozent der Menschen weltweit haben kein eigenes Bankkonto, sie haben keine Chance, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Wenn sie aber Internet benutzen können, ist das Banking mit Kryptowährung möglich. Die Bank als Vermittler wird obsolet. Blockchain ist also eine Lösung für weltweiten bargeldlosen Geldtransfer.

Oder das Beispiel Immobilien: Um Grund besitzen zu können, braucht es viele Mittelsmänner: Makler, Notare, Grundbuch und Behörden. Theoretisch ist hier durchaus ein Betrug möglich. Denn wer Notarsiegel und Grundbuchamt innehat, kontrolliert auch den Besitz. In einer funktionierenden Demokratie mag das Thema nicht brisant sein, in einem totalitären Staat aber sehr wohl. Würde das über eine Blockchain laufen, könnte man sich diese Mittelsmänner sparen und die Kontrolle geht direkt auf den Besitzer über.

Auch im Gesundheitswesen kann eine solche Blockchain hilfreich sein: Eine Patientenakte mit allen relevanten Daten könnte vielleicht Leben retten, scheitert aktuell aber daran, dass die Kontrolle darüber nicht beim Patienten liegt, sondern bei Stellen, die unser volles Vertrauen vielleicht nicht verdient haben.

Technik, die bleiben wird
Das hat sich Satoshi Nakamoto 2008 wahrscheinlich nicht gedacht, als er Bitcoins ins Leben rief: Dieser Blockchain und mit ihr den Kryptowährungen wird nämlich eine ähnlich große Revolution vorhergesagt wie einst dem Internet. Also werden wohl auch die Kryptowährungen in Zukunft unsere ständigen Begleiter sein. Als 2010 begonnen wurde, einen ersten Wechselkurs für Bitcoins einzuführen, bewegte sich dieser im einstelligen Bereich. Aktuell steht er bei rund 10.000 US-Dollar. Das wirft einige Fragen auf.

„Hinter den Coins stecken echte Innovationen“

DIE SALZBURGERIN hat mit Paul Klanschek gesprochen, einem der Gründer von BitPanda.com. Das Unternehmen ist ein österreichisches Start-Up, das 2014 gegründet wurde und sich auf den Verkauf und Ankauf von Bitcoin & Co spezialisiert hat.

Paul Klanschek

Hr. Klanschek, 2017 war das Jahr der Bitcoins. Viele haben davon früher nicht einmal etwas gehört. Woher kommt der Hype?
Es wurde in den letzten Jahren irrsinnig viel in Bitcoin und Blockchain investiert. Irgendwann war der Netzwerk-Effekt so groß, dass es immer mehr an Wert gewonnen hat. Diesen Effekt kann man zum Beispiel auch bei Facebook sehen. Je mehr Mitglieder die Plattform bekommt, umso wertvoller wird sie. Wir haben diese große Nachfrage auch bei BitPanda sehr stark gespürt. Wir hatten Anfang 2017 noch rund 100.000 Kunden, Ende des Jahres waren es bereits 600.000.

Woher kommen diese Kryptowährungen eigentlich?
Noch vor einigen Jahren gab es lediglich Bitcoin. Erst 2013 haben sich weitere Währungen etablieren können. Die Entwickler der alternativen Kryptowährung haben einzelne Punkte bei Bitcoin als unpraktisch empfunden und eine für ihre Zwecke bessere Währung kreiert. So ist beispielsweise Ethereum entstanden. Inzwischen kommen aber so viele neue Währungen heraus, dass die Motivation dahinter gar nicht mehr klar zu erkennen ist.

Viele Entwickler glauben, mit einer neuen Währung das große Geld machen zu können.

Ist dieser „Wildwuchs“ an neuen Währungen eine positive Entwicklung? Oder sind sie die Vorboten einer Bitcoin-Blase?
Wir bieten solche Währungen nicht an, wir konzentrieren uns auf solide Angebote aus der Kryptoszene. Hinter den Coins, die wir unseren Kunden anbieten, stecken echte Innovationen. Wenn heute von der Bitcoin-Blase gesprochen wird, kann ich das nur bedingt nachvollziehen. Eine Blase bedeutet nichts anderes, als dass die Sachen überbewertet werden. Bei Dingen, deren Wert nur schwer festzumachen ist, kann das natürlich immer passieren und alternative Coins können dann durchaus in den Keller fallen. Etablierte Währungen wie Bitcoin können aber überstehen und nach kurzfristigen Einbußen wieder nach oben steigen. Ähnlich wie es damals mit Amazon passierte, als es Anfang 2000 zur dotcom-Blase gekommen ist.

Aber auch Bitcoin ist innerhalb eines Monats um mehr als 10.000 US-Dollar gefallen.
Das stimmt und das klingt jetzt auch sehr viel, weil die Summe gigantisch ist. Wer sich aber mit Bitcoins schon länger beschäftigt hat, weiß, dass es prozentual gesehen nicht überraschend ist. Seit 2010 habe ich noch kein Jahr erlebt, in dem Bitcoin nicht um 50 Prozent gefallen wäre. Doch eines ist auch sicher: Je mehr Kapital in den Bitcoins steckt, umso träger wird der Markt und die Schwankungsbreite wird geringer. So sinkt aber auch die Chance auf Rendite.

Wem würden Sie zu einer Anlage in Bitcoins raten?
Bitcoin ist unkorreliert mit dem Markt. Das heißt, wenn es wieder einmal zu einem Crash wie im Jahr 2008 kommen sollte, kann man diese Marktschwankungen mit Bitcoins gut ausgleichen, weil diese nicht um einen so hohen Wert abrutschen werden. Ein anderes solches Produkt gibt es eigentlich nicht. Am ehesten wären Bitcoins dann noch mit Gold vergleichbar. Ein gewisser Prozentsatz im Portfolio ist also eigentlich immer empfehlenswert. Ich glaube, dass auch Staaten irgendwann Kryptocoins ganz selbstverständlich in ihren Währungsreserven haben werden.

Man hört aber immer wieder von Krypto-Diebstählen. Wie sicher sind die digitalen Währungen denn wirklich?
Bitcoin und andere Währungen sind noch nie gehackt worden. Wenn etwas gehackt wird, dann sind es die Benutzer. Die Coins sind nur so sicher wie sie auch gelagert werden. Es gibt beispielsweise Hardware-Wallets, die ähnlich wie ein USB-Stick funktionieren und auf denen das Geld absolut sicher ist. Wir bieten daher allen unseren Kunden ein Wallet, in dem sie die Coins sicher verwahren können, bis der Kunde sich sicher genug fühlt, ein eigenes Wallet zu benutzen.

Aber auch in Ihrer Branche liest man von schwarzen Schafen. Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter?
Am besten schaut man, wie lange es die Häuser schon gibt. Wenn ein Unternehmen schon fünf Jahre am Markt ist, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach solide sein. Man kann auch auf die Partner schauen. Wir haben beispielsweise die Bank Austria als Partner. Wenn eine seriöse Bank dahinter steht, ist das ein gutes Zeichen. Jene Unternehmen, die Schindluder mit dem Geld ihrer Kunden getrieben haben, hatten meist gar kein Bankhaus im Hintergrund, sondern waren reine Krypto-zu-Krypto-Börsen. An einem guten Support lässt sich ein seriöses Unternehmen ebenfalls festmachen.

Viele Staaten denken über eine Regulierung des Krypto-Marktes nach. Was halten Sie davon?
Ich finde das nicht schlecht, es ist positiv für den Markt. Kurzfristig gibt es vielleicht einen Aufschrei, aber langfristig wird eine solche Maßnahme Vertrauen stiften. Eine Gewissheit, die man aktuell nicht hat, weil die FMA rechtlich keine Grundlage zur Regulierung besitzt. Wir haben diesen Schritt aber schon jetzt gemacht. Wir handeln nach dem Prinzip „know your customer“. Wenn Sie heute ein Bankkonto eröffnen, werden die gleichen Kontrollen durchgeführt wie bei uns.

Foto: Daniel Berkmann – Fotolia.com

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