Hier wohnt das Glück – hic habitat felicitas

Redaktionskolumne

So steht es in Stein gemeißelt – oder zumindest im 1841 freigelegten römischen Mosaik am Mozartplatz geschrieben. Noch heute ist das Mosaik gleich neben dem Mozartdenkmal zu sehen und die Inschrift deutlich zu lesen, was wohl belegt, dass das Glück tatsächlich in Salzburg zu Hause ist. Sind wir Salzburger tagtäglich gesegnet, hier zu leben, teilen wir dieses Glück von Ende Juli bis Ende August mit den Gästen aus aller Welt. Die Salzburger Festspiele – zweifelsfrei eines der bedeutendsten Kulturereignisse Europas – locken auch heuer Promis, Persönlichkeiten und Celebritys, Schaulustige und Kulturbegeisterte an. Die 222.500 Tickets für die insgesamt 203 Veranstaltungen an 15 Spielorten sind zum Beginn der Festspiele so gut wie ausverkauft. Was den einen oder anderen Kurzentschlossenen an den Rand der Verzweiflung treibt. So durfte ich vor Kurzem eine kleine Szene miterleben. Ein Herr – es dürfte kein Salzburger gewesen sein – hatte wohl ohne Erfolg versucht, noch Karten für eine „Jedermann“-Aufführung zu ergattern. Und scheinbar hatte er von irgendwoher den Tipp bekommen, am Schwarzmarkt sein Glück zu versuchen. Hoffnungsfroh, doch noch das Stück vom Sterben des reichen Mannes zu erleben, irrte er durch die Straßen Salzburgs: „Wo bitte finde ich denn den Schwarzen Markt?“ – Ich fürchte, er sucht immer noch – und wird den „Jedermann“ heuer verpassen. Gott sei Dank hat Salzburg aber auch abseits der Festspiel- Aufführungen so vieles zu bieten. Neben den Übertragungen ausgewählter Aufführungen auf der Großbildleinwand am Kapitelplatz gehört es doch zum größten Genuss, all die schönen Menschen in großen Roben zu beobachten. Vor dem Ambiente der Stadt ist dies schon ein wahres Schauspiel. Für Max Reinhardt war klar: „Jeder Platz, jede Straße hier scheint von vornherein zum Schauplatz eines Spiels geschaffen zu sein. Die Atmosphäre von Salzburg ist durchdrungen von Schönheit, Spiel und Kunst …“

Nur das Wetter sollte mitspielen, denn wie Erich Kästner in „Der kleine Grenzverkehr“, seiner entzückenden Erzählung über die Salzburger Festspiele in der Zwischenkriegszeit, schrieb: „In Salzburg regnet es immer mehr als anderswo, aber im August regnet es in Salzburg täglich.“ Gottseidank widersprechen dem die aktuellen Wetterprognosen…

112 total views, 3 views today

Alle Beiträge aus Redaktionskolumne


Facebook Icon