Fotolia_68691800_Subscription_Monthly_XXL

Hausmittel gegen Erkältung

Die Nase rinnt, der Hals kratzt, der Kopf brummt: Wie Hausmittel bei Erkältungen helfen.

Halsweh, Schnupfen, Husten: Dieses unheilvolle Trio tourt unter dem Namen Erkältung im Herbst wieder durch die Lande. Jetzt, wenn es draußen wieder kälter ist, sind Kindergarten- und Schulkinder genau wie Erwachsene anfälliger für Infekte. Aus ganz verschiedenen Gründen: Weil wir uns häufiger in schlecht gelüfteten Räumen aufhalten. Weil wir häufiger und dichter zusammensitzen und sich dadurch die Übertragungswege verkürzen. Und weil Heizungsluft die Schleimhäute austrocknet und sie anfälliger für Erreger macht.

Bis zu 200 Erkältungen machen wir durchschnittlich im Lauf unseres Lebens durch. Das Immunsystem wird mit einem banalen Infekt leicht fertig, doch sind die typischen Symptome wie Schnupfen und Husten lästig. Kindern in den ersten Lebensjahren erwischen Schnupfen und Husten bis zu zwölf Mal jährlich. Das ist völlig normal, denn die zahlreichen Infektionen trainieren das kindliche Immunsystem.

Hausmittel lindern Beschwerden

Der Körper reagiert auf eine Infektion, indem er die Betriebstemperatur erhöht. Die Immunabwehr kurbelt den Stoffwechsel an und löst so den Temperaturanstieg aus. Fieber hilft bei der Heilung, denn viele Erreger können bei über 38,5 Grad nicht überleben. „Fieber sollte deshalb nicht unterdrückt werden, außer, wenn es zu hoch steigt“, so der Arzt für Allgemeinmedizin Martin Mayerhofer. „Wer erhöhte Temperatur oder Fieber hat, bleibt am besten im Bett und trinkt viel Wasser und Tee. Leider können oder wollen sich immer mehr Menschen nicht die Zeit zum Auskurieren einer Virusinfektion nehmen.“ Mittlerweile kennen Wissenschaftler weit mehr als 200 Rhinoviren, die Husten, Schnupfen und Heiserkeit auslösen. „Gegen die Viren helfen keine Antibiotika“, sagt Mayerhofer. „Wenn ein Schnupfen oder Husten allerdings länger als fünf Tage dauert, das Fieber hoch steigt, oder wenn Sie sich sehr schlecht fühlen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen“, betont der Bad Gasteiner Praktiker. „Auch wenn Sie unter Atemnot leiden – verbunden mit einer körperlichen Schwäche. Manchmal kann sich aus einer Virusinfektion auch eine bakterielle Subinfektion entwickeln und dann sollten weitere Untersuchungen beim Arzt – wie ein Blutbild – gemacht werden.“ Doch bei einfachen, viralen Infekten können so manche Hausmittel die Beschwerden lindern: Kartoffeln, Zwiebeln und zahlreiche Kräuter sind nicht nur Grundausstattung für die Küche, sondern sie wirken auch als natürliche Arznei.

KRÄUTERTEES

Lindenblüten- oder Holunderblütentee sind die klassischen „Fiebertees“. Sie sollen dem Körper helfen, eine Infektion über Nacht auszuschwitzen.

Dazu zwei Teelöffel der Blüten mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Vor dem Einschlafen trinken, einen warmen Schlafanzug anziehen und sich gut zudecken.

Die ätherischen Öle in Salbei- und Kamillentee helfen gegen Entzündungen von Hals und Mandeln.

Zwei Teelöffel Salbeiblätter oder Kamillenblüten in einem halben Liter Wasser aufkochen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Mehrmals täglich mit der heißen Flüssigkeit fünf bis zehn Minuten intensiv gurgeln, den Tee immer ausspucken. Ein sehr wirksamer Nebeneffekt von Tees: Sie versorgen die Schleimhäute mit Flüssigkeit und helfen so, den festsitzenden Schleim zu verdünnen. Als Extrakte und damit höher dosiert sind die Wirkstoffe übrigens in Lutschtabletten, Sirup, Saft oder Tropfen enthalten.

Wirksam gegen Husten

Kräutertees können einen Reizhusten dämpfen oder Schleim lösen. Efeu, Eibisch, Fenchel, Isländisch Moos, Spitzwegerich und Thymian – die Liste an pflanzlichen Heilmitteln bei Husten ist lang. Die ätherischen Öle der Kräuter wirken ganz unterschiedlich: hustenstillend oder schleimlösend, keimtötend oder abschwellend, entkrampfend oder reizlindernd. Und sie lassen sich auf ganz vielfältige Weise anwenden: Indem man sie aufgießt und dann inhaliert, als Tee trinkt, darin badet oder als wohltuende Tinktur auf den schmerzenden Brustkorb verreibt. Durch das heiße Wasser lösen sich aus Isländisch Moos, Anis, Fenchel, Primelwurzel und Kiefernadeln Substanzen, die das Abhusten erleichtern, indem sie den Schleim lösen. Thymian und Efeu können beides: Sie wirken hustenstillend und -lösend. Huflattich, Süßholz und Wollblume sind schleimfördernd.  Gegen den Reizhusten hilft z. B. eine Teemischung aus 25 Gramm Eibischwurzel mit 20 Gramm Isländisch Moos, je 20 Gramm Anis- und Fenchelfrüchten sowie 15 Gramm Lindenblüten. Sechs Teelöffel der Kräutermixtur mit drei Tassen kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Drei Tassen pro Tag mit etwas Honig gesüßt trinken.

Schleim fördert u. a. eine Mischung aus gleichen Teilen von Huflattich, Wollblume und Süßholz. Pro Tasse einen Teelöffel der Mischung mit kochendem Wasser aufgießen und zehn Minuten ziehen lassen. Drei Tassen pro Tag trinken.

Vorsicht: Mit dem reizstillenden Tee nicht gegen den schleimlösenden Husten vorgehen. Abhusten fördernden und dämpfenden Tee nicht durcheinander trinken.

KAMILLEN- UND SALZINHALATION

Ein einfaches und doch außerordentliches Rezept sind Inhalationen mit Kamille und Salz, denn diese befeuchten die Atemwege und erleichtern so das Atmen enorm. Dazu zwei Liter Wasser zum Kochen bringen und entweder mit einer Handvoll Kamilleblüten oder drei gehäuften Esslöffelen Salz mischen. Gesicht über die Schüssel halten und mit Handtuch abdecken. Zehn Minuten inhalieren. Die Kamille wirkt desinfizierend und hemmt Entzündungen, Salz wirkt schleimlösend. „Bei Kindern sollten keine Heißinhalationen aufgrund der Gefahr einer Verbrühung durchgeführt werden. Bei Kindern mit Bronchienüberempfindlichkeit hat dies sogar mehr unerwünschte Wirkungen, da es zu asthmaähnlichen Verkrampfungen kommen kann“, so Kinderarzt Primar Josef Riedler vom Kinderspital Schwarzach.

ZWIEBELN und ihren knolligen Verwandten werden ebenfalls heilsame Kräfte bei Erkältungen und Infektionen zugeschrieben. Vor allem die müffelnden Schwefelverbindungen wirken antibakteriell und antiviral. Eine Variante: Zwiebeltee. Dafür werden die Zwiebeln gekocht, bis ein gelblicher Saft zurückbleibt. Verfeinert mit Honig ist der Sud für viele Menschen ein Geheimrezept, mit dem sich wirksam Viren und Bakterien abtöten lassen.

HÜHNERSUPPE

Wunder wirkt auch die selbst gekochte Hühnersuppe, das ist mittlerweile auch wissenschaftlich belegt. Durch die speziellen Inhaltsstoffe werden Entzündungszellen blockiert und das enthaltene Cystein bringt Schleimhäute zum Abschwellen. Wer die Suppe noch mit Chili und Ingwer aufpeppt, kann das Wirkungsspektrum gar noch erhöhen. Die Brühe befeuchtet zudem die Schleimhäute, zäher Schleim in den Bronchien verflüssigt sich und lässt sich leichter abhusten. Der heiße Suppendampf erhöht die Temperatur der Nasenschleimhäute. Das vertragen die Keime nicht und werden abgetötet. Nur die selbst gekochte Hühnersuppe hilft wirklich, Fertigprodukte haben nach Erkenntnis von amerikanischen Forschern einen viel schwächeren Effekt.

Das Rezept: ein Suppenhuhn mit Suppengemüse (Lauch, Sellerie, Karotten, Petersilie), Lorbeerblättern und Wacholderbeeren in Gemüsebrühe erhitzen und eineinhalb Stunden leicht köcheln lassen. Suppennudeln abkochen, mit klein geschnittenem Hühnerfleisch in der Brühe servieren. Mindestens zwei Teller am Tag essen.

WICKEL UND UMSCHLÄGE

Auch wenn Wickel heute eher aus der Mode gekommen sind, so sind es doch effektive Anwendungen. Umschläge und Wickel sind in der Medizin seit Jahrhunderten bekannt. Ihre Wirkung wird auf zwei Arten genutzt, durch die Temperatur und die Inhaltsstoffe. So werden zum Beispiel Topfen- und Kartoffelwickel vor allem bei Halsschmerzen, Husten und Heiserkeit eingesetzt, während Essig aufgrund seiner fiebersenkenden und desinfizierenden Wirkung vor allem bei Fieber eingesetzt wird.

Feuchte Wadenwickel leiten durch Verdunstungskälte Hitze aus dem Körper ab und schaffen so einen Temperaturausgleich. Wichtig ist, dass der ganze Körper einschließlich der Füße bei der Behandlung warm bleibt.

Und so funktioniert es: kaltes Wasser und Obstessig zu gleichen Teilen mischen. Geschirrtücher darin tränken, auswringen und um die Waden wickeln. Darum herum je ein Frotteehandtuch schlagen. Die Wickel wechseln, bevor sie kalt werden. Es genügen meist drei Wickelvorgänge, um das Fieber zu senken. Vorsicht ist dabei geboten, denn das Fieber soll nicht um mehr als ein Grad Celsius abgesenkt werden, da es andernfalls zu einer zu starken Kreislaufbelastung des Patienten kommen könnte. Waschungen mit einem in kaltem Wasser getränkten Tuch senken die Körpertemperatur. Dafür ein Leinentuch oder dünnes Frotteetuch in kaltes Wasser legen, danach leicht auswringen. Mit schnellen Bewegungen die Beine, den Unter- und Oberkörper abwaschen, dabei das Tuch immer wieder anfeuchten. Sich nicht abtrocknen, sondern in ein dickes Handtuch gewickelt ins Bett legen.

Topfen kühlt, wirkt abschwellend, lindert Schmerzen und hemmt Entzündungen. Falls der Hals schmerzt, lindern Topfenwickel Heiserkeit und Hals-Kratzen. Dafür wird ein Baumwoll- oder Leinentuch, das etwa anderthalbmal um den Hals passt, fingerdick mit der weißen Paste eingestrichen. Vor dem Anlegen werden die Ränder einmal umgeschlagen und der Wickel auf Zimmertemperatur erwärmt. Auf den Halswickel wird ein zweites Baumwolltuch gelegt und die Packung zusätzlich mit einem Wollschal fixiert. Der Wickel wird getragen, bis der Topfen antrocknet – in der Regel drei bis fünf Stunden.

Warme Wickel helfen

Auch Kartoffeln lassen sich wickeln – um den Hals und auf der Brust wirken sie bei Bronchitis und Halsschmerzen. Dafür werden 200 bis 500 Gramm Kartoffeln mit der Schale gekocht und auf ein Baumwolltuch gegeben. Die Enden werden umgeschlagen und die Kartoffeln zerdrückt. In ein weiteres Tuch eingeschlagen, packt man den Wickel auf die Brust oder den Hals. Damit sich niemand verbrennt, kann vor dem Anlegen die Temperatur des Wickels beispielsweise am Unterarm geprüft werden.

Zwiebelsäckchen wiederum helfen bei Ohrweh, eine häufige Begleiterscheinung bei Erkältungen. Dafür wird die Zwiebel fein gehackt und in ein dünnes Baumwolltuch oder Teefilterpapier gewickelt. Nachdem man die Zwiebelpackung beispielsweise über Wasserdampf erhitzt hat, legt man sie auf das schmerzende Ohr. Damit das Zwiebelsäckchen nicht verrutscht, wird es am besten mit einem Schal oder Stirnband fixiert. Danach sollte es eine Stunde wirken.

Nicht nur die Wärme am Hals und auf der Brust wirkt günstig bei Erkältungen, auch Fußbäder verbessern Husten und Heiserkeit – indem die Atemwege besser durchblutet werden. Dafür empfiehlt sich ein Fußbad mit ansteigenden Temperaturen: Begonnen wird etwas unterhalb der Körpertemperatur, bei angenehmen 34 Grad. Nach und nach steigern Sie die Temperatur des Fußbades bis auf 41 Grad. Die wärmende Wirkung lässt sich nach dem Abtrocknen am besten mit dicken Socken konservieren.

Außerdem können auch Erkältungsbäder mit bestimmten Badezusätzen für große Erleichterung sorgen, dürfen aber nicht bei Fieber genommen werden. Eukalyptus, Fichtennadel, Latschenkiefer und Edeltanne lindern spürbar Gliederschmerzen und sorgen auch für eine freie Nase, da ihre ätherischen Öle Sekret aus Nase und Bronchien lösen. Die Dauer eines Bades sollte bei 38 Grad zwölf Minuten nicht übersteigen.

ÄTHERISCHE ÖLE –

GEFAHR FÜR KINDER

Was aus der Natur kommt, kann nicht schlecht sein, so denken wir alle. Heilpflanzen-Präparate sind seit Jahren im Aufwärts-Trend. Reformhäuser, Apotheken und Drogerien haben oft eigene Abteilungen für die Gesundheit aus der Natur. Es gibt sie meist ohne Rezept. Die meisten dieser Mittel lindern und heilen tatsächlich. Sie „wirken“. Und genau da liegt das Problem. Ärzte warnen davor, mit pflanzlichen Medikamenten zu sorglos umzugehen. Denn sehr häufig glauben die Menschen, dass diese Präparate unbedenklich sind und nehmen sie oft achtlos ein. Doch diese Präparate haben aktive Wirkstoffe mit Nebenwirkungen, und daher sollte der gleiche sorgfältige Umgang wie mit anderen Medikamenten vorherrschen.

Ein Beispiel: Seit Tagen hustet das Baby, bekommt kaum Schlaf. Zwar nur eine starke Erkältung – aber um ihm das Atmen etwas zu erleichtern, streicht die Mutter dem Kind ein paar Tropfen Pfefferminzöl auf die Lippen. Sekunden später beginnt das Baby zu röcheln, droht zu ersticken. Lebensgefahr durch harmlose Heilpflanzen? Viele Menschen unterschätzen die scheinbar harmlosen ätherischen Öle. Wenn ein Kleinkind Minzöle einnimmt, kann es zu einem akuten Spasmus, also einem Krampf der Kehlkopfmuskulatur kommen, das ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Manche dieser ätherischen Öle können sogar zu einem reflektorischen Herzstillstand führen. Wer seinem Kind pflanzliche Hustenmittel geben möchte, sollte lieber genau hinschauen. Manche Präparate enthalten bis zu 49 Prozent Alkohol! Und sind damit nun wirklich nicht kindgerecht. Gefahr droht auch, wenn Naturpräparate falsch dosiert oder zu lange eingenommen werden. „Manche dieser potenten Präparate können auch zu Wechselwirkungen mit anderen einzunehmenden Medikamenten führen“, warnt der Allgemeinmediziner Martin Mayerhofer. Dem Rat: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, sollte man also unbedingt folgen.

Maria Riedler

787 total views, 2 views today

Alle Beiträge aus Gesundheit & Wellness


Facebook Icon