Zahnspange_die_salzburgerin

Gratiszahnspange

Fehlstellungen der Zähne sind mehr als kosmetische Mängel, denn schief oder zu eng stehende Zähne lassen sich auch schlechter vor Karies schützen als gerade Zähne. Ab 1. Juli gibt es die kostenlose Zahnspange.

Schönheit wird ja bekanntlich individuell wahrgenommen, doch trotzdem ist es so, dass nur wenige Menschen von Geburt an ein „perfektes Gebiss“ haben.

Kieferorthopädische Behandlungen haben allerdings nicht nur ästhetische Gründe, deshalb ist eine Behandlung von Fehlstellungen der Zähne wichtig.

Ab Juli 2015 sollen bei erheblichen Zahn- oder Kieferfehlstellungen die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Die Krankenkassen zahlen die Behandlungen allerdings nur dann, wenn der Bedarf an einer Behandlung tatsächlich gerechtfertigt ist. Das ist bei schweren Fehlstellungen des Kiefers oder der Zähne der Fall. „Um zu erfahren, ob eine solche Fehlstellung vorliegt, führt der erste Gang zum Zahnarzt“, so der Salzburger Zahnarzt und Präsident der Landes-Zahnärztekammer für Salzburg, DDr. Martin Hönlinger.

Nach einem kieferorthopädischen Erstberatungsgespräch mit einem Vertragszahnarzt wird der Patient an einen Kieferorthopäden verwiesen. Der Ersttermin bei ihm dient der Feststellung der Fehlstellung über international definierte Richtwerte. Diese Richtwerte sind durch eine Skala von eins bis fünf definiert. „Wenn der Kieferorthopäde tatsächlich eine schwerwiegende Fehlstellung (Richtwerte 4 und 5) feststellt und selbst einen Kassenvertrag besitzt, kommen die Krankenkassen für die Zahnspange in voller Höhe auf“, so Martin Hönlinger. Dies festzustellen, obliegt dem Kieferorthopäden, es wird dafür kein Bewilligungsverfahren der Krankenkassen über den Chefarzt geben.

Bisher hohe Selbstbeteiligung

Bisher wurde eine festsitzende Zahnspange mit ca. 450 Euro von der Krankenkasse unterstützt. Mit der in Aussicht gestellten Kostenübernahme gilt dieser Zuschuss ab Juli nicht mehr. Sowohl das Erstgespräch (einmalig für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr) mit dem Zahnarzt als auch die Einschätzung durch den Kieferorthopäden werden dann die Krankenkassen ab Juli für jede minderjährige Person übernehmen, wenn diese eine Fehlstellung von Grad 3-5 haben. Für Kinder mit Fehlstellung Grad 1 bis 3 bleiben Zahnspangen jedoch weiterhin kostenpflichtig und alles beim Alten. Zahnspangen und kieferorthopädische Behandlungen werden für sie also auch in naher Zukunft nicht kostenlos sein, da ihr Grad der Fehlstellung dazu nicht schwerwiegend genug ist. Mit welchen Sätzen sich die Krankenkasse bei ihnen an der Behandlung beteiligt, hängt von der jeweiligen Kasse ab.

„Bei den Verhandlungen wurde für unsere Patienten jedoch das Beste herausgeholt, das möglich ist“, betont Hönlinger. Jedenfalls wird dies für schwerwiegende Fälle die „normale“ Zahnspange beinhalten. Denn obwohl viele Kinder hier betroffen sind, bekommt noch immer nicht jedes Kind die dringend benötigte Behandlung. Schuld daran dürften auch die bislang eher hohen Kosten für Eltern von durchschnittlich geschätzten € 1.200 pro Jahr – bei einer Laufzeit von drei Jahren – gewesen sein.

Spezielle Maßnahmen können kosten

„Fallen zusätzliche Maßnahmen im kosmetischen oder chirurgischen Bereich an, so können natürlich auch hier eventuell weitere Kosten anfallen.“ Denn, wenn auf Wunsch des Patienten ein kieferorthopädischer Apparat unter rein kosmetischen Aspekten erstellt wird – wie etwa Keramikbrackets, eine linguale Versorgung oder zahnfarbene Bögen – so ist die kieferorthopädische Leistung in ihrer Gesamtheit eine Privatleistung.

Für die kostenlose Zahnspange wurde jedenfalls ein Gesamtvertrag mit den Kieferorthopäden geschlossen. Für die Eltern bedeutet dies, dass sie sich an einen der rund 180 Kieferorthopäden oder Zahnärzte mit kieferorthopädischer Ausbildung in Österreich wenden müssen. Der Hauptverband will damit die Einhaltung von begleitenden Qualitätsmaßnahmen sicherstellen. „Dies kommt aber erst zustande, wenn tatsächlich genügend Ärzte gefunden werden, die diese Kassenverträge übernehmen.“ Ob dies auch tatsächlich der Fall sein werde, könne derzeit noch nicht wirklich beurteilt werden, meint der Präsident der Salzburger Zahnärztekammer.

Meilenstein Gesundheitspolitik?

Um zu erfahren, mit welchen Selbstbeteiligungssätzen Eltern im Falle von Kindern mit Indikation 1 bis 3 zu rechnen haben, sollten sie daher neben dem Gespräch mit dem Kieferorthopäden auch das Gespräch mit der eigenen Krankenkasse suchen.

Für Kinder, die leichte Kieferprobleme haben und dennoch eine Zahnspange benötigen, wird es weiterhin Kassenzuschüsse geben. Eltern und Kieferorthopäden hatten ja befürchtet, dass diese finanzielle Unterstützung gestrichen werden könnte. Bei schweren Fehlstellungen erfolgt eine frühkindliche kieferorthopädische Behandlung durch Zahnärztinnen und Zahnärzte bzw. Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden im Normalfall frühestens ab dem 6. Lebensjahr, wobei der bisher geltende Selbstbehalt (durchschnittlich 400 Euro) wegfällt.

Die festsitzende Zahnspange wird für alle Kinder und Jugendliche unter den oben genannten Voraussetzungen vom 12. bis zum 18. Lebensjahr auf Kassenkosten erhältlich sein, so das Bundesministerium für Gesundheit.

Geschätzt wird vom Ministerium, dass etwa 30.000 Kinder und Jugendliche jährlich davon betroffen sein werden. Circa 8.000 fallen in den Bereich der frühkindlichen Behandlung und an die 22.500 in den Versorgungsbereich mit festsitzenden Zahnspangen ab dem 12. Lebensjahr. 80 Prozent davon sollen von Vertrags-Kieferorthopäden angepasst werden, die restlichen 20 Prozent von Wahlzahnärzten. Die Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser bezeichnete dies jedenfalls in einer Aussendung als „Meilenstein der österreichischen Gesundheitspolitik“, der Tausende Familien entlasten würde. Maria Riedler

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