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Glockenhelles Lachen der Barbarina

Rotzfrech und klug, dickköpfig und ein liebenswerter Wirbelwind – das ist Barbarina, die Tochter des immer betrunkenen Gärtners in Mozarts Opera buffa Le nozze di Figaro bei den diesjährigen Salzburger Festspielen. Gesungen wird sie von der 25-jährigen Opernsängerin Christina Gansch.

Le nozze di Figaro, uraufgeführt 1786 im Burgtheater in Wien, ist eine freche Komödie auf die sterbende Gesellschaftsordnung ihrer Zeit. Inhalt ist der Kampf der verschiedenen Hierarchien der Gesellschaft und die aristokratische Welt, welche zwar noch vorhanden ist, sich aber bereits aufzulösen beginnt. Mittendrin im Gewirr ist Barbarina, die Tochter von Antonio, des immer betrunkenen Gärtners des Grafen Almaviva. „Barbarina weiß, was sie will, sie setzt ihren Kopf durch, sie fliegt überall am Hof umher, lauscht überall, ist ein bisschen in den Pagen des Grafen, Cherubino, verliebt, mag aber auch den Grafen selbst ganz gerne, und wenn sie Hunger hat, küsst sie auch einmal den Koch“, so Christina Gansch über den jugendlichen Wirbelwind in Sven-Eric Bechtolf Neuinszenierung. Erstmals ist die 25-jährige Opernsängerin diesen Sommer als Solistin bei den Salzburger Festspielen engagiert, und die Rolle scheint ihr wie auf den Leib geschneidert zu sein. Lustig und heiter soll die Opera buffa sein und trifft damit auch den Charakter von Christina Gansch. „Ich bin ein fröhlicher und sehr lebensbejahender Mensch und bestimmt auch manchmal ein bisschen dickköpfig“, sagt sie schmunzelnd. Und dass die Rolle der Barbarina gut zu ihr passt, haben neben Bechtolf wohl schon mehrere Regisseure so empfunden, ist ihr die Rolle doch nicht neu. „Ich habe die Rolle schon 2014 für Nikolaus Harnoncourt am Theater an der Wien gesungen, und auch an der Staatsoper in Hamburg haben wir einen Figaro gemacht“, so Gansch.

Die Staatsoper in Hamburg. Für zwei Jahre ist Christina Gansch aktuell Mitglied im Internationalen Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper. Und während dort gerade Ferien sind, singt sie in Salzburg die Barbarina und ist Mitglied des Young Singers Project 2015.

Vom Mostviertel auf die Bühnen der Welt

Geboren 1990 in St. Pölten, wächst Christina Gansch in der Marktgemeinde Kirchberg an der Pielach, nahe der niederösterreichischen Hauptstadt, auf einem Bauernhof auf. Der Vater ist Milchbauer, die Mutter Pflegedirektorin im Krankenhaus St. Pölten. Es ist der Großvater, der Christina Gansch´ Liebe zur klassischen Musik bereits in jungen Jahren prägt. „Wir hatten zu Hause eine uralte Schallplatte von der Kinderzauberflöte, die habe ich jeden Tag gehört und geliebt“, erinnert sich Gansch. Mit 16 geht sie auf die Suche nach einer professionellen Ausbildung zur Sängerin und wird am Konservatorium für Kirchenmusik in St. Pölten fündig. Zwei Jahre lang studiert Gansch neben dem Realgymnasium Lied, Messe und Oratorium. „Ich habe mich für die klassische Musik entschieden, weil sie so umfangreich ist, es gibt so viel zu entdecken und es wird nie langweilig!“ Ihre Gesangslehrerin ist es schließlich, die sie auf die Aufnahmeprüfung an der Universität Mozarteum in Salzburg vorbereitet. Nach der Matura und der Gesangsausbildung in St. Pölten zieht Christina Gansch nach Salzburg. Nach dem Bakkalaureat an der Universität Mozarteum folgt das Masterstudium an der Royal Academy of Music in London.

Heute ist Christina Gansch Trägerin des Kathleen Ferry Awards 2014 und ist bereits in Österreich, Deutschland, Frankreich, England, Italien und der Schweiz auf der Bühne gestanden. „Ein Vöglein, ein Hirte und jugendliche Rollen sind es, die aktuell einfach zu mir passen“, sagt sie. Und auch größere Rollen wie die Gretel in Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ hat Gansch schon gesungen.

Eine bisher nahtlose und märchenhafte Karriere. Und wenn es mit dem Traum von der Oper doch schief gehen sollte? „Dann gehe ich nach Hause Kühe melken“, sagt Christina Gansch und ihr glockenhelles Lachen erfüllt den Raum.

Eva Pittertschatscher

Info: Le nozze di Figaro, Schlusspunkt im Salzburger Mozart/Da-Ponte-Zyklus, Opera buffa von Wolfgang Amadeus Mozart, Premiere 28. Juli, Haus für Mozart, Neuinszenierung unter der Regie von Sven-Eric Bechtolf

Weitere Termine: 2., 5., 9., 12., 15., 18. August 2015

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