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Gesund beginnt im Darm

Milliarden von Mikroorganismen besiedeln unseren Darm und entscheiden über Gesundheit und Krankheit. Wie man die Darmflora aufbauen und stärken kann.
 Ein Artikel von Maria Riedler
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Schon in der Antike erkannte man, dass eine „schlechte Verdauung“ die Wurzel vieler Krankheiten ist. Ein kranker Darm, der meist eine gestörte Darmflora aufweist, kann wichtige Nährstoffe aus der Nahrung nicht aufnehmen. Dadurch fehlen dem Organismus auch nach Aufnahme gesunder Nahrung wichtige Vitalstoffe, wie etwa Vitamine und Spurenelemente. Die Ernährung und damit auch die Gesundheit unserer Körperzellen hängen von der Funktionstüchtigkeit des Darms ab. Der Darm leistet weit mehr als Verdauungsarbeit. Während er dafür sorgt, dass alle aufgenommenen Stoffe und Flüssigkeiten in die Blutbahn gelangen, filtert er Gifte, Keime und Schadstoffe aus der Nahrung und produziert darüber hinaus Immunzellen, die sich über die Lymphbahnen im Körper verteilen und dort Krankheitserreger abwehren.

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Warnsignal Blähungen
Erste Warnsignale wie Blähungen und Völlegefühl werden von Betroffenen meist als „normal“ abgetan. Die Forschung bestätigt aber, dass eine der tragenden Säulen körperlicher und geistiger Gesundheit funktionierende Resorptionsmechanismen sind, die eine intakte Verdauung garantieren. Darüber hinaus produziert der Darm 80 Prozent der Zellen des Immunsystems.
Der Darm des Menschen stellt ein äußerst komplexes und dynamisches Ökosystem dar, das von Bakterien und anderen Mikroorganismen mit zunehmendem Alter dichter besiedelt wird. Die Darmflora besteht zu 99 Prozent aus vier bakteriellen Stämmen, nämlich Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria. Im mittleren Lebensalter werden im Dickdarm fast ausschließlich sogenannte obligate Anaerobier gefunden. Dies sind Bakterien, die für ihren Stoffwechsel keinen Sauerstoff benötigen oder sogar durch ihn gehemmt bzw. abgetötet werden. Die Mikroflora des Dünndarms besteht hauptsächlich aus fakultativ anaeroben Bakterien. Das sind Organismen, die sowohl unter sauerstoffarmen (anaeroben) als auch unter sauerstoffreichen (aeroben) Bedingungen leben können.
Das bakterielle Ökosystem des Darms verhindert, dass Krankheitserreger sich im Darm ausbreiten können und Infektionen hervorrufen. Zudem wirkt es regulierend auf das Immunsystem und ist für die Vitamin K-Produktion verantwortlich. Die Darmflora regt auch die Bewegungen des Darms (Peristaltik) an und schützt vor giftigen Substanzen (Toxinen).

Ungleichgewicht im Öko-System
Das ökologische System im Darm ist normalerweise relativ stabil. Allerdings gibt es Faktoren, die rasch zu einem Ungleichgewicht führen können. Dazu gehören etwa Medikamente, wie Antibiotika oder schlechte Ernährungsgewohnheiten. Bei Menschen mit Übergewicht können sich einige Mikroorganismen nahezu explosionsartig vermehren.
Ebenso scheinen sich ungünstige Lebensstilfaktoren wie Umwelt, psychische Belastungen oder Stress auf das Gleichgewicht der Darmflora auswirken zu können. Hierzu gibt es aber wenig wissenschaftliche Evidenz.
Bei vielen immunologisch bedingten Erkrankungen wird mittlerweile ein Zusammenhang zu Störungen der Darmflora angenommen. Dazu zählen unter anderem Atopische Erkrankungen wie Asthma und Neurodermitis, Typ-1 Diabetes, Multiple Sklerose, Zöliakie und chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Stärkung der Darmflora

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In aller Regel funktioniert dies ohne den Einsatz teurer Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel. Wir haben einige allgemeine Tipps für Sie gesammelt.

Basenüberschüssige Ernährung
Wer seine Darmflora stärken oder sanieren möchte, der sollte dies bereits mit der richtigen Ernährung beginnen. Fettiges ungesundes Essen, viel Fast Food oder übermäßiger Konsum von Limonaden und Kaffee sind kontraproduktiv. Zur Stärkung der Flora im Darm helfen gesunde Lebensmittel mit einem hohen Basenüberschuss und täglich ausreichend ungesättigte Fettsäuren wie Omega 3 und 6, die etwa in Kaltwasserfischen wie Sardellen, Heringe, Makrelen, Sardinen, Lachs und Sonnenblumen- oder Distelöl enthalten sind. Gut sind frische und saisonale Lebensmittel, besonders gut sind viel heimisches Gemüse und Obstsorten wie Äpfel, Beeren, Birnen, Quitten, Trauben und Zwetschgen auf dem täglichen Speiseplan. Auf Zucker, Fastfood und übermäßig ballaststoffreiche Kost sollte man verzichten.

Sportlich aktiv
Wer sportlich aktiv ist, kann dazu beitragen, dass die Verdauung angeregt und gefördert wird. In Verbindung mit einer gesunden Ernährung ist dies besonders erfolgreich. Besonders geeignet sind alle Arten von Ausdauersport.
Wer beispielsweise jeden zweiten Tag für eine Stunde laufen geht und sich zusätzlich gesund und ausgewogen mit frischen Lebensmitteln ernährt, der fördert die Regeneration der Darmflora schon nach wenigen Tagen.

Entspannung
Bewusste Ruhephasen und die damit verbundene Entspannung und Erholung sind in unserer manchmal hektischen und stressigen Zeit besonders wichtig. Gut, wenn man diese – wenigstens kurzen – Ruhephasen auch klar im Tagesablauf einplant!

Ausreichend trinken
Um eine spürbare Wirkung zu bekommen, ist es gut, wenn man täglich bis zu vier Liter Wasser trinkt. Das Wasser sollte nicht zu kalt genossen werden, da kaltes Wasser den Magen und Darm wiederum unnötig belastet. Kohlensäure fördert wiederum die Bildung von Magensaft, was empfindlichen Menschen sauer aufstoßen könnte. Vermeiden sollte man regelmäßig größere Mengen Alkohol.

Bitterstoffe
Die Leber ist ein wichtiges Organ, das oft zu wenig Aufmerksamkeit bei diesem Thema bekommt. Die Leber nimmt direkt Einfluss auf unsere Verdauung und sie kann etwa durch eine Ernährung mit vielen Bitterstoffen gestärkt werden. Bitterstoffe entfalten ihre Wirkung genau dann, wenn sie unsere Zunge berühren. Ihr bitterer Geschmack stimuliert Magen, Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse, die sofort mit der Sekretion lebensnotwendiger Komponenten des Verdauungssystems beginnen. Gallenflüssigkeit, Magensäfte und Insulin werden so freigesetzt. Diese Substanzen werden dringend für die Assimilation von Nährstoffen im Körper benötigt. Zusätzlich wird die Funktion der Leber angeregt, die den Abbau und das Ausscheiden von Giftstoffen zur Aufgabe hat.

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