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Gesünder durch weniger Medikamente?

Ein Kommentar von Dr. Michael Spitzbart, Spezialist für präventive und orthomolekulare Medizin

Würden Sie ein Auto kaufen, bei dem sich der Airbag bei einem Unfall in 1,8 Prozent der Fälle öffnet? Wohl kaum. Sie erwarten zu Recht 100 Prozent. Bei Medikamenten sollte die Trefferquote ähnlich hoch sein – liegt oft aber nur bei 1,8 Prozent. Paradebeispiel sind hier Statine, die Blutfettsenker. Sie sollen uns vor Herzinfarkt und Schlaganfall bewahren – tun sie aber praktisch nicht. Sie senken nur kosmetisch das Cholesterin. Der Trick, mit dem die Pharmaindustrie arbeitet, ist immer der gleiche: Es wird der relative und nicht der absolute Nutzen vorgerechnet.
Ein Beispiel: Fast alle Frauen bekommen in der Brustkrebsnachsorge ein Medikament namens Tamoxifen verordnet, da es angeblich die Wahrscheinlichkeit, an einem Rezidiv zu erkranken, halbiert. So wird das den Ärzten von der Pharmaindustrie und den Frauen von den Ärzten erklärt. Sieht man aber genauer hin, relativiert sich das. Ohne Tamoxifen liegt das Risiko eines Rezidivs bei 4 Prozent. Mit Tamoxifen bei 2 Prozent. Das ist zwar auch eine Halbierung – wird den Frauen aber so nie erklärt. Bei den heftigen Nebenwirkungen, die dieses Medikament auslöst, würden viele Frauen das Präparat bei entsprechender Darstellung wohl eher nicht nehmen.
Natürlich soll niemand seine vom Arzt verordneten Medikamente einfach absetzen. Aber ich möchte, dass Sie kritisch nachdenken und reflektieren, ob es nicht wirksame natürliche Alternativen gibt. So kann ein erhöhter Blutdruck beispielsweise durch die natürliche Aminosäure Arginin
effektiv und nebenwirkungsfrei gesenkt werden. Das Problem: Arginin kommt vom lieben Gott und kann nicht patentiert werden. ß-Blocker dagegen schon.
35 Prozent der Menschen schlucken wegen einer Schilddrüsenunterfunktion das Schilddrüsenhormon Thyroxin (z.B. Euthyrox). Dabei ist das Schilddrüsenhormon das einfachste Hormon im ganzen Körper, da es nur aus den zwei Elementen Jod und dem Eiweißbaustein Tyrosin besteht. Bei einem Mangel an nur einem der beiden Faktoren entsteht zwangsläufig eine Schilddrüsenunterfunktion. Was macht der Hausarzt? Er rezeptiert Thyroxin. Messung von Jod und Tyrosin und ggfs. Substitution bei einem Mangel – Fehlanzeige.
Noch dramatischer ist die Lage bei Burnout und Depression. Ursächlich ist oft ein Mangel an dem Glückshormon Serotonin oder dem Antriebshormon Dopamin. Routinemäßig wird mit der chemischen Keule behandelt, etwa mit selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmern (SSRI), die die
Restwirkung des zu niedrigen Serotonins verlängern sollen. Wäre es da nicht klüger, die Eigenproduktion dieser Hormone auf natürliche Weise zu erhöhen? Die Hormone werden durch essentielle Aminosäuren gebildet, die unter Stress vermehrt verbraucht werden. Führt man mehr dieser natürlichen Grundbausteine zu, erhöht sich die Hormonproduktion. Noch einmal ganz deutlich: Ich bin froh, dass ich bei einer Lungenentzündung z.B. hochwirksame Antibiotika verschreiben kann. So manches Medikament ist ein wahrer Segen. Auf der anderen Seite sterben bei uns jährlich fünfmal mehr Menschen durch Nebenwirkungen von Medikamenten als im Straßenverkehr.
Fragen Sie Ihren Hausarzt immer nach Alternativen zu den Medikamenten. Signalisieren Sie, dass Sie auch gerne dazu bereit sind, selbst etwas für Ihre Gesundheit zu tun. Und hinterfragen Sie die Wirksamkeit der Medikamente ganz genau.

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