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„Gerne wäre ich der Gott im Jedermann“

Man kennt sie aus Kino und Fernsehen, man kennt sie von der Bühne. Und man kennt ihren Namen. Dieses Jahr gibt Mavie Hörbiger die „Werke“ in der neuen Jedermann-Inszenierung. Zwei Tage vor der Premiere hat die Schauspielerin noch Zeit gefunden, mit der DIE SALZBURGERIN zu plaudern.
Ein Artikel von Doris Thallinger
Foto: Salzburger Festspiele / Matthias Horn

Foto: Salzburger Festspiele / Matthias Horn

Es ist nicht einfach, Mavie Hörbiger für ein Interview zu begeistern, und noch schwieriger ist es, einen Termin mit der blonden Schauspielerin zu ergattern. Aber dennoch: Bevor sie zu einer der letzten Jedermann-Proben eilt, nimmt sie sich die Zeit und ist – so kurz vor der Premiere – erstaunlich entspannt.
Lampenfieber? Für Mavie ein Fremdwort. „Ich bin generell nicht so nervös, außer natürlich in dem Moment, ganz kurz, bevor es losgeht. Aber von Lampenfieber bin ich generell eher befreit, Gott sei Dank!“ Und gerade vor der Jedermann-Premiere gibt sie sich cool: „Ich bin überhaupt nicht aufgeregt. Wenn man so verstärkt ist, die Bühne so groß ist, dann hat das relativ wenig mit Theaterspielen zu tun. Es hat mehr etwas von einem Spektakel. Außerdem ist man so abhängig vom Wetter. Ich habe meine Szene schon im strömenden Regen gespielt, unter knallender Sonne oder im ärgsten Wind. Man kann sich auf nichts verlassen, wahrscheinlich bin ich deshalb nicht nervös, weil es ohnehin so kommt, wie es kommt.“
Immerhin ist sie ja mit ihren knapp 38 Jahren auch schon ein alter Hase im Geschäft, wie sie lachend eingesteht. Schon mit 17 Jahren stand sie zum ersten Mal vor der Kamera. Der große Name „Hörbiger“ hat damals sicherlich neugierig gemacht auf das zarte Wesen mit den riesigen Augen. Große Vorteile habe ihr der Name allerdings nicht gebracht – es waren eher die großen Erwartungen, die ihren Start in die Schauspielkarriere begleitet haben. „Ich glaube, mittlerweile habe ich mich ein bisschen befreit davon, aber anfangs war es schwierig. Ich glaube, die Leute haben noch viel mehr hingeguckt, waren viel kritischer. Sie hatten einfach ein eigenartiges Bild, obwohl sie mich nicht gekannt haben. Und erst dann haben sie gemerkt: Die ist ja ganz anders. Schon ganz anders als sie aussieht.“

Blonder Engel
Ja, das äußere Erscheinungsbild kann trügerisch sein. Die großen Augen hinter schwarzen, runden Sonnenbrillen versteckt, sitzt Mavie Hörbiger unerkannt im Café. Das weiße T-Shirt und der schwarze Rock geben zu erkennen, dass sie viel Ahnung von Mode hat. Die stylischen Teile unterstreichen ihre zarte Erscheinung. Die erste Überraschung tut sich auf, sobald das feengleiche Geschöpf seinen Mund aufmacht. Mit leicht rauchiger Stimme fragt sie, ob es in Ordnung wäre, wenn sie raucht. Und schon dreht sie mit geschickten Fingern eine Zigarette und erzählt dabei aus ihrem Leben. Da entschlüpft dem vollen Mund schon auch einmal der eine oder andere Kraftausdruck, wenn sie über den Alltag einer Schauspielerin philosophiert. Dem Alltag in einem Beruf, den sie bereits von früh an ausüben wollte. „Irgendwie wollte ich immer schon Schauspielerin werden. Jetzt, nach all den Jahren, denke ich manchmal, es wäre schon schön, etwas anderes zu machen. Etwas zu können. Vorgestern hatten wir Probe im Festspielhaus, als sich Anna Netrebko gerade warm gesungen hat. Da denkt man sich, die kann richtig was. Die wird für was bezahlt, was sie wirklich kann. Und manchmal denke ich mir, wir sagen ja nur Sätze auf.“

Foto: Irina Gavrich

Foto: Irina Gavrich

Für ihre Kinder wünscht Mavie Hörbiger sich jedenfalls keine Schauspiel-Karriere. „Absolut auf gar keinen Fall. Es wäre sehr schön, wenn sie etwas anderes machen würden. Der Beruf hat so viele Höhen und Tiefen, man ist so abhängig und im Endeffekt steht man immer wieder an einem Anfang. Man muss sich immer wieder neu beweisen – das ist schon schwierig und das macht etwas mit einem. Nun bin ich jemand, der gut von seinem Beruf leben kann, aber es gibt tausende Abgänger von Schauspielschulen mit großen Träumen – und die gehen vielleicht nie in Erfüllung. Das möchte ich meinen Kindern gerne ersparen.“

Die Werke
Bereits zum vierten Mal steht Mavie Hörbiger heuer auf der Festspiel-Bühne, dieses Mal als Werke in der Neuinszenierung des Jedermann. „Ich bin sehr froh über meine Rolle, es ist eine sehr schöne Rolle. Obwohl man früher gesagt hat: ‚Wennsd ned scharf genug bist für die Buhlschaft, dann bist die Werke‘!“ Ja, würde sie denn gerne einmal die Buhlschaft spielen? „Ich glaube, ich wäre keine gute Buhlschaft. Man braucht auch große Lust, den Zirkus mitzumachen: Pressetermine, Interviews, Seitenblicke… Und da ich ja kaum Interviews gebe und mich nicht gern fotografieren lasse… – nein, ich würde das nicht aushalten. Wenn, dann wäre ich gerne einmal der Gott im Jedermann.“

Mavie Hörbiger wurde am 14. November 1979 als Tochter von Gaby und Thomas Hörbiger und Enkelin von Paul Hörbiger geboren. 1996 stand sie zum ersten Mal vor der Kamera, seitdem war sie in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. Parallel dazu steht sie seit 2001 regelmäßig auf der Bühne und ist seit 2012 am Wiener Burgtheater engagiert.
2006 heiratete sie den Schauspieler Michael Maertens, mit dem sie eine Tochter (8) und einen Sohn (5) hat.

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Foto: Irina Gavrich

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