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Ganz Ohr

Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar

Egal, ob es in der Partnerschaft bröckelt, der Arbeitsalltag unbezwingbar erscheint oder man mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen: Mitarbeiter der Telefonseelsorge kümmern sich rund um die Uhr um Menschen, die Hilfe suchen – und von denen sie kaum etwas wissen. Helfen bedeutet hier vor allem zuhören.
Bundesweit nehmen jährlich etwa 7.500 ehrenamtliche Telefonseelsorger rund 1,8 Millionen Anrufe entgegen. Auch eine Chat- und E-Mailberatung gibt es. Gerade jüngere Ratsuchende nutzen bevorzugt die digitalen
Kanäle. In Deutschland wurde die erste Leitung der Telefonseelsorge 1956 in Berlin eröffnet, nach englischem Vorbild. Damals hieß sie noch „Lebensmüdenberatung“ und richtete sich nur an Suizidgefährdete. Heute ist die Telefonseelsorge eine der größten Hilfsorganisationen des Landes. In München feiert sie gerade 50-jähriges Bestehen. Die Ehrenamtlichen sind keine Therapeuten. Sie sind aber auch keine Laien. Fast ein Jahr dauert die Ausbildung der Beraterinnen und Berater, bevor sie alleine ans Telefon oder an die Tastatur gelassen werden.
Träger der Telefonseelsorge sind die Evangelische und die Katholische Kirche, die auch den größten Teil der Kosten übernehmen. Seit 1997 unterstützt die Deutsche Telekom die Einrichtung und trägt sämtliche Gebühren der bundesweit einheitlichen +49 (0) 800 / 11 10 111 oder +49 (0) 800 / 11 10 222 Nummern. Je nach Vorwahl wird ein Anrufer automatisch an die regionalen Stellen weiterverbunden. Die Ratsuchenden kommen aus allen Gesellschaftsschichten, die Beratungsthemen sind vielfältig. Oft zur Sprache kommen depressive Verstimmungen oder körperliche Erkrankungen. Besonders in der dunklen Jahreszeit und zu Weihnachten fühlen sich viele Menschen sehr einsam. Dann werden die Betroffenen häufig sogar mehrmals versuchen müssen, bis sie zu einem Berater durchgestellt werden können.

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