Xaver

Frei sein

Am 13. Juni kommt Xavier Naidoo mit seiner Open-Air-Tour nach Salzburg und wird den Residenzplatz zum Erbeben bringen. Im Interview mit der SALZBURGERIN spricht er über die bevorstehende Tour, Freiheit und über besonders emotionale Momente.

Am 13. Juni bist du mit deiner aktuellen Tour „Frei sein“ zu Gast! Was bedeutet denn „Frei sein“ für dich persönlich? Was bedeutet „Frei sein“ als Name der Tournee?

„Frei sein“ heißt ein bisschen, zurück zu unserer Vergangenheit zu gehen. Frei sein war der Titel unseres ersten Songs, der wirklich bekannt wurde. Der Weg zurück an den Ursprung ist im Moment auch aktuell, da ich wieder eng mit Moses (Anm.d.Red.: Moses Pelham, Produzent) arbeite. Das Thema Frei sein spiegelt sich in vielen meiner Lieder wider; ich überlege sogar, unter diesem Titel eine Frei-Trilogie bei den Open-Air-Konzerten einzubauen. Und damit will ich die Bedeutung, das Schaffen, alles, mit dem ich mich auseinander gesetzt habe, wieder in den Fokus zu rücken.

Für meine persönliche Freiheit habe ich in den letzten Jahren viel tun können. Was bedeutet für uns denn Freiheit? Für den modernen Menschen in Europa bedeutet dies, unabhängig zu sein, Entscheidungen treffen zu können und keine Kompromisse eingehen zu müssen. Ich sehe mich als Dienstleister – insofern muss ich natürlich Kompromisse eingehen, aber diese große Freiheit, unabhängig zu sein, die habe ich eigentlich dem Prozess mit Moses zu verdanken. Denn dadurch wurde ich freier Künstler.

Das Konzert findet am Residenz-Platz statt – vor der altehrwürdigen Kulisse Salzburgs. Wie gut kennst du Salzburg?

Ich muss ehrlich gestehen, Salzburg ist die österreichische Stadt, die ich am wenigsten gut kenne. Natürlich bin ich schon das eine oder andere Mal mit dem Fahrrad durch die Stadt gefahren, aber andere Städte wie Graz, Wien oder auch Dornbirn kenne ich viel besser. Ich weiß gar nicht, woran das liegt, vielleicht daran, dass Salzburg so nah an Deutschland liegt. Aber ich werde das nachholen – ich bin ja noch jung, und manche Dinge muss man sich aufsparen, um sie vielleicht später einmal mit der Familie zu machen.

Nochmals zurück zum Konzert: Worauf dürfen sich die Fans freuen? Alte und neue Lieder?

Wir werden auf jeden Fall einen guten Mix hinbekommen. Natürlich werden wir Songs präsentieren, die zu Hits geworden sind, davon gibt es Gott sei Dank ja einige. Und dazu werde ich Sachen, die mir sehr am Herzen liegen, einflechten. Also, alte Sachen und neue Sachen, wir haben ja einen Riesentopf an Möglichkeiten.

Wirst du auch als „Der Xer“ performen?

Ich habe das im vergangenen Jahr ausprobiert. Ob ich es auch dieses Jahr mache – ich weiß es noch nicht. Es gibt schon wieder so viele neue Sachen, mal schauen, was es in Salzburg auf die Bühne schafft.

Was ist der Hintergrund für diese neue Variante „Der Xer“?

Ich war immer schon ein Drum’n’Bass- und Jungle-Hörer, die schnellen, rhythmischen, ja manchmal fast schon gewalttätigen Ausbrüche reizen mich bei jeder Musikrichtung. Eben auch bei der Tanzmusik; und wenn schon Tanzmusik, dann in einer Extremform. Ich wollte das für mich machen, einmal gezeigt haben, dass ich auch diese Musik mag. Es schadet als Sänger und Songschreiber nicht, sich fit zu halten, nicht immer nur das Gängige zu tun.

Die Gründung der Söhne Mannheims ist nun schon 20 Jahre her – also 20 Jahre Xavier Naidoo. In all diesen Jahren, voller Songs, Alben, Erfolge, Projekte: Gibt es etwas, an dem dein Herz besonders hängt?

Die Söhne sind ein ganz besonderes Geschenk, alleine, dass wir schon so lange zusammen sind, auch wenn wir uns zwischenzeitlich einmal getrennt haben. Heute sind wir wieder alle zusammen, und das ist schon toll. Auch, dass man sich nach all den Jahren heute sogar noch besser versteht und man so viele, tolle Erinnerungen miteinander teilen kann. Darüber hinaus … es gibt so vieles, zum Beispiel „Alive and Swingin‘“, das unglaublich viel Spaß gemacht hat. Es sind aber oft die vielen, kleinen Events, wie zum Beispiel auf der Burg Clam, die einem so viel geben. Man kann das gar nicht so in Worte fassen. Solche Erlebnisse sind jedes Jahr dabei. Das ist wiederum das Schöne an den Söhnen: Man erinnert sich gemeinsam an so vieles mehr.

Seit 19. Mai wird die zweite Staffel von „Sing meinen Song“ ausgestrahlt. Nach welchen Kriterien hast du dieses Mal die Künstler ausgewählt?

Ganz einfach gesagt, danach, wer Zeit hatte (lacht).  Man kann alle möglichen Wünsche haben, aber der eine ist gerade auf Tournee, der andere nicht im Lande. Ich habe eine Riesenliste an tollen Künstlern, die wir eben akkurat abarbeiten. Ich kann an es mir grundsätzlich mit jedem vorstellen – Wer Zeit hat: Let’s go! Es gibt niemanden, der nicht dabei sein kann – je eigenwilliger, je schräger, je „abartiger“, umso besser.

Aus der ersten Staffel ist uns allen noch in Erinnerung, wie du „Amoi segn ma uns wieder“ von Andreas Gabalier gesungen hast. Und vor allem, wie emotional diese Interpretation war. Warum hat dich dieses Lied so sehr berührt?

Wir haben beide unsere Väter viel zu früh verloren. Ich war zwar schon etwas älter als der Andreas, so um die Zwanzig, habe das aber trotzdem nie ganz verarbeitet. Es war immer eine Lücke da. Es ist so schade, dass er vieles nicht mehr mitgekriegt hat, auch nicht, wie sich meine Karriere entwickelt, er hatte da ja seine Zweifel. Das ist bei dem Song alles hoch gekommen, und ich habe es auch nicht mehr zurückgehalten. Das war ungeheuer befreiend. Wir haben anfangs überlegt, diese Szenen nicht zu zeigen, aber haben dann beschlossen, dass dies genauso zu einer TV-Show dazu gehört.

Doris Thallinger

Xavier Naidoo, geboren am 2. Oktober 1971 in Mannheim, ist deutscher Sänger und Songwriter. Als Gründungsmitglied der Söhne Mannheims schaffte er seinen ersten Durchbruch im Jahr 2000. 2002 startete er zudem seine Solo-Karriere. Zudem spielte Xavier Naidoo kleinere Rollen in Film und Fernsehen, fungierte in The Voice of Germany als Jurymitglied und präsentiert seit 2014 die TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“.

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