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Frei-Gehen im Kopf

Ein Artikel von Christian Heugl, Redaktion Tennengau

Auf den stillen Wegen im Tennengauer Grenzraum tauchen sie noch manchmal auf: da ein historischer Grenzstein mit der Jahreszahl 1818, dem Datum des Staatsvertrages mit Bayern, dort ein altes Zollgebäude, das schon längst anderen Zwecken als der Grenzüberwachung dient. Aber die Angst, unbefugt eine Grenze überschritten zu haben, existiert schon lange nicht mehr. Ganz im Gegenteil, es gibt sogar Wege, die ganz bewusst zwischen den schönsten Punkten diesseits und jenseits der Grenzen hin und her pendeln. Der grandiose Salzalpensteig etwa gehört dazu. Er beginnt in Prien am Chiemsee, durchquert den gesamten Tennengau und endet in Hallstatt, wo vor 3.500 Jahren die Salzgewinnung im Ostalpenraum ihren Ausgang
genommen hat.
Das Gehen von einem kostbaren Punkt zum nächsten schafft wunderbare Freiräume. Sicherlich, die Verfüg-barkeit des Naturraumes ist nicht grenzenlos. Zu viele Interessen müssen da unter einen Hut gebracht werden: die Jäger, die Landwirte, die Erholungssuchenden haben alle ihre eigenen Nutzungsvorstellungen.
Aber per Verordnung erlassene Betretungsverbote, wie zuletzt im Nationalpark Hohe Tauern angedacht, oder Umzäunungen wie am Seewaldsee geplant, sind ein schlechtes Signal. Der Arche-Noah-Rettungsgedanke für gefährdete Arten ist ja vorbildhaft, aber auf dem Boot sollten neben den bedrohten Nutztierrassen oder seltenen Flechten auch die Menschen Platz finden dürfen. Und nicht nur Menschen mit Premium-Tickets, sondern alle, die auf der Suche nach Ufern sind.
Also bitte kein privilegierter Seminartourismus am Seewaldsee und keine Erlaubnisscheine für das Betreten des Nationalparks Hohe Tauern. Es geht um mehr als die bloße Wegefreiheit!

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