_beitrag_festspielstory

Festspielstadt & so viel mehr

In den Sommermonaten wird das Stadtbild Salzburgs von den Festspielen und internationalen Gästen geprägt. Vieles bleibt dann auch verborgen und unentdeckt. Doch es lohnt sich, die Stadt im Sommer ganz neu zu erleben!
 Ein Artikel von Marion Flach

Sommerzeit in Salzburg bedeutet Festspielzeit. Von vielen Einheimischen wird die Stadt dann gemieden: Bei Schlechtwetter gibt es Stau, die Stadt wird teuer, die Gassen sind voll und eng. Außerdem dreht sich alles um die (glamou-rösen) Festspiele. Wer aber nichts mit klassischer Musik und der sogenannten Hochkultur anfangen kann, glaubt oft, in der Stadt nicht richtig zu sein. Andere wiederum sind der Meinung, finanziell nicht mithalten zu können und flüchten quasi aus der Stadt.
Doch es lohnt sich, die Stadt im Sommer mit ihren vielen Veranstaltungen zu erkunden und vielleicht von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. Denn die Festspiele und das spezielle Flair kann man hautnah miterleben – ohne Festspielkarten oder großem finanziellen Aufwand!

Schlendern, flanieren und „Leut‘ schaun“
Ja, eilig haben sollte man es nicht im Salzburger Sommer. Die Gassen der Innenstadt sind voll. Touristen drängen sich vor den diversen Mozart-Gedenkstätten und Schaufenstern. Doch gerade das macht Salzburg im Sommer so wahnsinnig bunt! Opulente Schaufenster, Menschen aus aller Herren Länder inklusive eines internationalen Sprachengewirrs prägen das Stadtbild. Und gerade dieses scheinbare Chaos kann zum Genuss werden! Die bunten Schaufenster der zahlreichen Schmuckhändler und Juweliere glänzen und glitzern zu dieser Zeit in den schönsten Farben. Leisten können sich das Otto-Normalverbraucher wohl eher nicht, doch Schönheit hat auch bei der reinen Betrachtung ihren Reiz.
Und lässt man sich in einem der zahlreichen Cafés in der Innenstadt nieder, kann man das bunte Treiben genüsslich beobachten und sich am Glanz und Glamour, der die Stadt während der Sommermonate heimsucht, erfreuen.

Besonders günstige Platzerl zum „Leut schaun“ sind beispiels   weise die Würstelstandl am Grünmarkt. Da kann es auch durchaus passieren, dass man die „Frischen“, Debreziner oder Frankfurter neben bekannten Publikumslieblingen und Kapazundern der Opern- und Musikwelt isst. Denn ihnen schmecken die Salzburger Würstel eben genauso gut wie den Salzburgern selbst. Zudem ist der Grünmarkt enorm gut gelegen, wenn man zwischen den Proben nur wenig Zeit für einen Imbiss hat.

jedermann_2017_tod
Foto: Festspiele / Matthias Horn
siemens_festspiele
Foto: www.siemens.at/festspielnaechte
jedermann_2017_moretti
Foto: Festspiele / Matthias Horn

Kunstgenuss
Aber auch in Sachen Kultur kommt man im Sommer in Salzburg voll auf seine Kosten – ganz ohne finanziellen Aufwand. Da gibt es beispielsweise die „Siemens>Fest> Spiel>Nächte“, die mittlerweile schon kein Geheimtipp, sondern vielmehr eine Institution sind. Das diesjährige Programm ist wieder äußerst bunt und vielfältig. Neben brandaktuellen Produktionen aus dem heurigen Festspielprogramm werden unterschiedlichste Opern und Konzerte aus den vergangenen Jahren gezeigt. Zudem gibt es vom 11. bis zum 15. August einen Netrebko-Schwerpunkt. Und auch die Kleinsten kommen auf ihre Kosten! Immer von Freitag bis Sonntag im Zeitraum von 28. Juli bis 27. August werden jeweils um 16 Uhr Opernfilme für Kinder ab fünf Jahren gezeigt. Natürlich bei freiem Eintritt und Open Air.
Ausstellungen gibt es ebenfalls besonders viele in der Festspielzeit. Gerade auch Werke junger, aufstrebender Künstler können da bewundert werden. Ein besonderes Highlight sind in diesem Zusammenhang sicher die Veranstaltungen der „Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg“. Die diesjährige Sommerakademie startete bereits am 17. Juli, dauert aber noch bis 26. August. Neben Kunstgesprächen und Ausstellungen sind die Stadtspaziergänge unter dem Motto „Von allen Sinnen“ äußerst empfehlenswert. Zwei davon finden noch am 10. und 22. August statt und befassen sich mit den Themen Schmecken und Hören. Die Teilnahme daran ist ebenfalls kostenfrei, um Anmeldung (www.summeracademy.at) wird aber gebeten.

3_Martina-Stock_Detail

Foto: Martina Stock

Talente im Vormarsch
Talente können aber nicht nur in der bildenden Kunst bewundert werden. Auch musikalische Talente tummeln sich in Salzburg und können bei zahlreichen öffentlich zugänglichen Veranstaltungen gehört werden.
Zu empfehlen sind hier beispielsweise die Konzerte der Internationalen Sommerakademie der Universität Mozarteum oder auch die Konzerte des Young Singers Project, das von den Festspielen selbst veranstaltet wird. Öffentliche Meisterklassen finden beispielsweise noch am 6., 13. und 17. August statt. Kostenlose Zählkarten dafür gibt es im Kartenbüro der Festspiele.
Aber auch abseits der international bekannten und etablierten Sommer-Institutionen tut sich viel im Kultur-Salzburg. Denn auch in anderem Kontext können junge, heimische Talente und ihre Werke bestaunt werden.
Zu diesen Talenten gehört sicher auch Martina Stock, deren Ausstellung in der Säulenhalle des Rathauses noch bis 1. September zu bewundern ist. Die gebürtige Pongauerin, die nun in Berlin lebt, zeigt in ihrer Heimat großformatige Siebdruckarbeiten, die durch architektonische Beobachtungen in unterschiedlichsten Städten entstanden sind. Ihre Werke in Salzburg zu präsentieren, ist für Stock immer noch etwas Besonderes. „Ich habe Salzburg viel zu verdanken und es ist immer schön, auch zu Hause zeigen zu können, was man macht“, erzählt die Wahl-Berlinerin aus Bischofshofen. „Es ist eine besondere Ehre, sich während der Festspielzeit präsentieren zu können. Denn da gibt es auch ein tolles internationales Publikum in der Stadt.“

1_jedermann-jedefrau
Foto: wildbild

Wer von zu Hause aus hautnah bei den Festspielen dabei sein möchte, sollte sich das ORF-Festspielmagazin „Jedermann/Jedefrau“ nicht entgehen lassen. Seit dem 21. Juli führen Romy Seidl und Tobias Pötzelsberger an insgesamt sechs Freitagen um 18.30 Uhr durch die Sendung mit Live-Gästen, Interviews und Hintergrundinformationen.

3_martina_stock
Foto: Valerie Medicus

Martina Stock arbeitet mit der Serigrafie, einer speziellen Drucktechnik. Dabei geht es ihr aber vor allem um die Ästhetik des Mediums. Zudem haben die Musik und die Harfe einen großen Einfluss auf ihre Kunst. In Performances verbindet sie beide Komponenten auch immer wieder zu einem vollständigen Kunstwerk.
Zu sehen in der Stadtgalerie Säulenhalle Rathaus: WESTBERLIN, Serigrafie & Harfe, 27.07-01.09. 2017

Jung geblieben? – Salzburg mal anders
Dass Salzburg aber auch ganz anders sein kann, wird beispielsweise im Volksgarten deutlich. Jeweils von Mittwoch bis Samstag gibt es da ein tolles Programm, das unter dem Motto „Live im Park“ steht. Das Konzept und die Organisation obliegen dabei der Stadt Salzburg und dem Jugendressort. Willkommen sind alle, die Spaß am Programm haben. Altersgrenzen gibt es keine. Wichtig ist der Stadt dabei auch, dass „Live im Park“ nicht kommerzialisiert wird und kostenfrei besucht werden kann. „Man muss in Salzburg nicht unbedingt viel Geld haben, um auch im Sommer Spaß zu haben“, meint Anja Hagenauer, Vizebürgermeisterin der Stadt Salzburg. Und den kann man beim umfangreichen Programm im Volksgarten sicher haben! „Das Programm setzt sich aus Filmen, Konzerten, Workshops, Lesungen, Poetry-Slams, ein paar Specials und Highlights zusammen“, freut sich Hagenauer über die Vielfalt. So wird beispielsweise am 2. August der Film „Hotel Rock’n’Roll“ gezeigt. Am 5. August treten „Scheibsta und Krank Spenca“ auf und sorgen für musikalisches Sommerfeeling. Informationen und das gesamte Programm gibt es auf Facebook unter „Live im Park – Salzburg“
Im Volksgarten gibt es zudem noch ein zweites Sommerhighlight. Noch bis Ende September sorgt auch heuer wieder der Salzbeach für Strandgefühle.

Stöbern, staunen und genießen
Viel zu genießen, zu schauen und zu entdecken gibt es auch bei den Salzachgalerien. Schon im Frühsommer verwandelten die zahlreichen Stände das Salzachufer in eine kreative Flaniermeile. Und auch im Sommer gibt es noch zahlreiche Termine, an denen man das bunte Treiben zwischen Makart- und Müllnersteg genießen kann.

Verliebt in den Sommer – und in Salzburg!
Salzburg im Sommer auf die Festspiele zu reduzieren, wäre wohl zu einfach. Sie gehören zweifelsohne dazu, bieten mittlerweile aber auch für Menschen, die (noch nicht) so kulturaffin sind, tolle Möglichkeiten, Dinge zu entdecken und sich heranzutasten. Aber auch sonst ist das Angebot bunt, vielschichtig und äußerst breit. Man muss sich einfach auf den Sommer in Salzburg einlassen und die Vielfalt entdecken. So kann man sich auch jedes Jahr aufs Neue in die eigene Heimat und in die Stadt Salzburg verlieben!

Fotos: Mira Turba

Bei der Summer Academy können auch Besucher vieles lernen und Salzburg von einer ganz anderen Seite kennenlernen.

Fotos: Salzachgalerien

Termine der Salzachgalerien im Sommer:
29./30. Juli; 5./6., 12./13., 19./20. und 26./27. August; 23./24. September

323 total views, 2 views today

Alle Beiträge aus Reportage & Wissen


Facebook Icon