Warum in die Ferne schweifen…

Redaktionskolumne

So, nun ist sie vorbei, die Salzburgerin des Jahres-Gala. Leider und gottseidank zugleich. Es war ein rauschendes Fest, aber dafür ist nun wieder ein wenig Ruhe bei uns eingekehrt. Was aber bei Gott nicht bedeutet, dass wir nun auf der faulen Haut liegen – ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Gerade stürzen wir uns auf die Vorbereitung unserer Regionalmagazine, die allesamt im Herbst erscheinen.

Einen unserer fünf Gaue lerne ich gerade erst ein wenig besser kennen – und lieben: den Tennengau. Eher zufällig hat es sich in letzter Zeit ergeben, dass es mich immer wieder in diese Richtung verschlagen hat; und ich bin begeistert: von den tiefen Wäldern, den einsamen Lichtungen, den frischen Bächen, den Schluchten, den kleinen, aber feinen Seen…. Hier scheint das Paradies zuhause zu sein! Finde zumindest ich. Denn, wenn ich voller Freude einem Tennengauer von meinen neuesten Entdeckungen erzähle, reagiert dieser stets ähnlich: „Ach so? Ja stimmt, das gibt es bei uns. Ja, ist eh schön.“ Und das ganz ohne Enthusiasmus. Zumindest ohne den gebührenden.

Was eigentlich nur meine These bestätigt: Was nicht mindestens eine Autostunde entfernt liegt, ist nichts wert. Geschweige denn, was direkt vor der Haustüre liegt.

Schade eigentlich. Und blöd. Aber ich muss gestehen – mir geht es ja nicht anders. Die meisten Museen und Sehenswürdigkeiten Salzburgs habe ich besucht, als ich noch nicht hier gelebt habe. Und war bei jedem Besuch in der Mozartstadt wieder neidisch auf die Salzburger, die das ganze Jahr hier genießen können. Umsonst – macht ja keiner!

Was, wenn man noch einmal Salzburg mit den Augen eines Touristen sehen könnte? Noch einmal all diese Schönheit, die für uns so normal ist, noch einmal zum allerersten Mal bestaunen könnte?

Zum ersten Mal im Leben die Festung erblicken. Die Staatsbrücke überqueren, voller Erwartung, endlich tatsächlich vor Mozarts Geburtshaus zu stehen. Die Getreidegasse entlang schlendern, ohne Hektik und Ärger, dass einem fotografierende Touristen den Weg versperren. Sich zum ersten Mal im Mirabellgarten fotografieren lassen. Sich von den Wasserspielen in Hellbrunn überraschen lassen. Und sich am Mozartplatz darüber belehren lassen, dass genau HIER das Glück wohnt.

Der Spruch ist alt, aber gut: Wir leben hier an einem Ort, an dem andere ihren – meist nicht kostengünstigen – Urlaub verbringen. Wissen Sie, manchmal macht es mich tatsächlich richtig stolz, mich durch die Pulks von Touristen zu kämpfen, stolz auf „meine“ Stadt, stolz auf „mein“ Bundesland. Von dem ich selbst, wie halt auch die meisten anderen, noch viel zu wenig kenne. (Obwohl ich ja relativ viel kenne, aus der Zeit, bevor ich nach Salzburg gezogen bin…)

Meine Lust darauf, mehr davon kennen zu lernen ist ungebrochen. Jeden einzelnen Gau zu erkunden. Und das habe ich heuer auch vor. Uns steht laut Langzeitprognosen ein Wahnsinnssommer bevor, und diesen werde ich gut zu nutzen wissen. Als Tourist in meiner eigenen Heimat!

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