beitragsbild_diät

Fastentrends im Check

Ob Diät, Fasten oder Detoxen: der Markt der diversen Angebote ist groß und üppig. Worauf Sie achten sollten und einige Tipps.
 Ein Artikel von Maria Riedler
_MG_7853 Kopie

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Diäten sind fast immer eine Geschichte des Scheiterns. Was da in den letzten Jahrzehnten über uns hinweggerollt ist, von der Atkins- bis zur Blutgruppen-Diät, hat leider so gut wie nichts gebracht. „Doch trotzdem ist es sinnvoll, zu bestimmten Zeiten auf bewussteres Essen zu achten“, so der Facharzt für innere Medizin und Stoffwechselexperte, Univ.-Doz. Dr. Raimund Weitgasser. „Die gesundheitlichen Effekte einer Gewichtsreduktion sind erheblich, denn immerhin kann so das Risiko für schwerwiegende Zivilisationserkrankungen reduziert werden, etwa für Herzinfarkt, Schlaganfall oder das Risiko für Diabetes.“

Die Ganzheitsmedizinerin Ulrike Winkler hat viel Erfahrung mit Fastengruppen: „Wenn Fastenwillige während der Fastenzeit auf Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee verzichten, dann ist das ein enormer Schritt in die richtige Richtung. Zumeist fällt uns das schon schwer genug. Hilfreich wäre auch allein das bewusste, langsame Kauen von Nahrung – eine Grundregel übrigens der modernen Mayr-Medizin.“ So starten erste Verdauungsprozesse bereits im Mund und Magen und Darm werden weniger belastet. Wertvolle Nahrungsinhaltsstoffe gehen nicht verloren. „Dazu immer ausreichend trinken, wenn möglich warmes Wasser, das ist gut für die Verdauung. Diesem kann man auch etwas Zitrone hinzufügen, das ist gut für den Geschmack und für den Stoffwechsel.“_MG_7869

Viel entspannen

Die Ärztin rät auch dazu, sich bewusst Auszeiten zu nehmen, mehr zu schlafen, mehr Bewegung in der Natur einzubauen. Etwas runterzufahren, das helfe nicht nur zur Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten, sondern auch bei rheumatischen Erkrankungen, Kopfschmerzen, Allergien, Blähungen, Haut- oder Darmerkrankungen. Ist Fasten mittlerweile eine lukrative Modeerscheinung? Skeptisch sind die Mediziner gegenüber dem sogenannten Trend des „Detoxen“ bzw. dem beliebten Konsum von fertigen Obst- oder Gemüsesäften und warnen vor uneingeschränktem Konsum. Zurückhaltung gegenüber Smoothies legt auch eine Studie nahe, die Forscher aus Großbritannien, USA und Singapur 2016 präsentierten. Ihr zufolge bekommen Menschen, die Obst wwbevorzugt als Früchte essen, seltener Diabetes-Typ-2 als jene, die vor allem auf irgendeine trinkbare Form vertrauen. Beim Verarbeitungsprozess der Smoothies gehen wichtige Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe verloren. Bei einem Apfel beispielsweise sitzen viele Nährstoffe direkt unter der Schale. Ein Smoothie enthält diese deshalb nicht. Als Faustregel gilt: Je höher der Anteil an Saft im Smoothie ist, desto geringer ist der Anteil an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Auch die flüssige Konsistenz hat so ihre Nachteile: Wir nehmen Smoothies wie ein Getränk zu uns, obwohl es sich bei ihnen hinsichtlich Nährwert und Kalorien eher um eine kleine Mahlzeit handelt. Der Sättigungseffekt von Flüssigkeiten ist gering. Festes Obst macht bei gleicher Kalorienmenge schneller satt als ein Smoothie. Gerade beim Abnehmen macht es also Sinn, auf Smoothies zu verzichten und lieber direkt in den Apfel zu beißen.

Fotolia_85538945_Subscription_Monthly_XXL

Foto: Floydine-fotolia.com

Trend Intervallfasten

Ein Wechsel zwischen Schlemmen und Darben wird „intermittierendes Fasten“ genannt. Befürworter meinen, dass der Mensch im Laufe der Evolution geradezu darauf geprägt worden sei, immer wieder karge Phasen zu überstehen. Das ständige Überangebot an Kalorien, wie es heute vorherrscht, sei unnatürlich. Intermittierendes Fasten ist durchaus ein guter Weg, um Gewicht zu verlieren, weil der Körper so nicht komplett auf den Hungerstoffwechsel umstellt. Beim Intervallfasten „3+1“ etwa darf man drei Tage lang normal essen. Am vierten Tag ist jedoch Fasten angesagt. Das bedeutet, es darf nichts gegessen und nur Wasser bzw. Suppe getrunken werden. Drei Liter sollten es über den Tag verteilt sein. Diese Methode entspricht dem evolutionären Essen, mal gab es was zu essen, mal nicht. Auch wenn an den Essenstagen eigentlich alles erlaubt ist, sollte man trotzdem nicht tausende Kalorien in Form von Fast Food zu sich nehmen, sondern auf gesunde Ernährung achten.

Expertentipps

Öfters Fastentage einschieben!

„Fastenauszeiten in Gruppen haben den Vorteil, dass die Teilnehmer motivierter dranbleiben. Vielen erleichtert ein Tages- oder Wochenplan das Fasten. Fasten unter Anleitung gibt den Menschen mehr Sicherheit. Ich empfehle, Fastentage während Vollmond- bzw. Neumondtagen und mindestens zwei Mal im Monat einzuschieben.

Um den Verdauungsorganen etwas Gutes zu tun, kann man etwa leicht eine basische Gemüsesuppe daheim zubereiten. Hierzu braucht man nur alles, was an saisonalem Gemüse erhältlich ist. Dieses köcheln lassen und die daraus entstandene Suppe dann löffeln, trinken oder schlürfen. Gut tut auch ein begleitender Leberwickel: Am rechten Oberbauch, unter den Rippen, ein gut ausgewrungenes, warm-feuchtes Tuch mit einer Wärmflasche darüber auflegen; damit eine halbe Stunde ruhen. Am besten zwischen 13-15 Uhr. Oder ein Basenbad. Hierzu braucht man nur etwa 4-5 Backpulver-Packerl in ein Vollbad geben. Oder die Hälfte in ein Fußbad. Anschließend abduschen und die Haut gut bürsten.“

Susanne Flintsch, „Nana“, Ernährungsberatung, www.nana.at

DSC_9746
Foto: Susanne Flintsch

Umgebung spielt Rolle für Erfolg

„Fasten kann aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin durchaus sinnvoll sein, wobei auch hier der Grundsatz der Mäßigung gilt – nicht zu lange und nicht zu radikal. Eine Fastenkur mit Saft oder Tee, Suppe oder Brei (Congee) aus verschiedenen Getreidesorten wie Hafer, Naturreis oder Grünkern sollte etwa auf drei Tage angelegt werden. Für den Erfolg spielen auch die Umgebung beim Essen bzw. die Emotionen, die man bei der Mahlzeit empfindet, eine Rolle. Denn die Emotion beeinflusst die Aufnahme von Qi aus der Nahrung, und negative Emotionen können ebenso wie unzuträgliche Nahrung wiederum Ungleichgewichte im Körper erzeugen“, meint TCM-Ärztin Maria Braumann.  Speisen, die herausgebacken, fettig oder gegrillt sind, sollen allgemein vermieden werden, ebenso wie übermäßige Mengen von Süßigkeiten. „Die TCM sieht auch zu viel Milch, Joghurt und Käse als nachteilig an. Derartige Nahrungsmittel und Zubereitungsmethoden können aus der Sicht der TCM einen Stau von Schleim und Säure im Körper verursachen, der Alterungsprozesse im Körper und Krankheiten nach sich zieht“, so Braumann.

Braumann-cmyk
Foto: Maria Braumann

1,191 total views, 1 views today

Alle Beiträge aus Gesundheit & Wellness


Facebook Icon