Mercedes-V-Klasse

Familie braucht Platz

Wer Kinder hat und reisen will, der weiß, was ein raumökonomisches Fahrzeug ist – der Familienvan. Wer vielleicht auch noch Sportgeräte oder sonstige Utensilien, die eine größere Familie so braucht, in den Urlaub mitnehmen möchte, der steht oft vor dem Problem des begrenzten Raumangebots im Auto. Bleibt nur die Frage: Was ist vernünftiger, ein Van, ein Kleinbus oder ein großer Kombi.

Gleichgültig ob vier oder fünf Meter lang, hochgebaute Vans nutzen den Raum einfach am besten, weil die höhere Dachlinie mehr Platz nach oben und so mehr Stauraum anbietet. Viele dieser Autos sind auch ziemlich am Nutzwert orientiert, manche ziemlich sparsam, wie insbesondere Nutzfahrzeugderivate zeigen. Gerade diese erweisen sich für Familien recht praktisch, nur besonders schön sind sie meist nicht. Zeitgeist-Vans im Kompaktformat dagegen sind zwar auch geräumig – etwa die unmittelbaren Konkurrenten BMW Active Tourer, Mercedes B-Klasse und Golf Sportsvan –, haben aber durch die kompakten Abmessungen doch nur begrenzte Raumkapazität. Wodurch sie sich als Sport-und Freizeit- oder Familien-Stadtflitzer eignen, weniger für die Urlaubsreise für vier Personen. Da braucht´s dann schon einen großen Kombi, so ab der Größe eines Skoda Octavia Combi, damit auch das Gepäck samt Kinderwagen Platz hat. Sehr viel bieten hier etwa die Kombi-Version der Mercedes E-Klasse oder des Audi A6, auch der BMW 5er Touring. Diesen ist aber allen auch ein relativ hohes Preisniveau zuzuschreiben, das sie für die Mehrheit der Familien eher selten erschwinglich macht. Ganz anders schaut es in der Klasse mittlerer und großer Vans aus, die sich teilweise auch der Größe eines Kleinbusses annähern.

Zeitgeist und Nutzwert

Unter den kleineren Raumfahrzeugen, die zudem auch durch günstigen Preis den Familientransport leicht ermöglichen, nimmt der Fiat 500L die Rolle des Start-Ups ein – mehr Kult mit viel Platz gibt´s kaum woanders. Wobei Fiat, etwa mit dem Doblo oder dem Freemont, auch andere sehr attraktive und charakteristische Angebote hat, bis hin zum familientauglichen Kleinbus. Eine ähnliche Vielfalt an Modellen, die viel Nutzen und Platz bieten, wird von Citroen gebaut: der sehr praktische und gerade neu präsentierte Berlingo. Sehr breit ist die familientaugliche Palette auch bei Ford, teilweise durchaus komfortabel als zeitgemäße Vans – der S-Max ist der größte bis hin zum Lastesel Tourneo Courier, der auf knapp über vier Metern Länge wirklich maximale Ladung zulässt. Noch größer wäre dann der Tourneo Custom, der schon Kleinbusformat aufweist. In dieser Liga spielen auch der Renault Trafic, die Mercedes V-Klasse oder der VW Multivan, in denen man auch Oma, Opa, Tanten und Onkel noch mitnehmen kann.

Klassiker und Exoten

Der Klassiker dieser Auto-Spezies ist sicher ein Franzose – der Renault Espace, der dieses Jahr neu aufgelegt wird – wieder futuristisch gestylt und damit eine Ikone unter den Familienvans. Der fast ebenso lang gebaute VW Sharan wie auch der nahezu idente Seat Alhambra sind als deutsche Ausformung dieser Gattung ebenfalls fixer Bestandteil dieser Klasse, wenngleich optisch eher dem Prinzip der Funktion verpflichtet. Ein Van, der sich durch pfiffige Ideen und viele praktische Details seinerzeit einen guten Ruf erworben hat, existiert auch heute noch und erfreut sich großer Beliebtheit – der Mazda 5. Und die „austro-amerikanische“ Variante des Themas war der Chrysler Voyager, der heute unter dem Namen von Lancia verkauft wird.

Dass auch die Asiaten inzwischen gelernt haben, dass der Familienautomarkt ein einträglicher ist, belegen viele neuere Modelle von Nissan, Kia und Hyundai. Der Ssangyong Rhodius beispielsweise gehört zu den größten Vans auf unseren Straßen und der Toyota Verso erleichtert durch bis zu fünf versenkbare Sitze die flexible Nutzung des Innenraums.

Selbstverständlich können auch die Konstrukteure von Peugeot familienfreundliche Autos bauen, etwa den 5008. Dennoch sind viele der Fahrzeuge, die als familientauglich angepriesen werden, eher weniger wirkliche Familienautos, sondern geräumige Kompakte, die durch längeren Radstand oder als Zeitgeistmodifikation eines bestehenden Modells mehr Platz anbieten. Beispiele dafür sind bei Opel zu finden, etwa der Zafira, aber auch bei Renault (Scénic) oder Kia (Carens), während der VW Touran eher wie die Verkleinerung des Sharan auf die Bodengruppe des Golf anmutet. Da sind dann Kombis eventuell schon wieder die bessere, weil familienfreundlichere Wahl. Das Angebot ist hier auch recht groß.

Und das wohl günstigste Angebot hinsichtlich Platzangebot und Familienbrauchbarkeit kommt von Dacia, dessen Preis nicht einmal von Kleinwagen unterboten wird.

René Herndl

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