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Es weihnachtet rund um den Globus

Von Saunabesuchen bis hin zu Grillpartys am Heiligen Abend: Was für Christkind-Verfechter skurril klingt, ist in anderen Kulturen Tradition und Brauchtum.

Während bei uns die Kinder eifrig an ihren Briefen ans Christkind schreiben, werden rund um die Welt ganz andere Traditionen zu Weihnachten gelebt. Einige davon sind uns nur zu gut bekannt. Vor allem die US-amerikanischen Bräuche haben bei uns Einkehr gefunden und sind zugleich ein Beispiel dafür, wie wichtig das Fest aus kommerzieller Sicht geworden ist. Keiner könnte sich heutzutage ein Weihnachtsfest ohne Santa Claus und seinen Rentierschlitten vorstellen. Nur wenige wissen jedoch, dass das heutige Aussehen des Weihnachtsmannes eigentlich von Coca-Cola kreiert wurde.

Weihnachtsmann „original“?

Doch, wo kommt der rundliche, alte Mann mit dem weißen Bart und den Pausbacken denn nun wirklich her? Vom Nordpol? Schwachsinn, sagen hier die Finnen, die ihr Land als Heimat des Weihnachtsmannes ansehen. Hinter einem bis heute geheimen Eingang im Berg Korvatunturi soll „joulupukki“ leben und zu Weihnachten nicht heimlich durch den Schornstein in die Häuser kommen, sondern die Kinder persönlich besuchen. In Skandinavien wird außerdem zusätzlich zur Geburt Christi auch das Julfest anlässlich der Wintersonnenwende gefeiert. Traditionell wird dabei Julbrot gebacken und Julbier gebraut. Außerdem gehört ein gemeinsamer Saunabesuch nach dem Essen zum Brauchtum.

In Island geht man in Sachen Weihnachtsmann auf Nummer sicher: Für alle Fälle gibt es dort gleich 13 Weihnachtsmänner, die gemeinsam mit ihrem Vater, dem faulen Leppalúði, und ihrer Mutter, dem bösen Trollweib Grýla, deren Lieblingsspeise böse Kinder sind, in einer Höhle in den Bergen wohnen. Jeder der 13 Weihnachtsmänner hat seine ganz eigenen Charakterzüge, die schon durch deren Namen deutlich werden: Übersetzt bedeuten die nämlich zum Beispiel Kochlöffellecker, Kerzenschnorrer und Fensterglotzer.

Geschenke unter Palmen

„Schneeflöckchen, Weißröckchen“, singt man in Australien und Neuseeland zu Weihnachten sicher nicht. Hier herrscht im Dezember ja bekanntlich Hochsommer. Der Weihnachtsschmuck in den Kaufhäusern orientiert sich jedoch oft jedoch am amerikanischen Vorbild. Abbildungen von Weihnachtsmännern mit Rentierschlitten im Schneegestöber können auch hier gesichtet werden. Wetterbedingte Veränderungen gibt es aber natürlich: An Sydneys Surfer-Stränden zum Beispiel kommt der Weihnachtsmann in roter Badehose und mit Wasserskiern zur Bescherung. Für gewöhnlich wird in Australien an Weihnachten auch zur Grillparty eingeladen.

Wer übrigens glaubt, dass auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean, die auch zu Australien gehört, der Heilige Abend am traditionsreichsten gefeiert wird, irrt sich. Hauptsächlich Touristen feiern dort das Weihnachtsfest. Die Insel wurde nämlich nur so benannt, weil sie am 25. Dezember 1643 entdeckt wurde.

Unterdrückung und Ursprünglichkeit

In Russland wurden christliche Feiertage zu Zeiten des Kommunismus abgeschafft. Seit 1992 wird das Weihnachtsfest aber auch in Russland wieder gefeiert. Die Geschenke bringt Großväterchen Frost mit seiner Helferin Schneeflöckchen.

Sehr ursprünglich und zurückhaltend wird das Weihnachtsfest in Israel gefeiert. Obwohl es weltweit rund zwei Milliarden Christen gibt, leben im „Heiligen Land“ nur rund zwei Prozent davon. Eines der weihnachtlichen Zentren in Israel ist traditionsgemäß die Geburtskirche in Bethlehem.

Auch in Lateinamerika wird Weihnachten sehr traditionell gefeiert. In Mexiko steht etwa die Herbergssuche („Posada“) im Mittelpunkt. In jedem Dorf werden neun Familien ausgewählt, die Maria und Josef in Form von hölzernen Figuren eine Nacht bei sich aufnehmen und für die dann gemeinsam gesungen und gekocht wird.

So unterschiedlich die Kulturen sind, so verschieden wird weltweit also auch Weihnachten gefeiert. Obwohl sich das Fest alle Jahre wieder auf einem schmalen Grat zwischen Kommerz und Tradition befindet, scheint eines rund um den Globus gleich zu sein: Es ist ein Fest der Gemeinschaft.

Ein Weihnachtslied

geht um die Welt

Es ist das weltweit bekannteste Weihnachtslied und wird in mehr als 300 Sprachen und Dialekten gesungen – und doch steht „Stille Nacht, Heilige Nacht“ noch immer für Besinnung und Frieden. Doch wie entstand das Lied ursprünglich? Das Schicksal hatte wohl seine Hände im Spiel.

Der Legende nach begann alles mit einer kaputten Orgel. Und das auch noch am Heiligen Abend! Ein Weihnachtsgottesdienst ohne Orgelbegleitung? Nicht vorzustellen im Jahr 1818. Und genau diese Panne sollte dazu beitragen, dass ein Text Joseph Mohrs wenige Jahrzehnte später weltweit gesungen wird. Das hätte sich Joseph Mohr, Pfarrvikar von Wagrain und Dichter von „Stille Nacht, heilige Nacht“, wohl nicht träumen lassen.

Bereits im Jahr 1816 verfasste er „Stille Nacht, Heilige Nacht“ als Gedicht. Als dann kurz vor Weihnachten die Orgel in der kleinen Kirche Sankt Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg den Dienst versagte, bat Mohr den Komponisten Franz Xaver Gruber, eine Melodie zu seinem Gedicht zu verfassen. Am 24. Dezember 1818 wurde das Lied schließlich von Mohr und Gruber gemeinsam mit Gitarrenbegleitung in Oberndorf uraufgeführt – die Geburtsstunde eines Liedes, das bereits zur Jahrhundertwende Menschen auf allen Kontinenten berühren sollte.

Maßgeblich zur Verbreitung des Liedes trugen dann der Orgelbauer Karl Mauracher und die Zillertaller Sängergruppe Straßer bei, die „Stille Nacht“ in Europa verbreiteten.

Bis heute fasziniert die Geschichte des bekanntesten Weihnachtsliedes der Welt Menschen aus allen Kulturen. Die Kirche Sankt Nikolaus wurde zur Touristenattraktion. Auch im Halleiner Stille-Nacht-Museum ist man auf den Spuren Franz Xaver Grubers unterwegs und kann sein Grab neben der Halleiner Pfarrkirche besichtigen. Heute ist „Stille Nacht“ ein Welthit, ein kommerzieller Erfolg und dennoch eine Melodie der Besinnlichkeit. Doch vor allem ist es immer noch eines: eine Botschaft des Friedens.

Katharina Maier

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