ernaehrung-beitrag

Ernährungsmythen unter der Lupe

Gesunde Ernährung: viele Fakes, wenig Fakten.
 Ein Artikel von Maria Riedler

Macht Schokolade glücklich, schadet Kuhmilch und schützt Rotwein vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Wissenschaftler haben für den VKI die populärsten Ernährungsmythen überprüft und Fakten von Fakes getrennt. Die Wissenschaftler überprüften 100 ernährungsbezogene Aussagen. Von „Alkohol führt zu Übergewicht“ bis „Zucker verursacht Krebs“ werteten die Experten die vorhandene wissenschaftliche Literatur aus, um Nachweise für diese Behauptungen zu finden. Und das Ergebnis zeigt, dass bei den meisten Mythen zur gesunden Ernährung Skepsis angebracht sei, meinte Bernd Kerschner von Medizin transparent, einer Onlineplattform für Gesundheitsinformation. Denn meist fehlten wissenschaftliche Studien, oder sie seien so mangelhaft, dass sich keine verlässlichen Aussagen über den Wahrheitsgehalt einer Behauptung treffen ließen. Nur einige wenige Ernährungstipps seien durch Untersuchungen am Menschen ausreichend abgesichert.
Ob es die Wirkung von Hühnersuppe gegen Erkältungen ist, oder ob Ingwer gegen Brustkrebs und Mandarinen gegen Übergewicht helfen, das sei noch nicht erforscht. Das bedeute oft zwar nicht, dass diese Behauptungen falsch seien, aber die Faktenlage sei zu dünn, um verlässliche Aussagen zu machen. Und das trifft immerhin auf fast zwei Drittel (!) der Ernährungsmythen zu.

Foto: Prostock-studio - fotolia.com

Foto: Prostock-studio – fotolia.com

Bekommt man Bauchschmerzen, wenn man Kirschen (oder anderes Steinobst) isst und danach Wasser trinkt?
Wir fanden weder wissenschaftliche Studien noch dokumentierte Fallberichte, die zeigen, dass Wassertrinken nach dem Verzehr von Kirschen zu Beschwerden führt.

Essen wir weniger, wenn uns die Speisen auf roten Tellern serviert werden?
Möglicherweise ja. Unklar ist, ob der Effekt über längere Zeit hält.
Schon seit fast 100 Jahren beschäftigt Wissenschaftler die Frage, welchen Einfluss die Farbe von Lebensmittel auf das Ess- oder Trinkverhalten hat. Wir ziehen etwa kräftig gefärbtes Obst in der Regel dem blasseren vor. Doch spielen Farben auch bei Teller oder Besteck eine Rolle? 2012 untersuchten Wissenschaftler, ob die Teilnehmer Brezeln lieber von roten, blauen oder weißen Tellern aßen. Das Ergebnis: Die Gruppe, die ihre Brezeln auf roten Tellern serviert bekam, aß deutlich weniger. Erklärt wurde das Phänomen damit, dass die Farbe Rot als Warnsignal negativ besetzt ist und den Versuchsteilnehmern so signalisiert wurde: Finger weg!

Kann der Verzehr von Grapefruits in Kombination mit manchen Medikamenten zu gesundheitsschädigenden Wechselwirkungen führen?
Wahrscheinlich ja. Grapefruits können die Wirkung mancher Medikamente verstärken. Das Risiko sowie Art und Stärke der Nebenwirkungen sind jedoch nur teilweise bekannt. Sie hängen vom jeweiligen Medikament ab und unterscheiden sich wahrscheinlich von Person zu Person.
Warum lösen gerade Grapefruits derart massive Wechselwirkungen aus? Schuld daran sind die in der Frucht enthaltenen Furocumarine. Sie hemmen ein Enzym, das dafür sorgt, dass viele Giftstoffe und auch Medikamente abgebaut und so unwirksam gemacht werden. Furocumarine kommen übrigens auch in Bitterorangen oder Limetten vor.

mythen

Foto: Bulat – fotolia.com

Wirkt Ingwer gegen Brustkrebs?
Vereinzelte Tierversuche und Experimente mit Zellen deuten darauf hin, dass Ingwer-Substanzen gegen Brustkrebszellen wirksam sein könnten. Ohne Untersuchungen mit Brustkrebspatientinnen sind allerdings keine Aussagen zu Wirksamkeit und Sicherheit möglich.
Derzeit ist lediglich gesichert, dass Ingwer beispielsweise gegen Schwangerschaftserbrechen geringfügig helfen kann. In bescheidenem Ausmaß wirkt er auch gegen Übelkeit bei Chemotherapie-Patienten, bei denen die Behandlung oft schwere Magenprobleme verursacht.

Fotolia_167135332_Subscription_Monthly_XXL

Foto: Floydine – fotolia.com

Senkt eine mediterrane Ernährungsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Wahrscheinlich ja. Mehrere große Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährungsweise wahrscheinlich vor Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems schützen.
Gemeint sind dabei aber nicht Pizza, Tiramisu, gegrillte Gyros-Fleischspieße oder spanischer Rohschinken, sondern eher viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, Nüsse, Olivenöl sowie in moderaten Mengen Milchprodukte, Fisch, Geflügel, Eier und Wein. Rotes Fleisch kommt eher selten auf den Teller.

Buchtipp:

buch_Cover_3D

100 Ernährungs-Mythen

50 total views, 3 views today

Alle Beiträge aus Gesundheit & Wellness


Facebook Icon