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Energieausweis – Vom Behördendokument zum Planungsinstrument

Über den Energieausweis wurde bei seiner Einführung viel gestritten und diskutiert. Inzwischen steht fest, dass er nicht nur detailliert über die energetische Qualität eines Gebäudes Auskunft gibt, sondern auch für die Bewertung eines Gebäudes wie auch als Instrument für energetische Sanierungsmaßnahmen dient. Dass die Ausstellung eines Energieausweises immer noch problematisch sein kann, lässt sich auch durch mangelnde Fachkenntnisse oder Professionalität erklären. 

Dipl.-Ing. Reiner Rothbacher, einer der führenden Fachleute im Land Salzburg für den Energieausweis, sieht ihn insgesamt nicht nur als Dokument, als eine bloße Darstellung von Primär-
energiebedarf und Kohlendioxidemissionen: „Die Richtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden soll einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingegangenen Verpflichtungen zum Klimaschutz leisten. In Österreich wurde diese in den vergangenen Jahren durch das Energieausweis-Vorlage-Gesetz und in den bautechnischen Vorschriften der einzelnen Bundesländer umgesetzt. Der Energieausweis ist nicht nur im
Bauverfahren, sondern für praktisch alle Gebäude, sowohl Neubau als auch Bestand, bei Vermietung, Verpachtung und Verkauf von Immobilien erforderlich.

Planungsinstrument

In den letzten Jahren hat sich der Energieausweis zu einem wesentlichen Planungsinstrument zur Optimierung der Gesamtenergieeffizienz von Neubauten und Sanierungen entwickelt. Im Idealfall wird der Planungs-Energieausweis bereits während der Entwurfs-
phase erstellt. Dies forciert die intensive Abstimmung der einzelnen Planungskonzepte des Architekten, des Bauphysikers und des Haustechnikplaners und bildet die Grundlage für die Umsetzung eines nachhaltigen Gesamtergebnisses. Fundiertes Fachwissen der einzelnen Planer und des Energieausweis-Berechners sind für die professionelle Umsetzung unumgänglich.

Bei Baufertigstellung sind in den Planungs-Energieausweis detaillierte Informationen zu der tatsächlichen Ausführung der thermischen Gebäudehülle und der haustechnischen Anlagen einzuarbeiten und diese in einen Fertigstellungs-Energieausweis überzuführen. Dazu ist eine gute Kommunikation zwischen dem Ersteller des Energieausweises, der Bauleitung und den ausführenden Firmen notwendig. Nur durch diese professionelle Vorgehensweise kann ein Energieausweis gemäß den gesetzlichen Vorgaben erstellt werden.

Verbesserungen von Bestandsobjekten

Für die Erstellung von Energieausweisen bei Bestands-
objekten wird die fachliche Kompetenz des Berechners nicht, wie oft angenommen, weniger gefordert als bei Neu- und Umbauten. Grundlage für diese Energieausweisberechnung ist die Besichtigung des Gebäudes vor Ort und die detaillierte Dokumentation der bestehenden Bausubstanz sowie der bestehenden haustechnischen Anlagen. Dazu ist es erforderlich, dass der Berechner des Energieausweises große Fachkenntnis der Hochbautechnik, der Haustechnik sowie Wissen über unterschiedliche historische Bauweisen aufweist. Im Rahmen der Erstellung von Energieausweisen bei Bestandsobjekten muss der Berechner außerdem technisch wirksame und wirtschaftlich sinnvolle Verbesserungsmaßnahmen
zur Reduktion des Energiebedarfs in dem Dokument anführen. Auftraggeber von Energieausweisen
sollten deshalb z.B. auf hoch qualifizierte Ingenieurbüros zurückgreifen, um die Voraussetzung für
optimale Planungsergebnisse, wirtschaftlich sinn
volle Sanierungskonzepte und korrekte Berechnungen zu schaffen.

Vorlagepflicht und Konsequenzen

Wer ein Objekt in einer Zeitung oder einem elektronischen Medium per Inserat zum Kauf oder zur Miete anbietet, muss schon in dieser Anzeige den Heizwärmebedarf und Gesamtenergieeffizienz-
Faktor angeben. Das gilt grundsätzlich auch für Inserate, die von Maklern geschaltet werden. Ein Makler kann aber dann nicht für fehlende Energiekennzahlen in der Werbebotschaft verantwortlich gemacht werden, wenn er seinen Kunden auf diese Verpflichtung hingewiesen hat und dieser trotzdem keinen Energie-
ausweis hat erstellen lassen. Es gibt aber auch Ausnahmen von der Energieausweispflicht, die bundesweit einheitlich geregelt sind, etwa für Industrieanlagen, Werkstätten und landwirtschaftliche Nutzgebäude mit niedrigem Energiebedarf oder frei stehende Gebäude mit einer Gesamtnutzfläche von weniger als 50 Quadratmetern.

Der Energieausweis darf zum Zeitpunkt der Vorlage nicht älter als zehn Jahre sein. Eine Möglichkeit, vertraglich auf den Ausweis zu verzichten oder die Rechtsfolgen der Nichtvorlage auszuschließen, gibt es nicht. Eine solche Vereinbarung wäre unwirksam. Das Gesetz regelt auch, welche Möglichkeiten ein Käufer oder Mieter/Pächter hat, wenn ihm das Gutachten nicht spätestens bei Vertragsabschluss ausgehändigt wird: Er kann entweder selbst einen Energieausweis erstellen lassen und die Kosten seinem Vertragspartner anlasten – oder aber sein Recht auf Aushändigung einklagen. Der Käufer, Mieter oder Pächter eines Objektes kann Gewährleistungsansprüche geltend machen, wenn sich herausstellt, dass das Objekt einen Mindestanspruch nicht erfüllt. Er hat dann das Recht, auf eine thermische Sanierung zu bestehen. Ist diese nicht möglich, kann er Preisminderung verlangen und im Extremfall sogar vom Vertrag zurücktreten. Wer keinen Energieausweis vorlegt, muss außerdem mit einer Verwaltungsstrafe bis 1.450 Euro rechnen.

Förderungen

Für mögliche Förderungen, welche mit der Energieausweiserstellung und zur Herstellung von energieeffizienten Gebäuden verbunden sind, stehen fachspezifische Ingenieurbüros sowie die Energieberatungsstellen des Bundeslandes (www.salzburg.gv.at/energieberatung) zur Verfügung.

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