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Eishockey und Lederhose

Wer einmal in der Salzburger Eisarena die Faszination des schnellsten Mannschaftssports der Welt gespürt hat, kommt davon in der Regel nicht mehr so schnell los. Woche für Woche lassen die Red Bulls den Puck mit bis zu 150 Kilometer pro Stunde durch die Arena sausen und tausende Fans machen für das dominanteste Team der letzten Jahre ordentlich Stimmung. Willkommen in der Welt von Ryan Duncan.
Ryan Duncan mit einigen Teamkollegen; Foto: GEPA/Red Bull

Ryan Duncan mit einigen Teamkollegen; Foto: GEPA/Red Bull

Salzburg ist ein besonderer Ort. Spaziert man an einem klaren Wintertag durch die pittoreske Altstadt unseres ehemaligen Fürsterzbistums, so könnte man oft meinen, die Uhren ticken hier langsamer. Nicht die Fiaker stören das Bild, schon eher die vielen Autos wirken von den historischen Gebäuden umrahmt fast wie Fremdkörper. Klingt etwas angestaubt? Keineswegs, denn Salzburg bietet mehr als nur postkartenreife Ausblicke und das wird spätestens klar, wenn regelmäßig tausende Eishockeyfans in der Eisarena zusammenkommen. Die schnellste Mannschaftssportart der Welt hat in den letzten Jahren ordentlich an Popularität zugelegt und das übrigens nicht nur in Salzburg. Spätestens seit dem Einstieg von Red Bull kommen von Saison zu Saison auch Profispieler aus aller Welt in der kleinen Mozartstadt zusammen und einer von ihnen ist Ryan Duncan.

Ryan erfüllt jedoch auf den ersten Eindruck nur bedingt das Klischee des typischen Eishockeyspielers. Zwar stammt er aus Kanada, dem Mutterland des Eishockeysports, doch mit nur 168 cm ist der sympathische 31-Jährige recht zierlich. „Schnell muss ich bei meiner Statur eben sein, damit mich die großen Jungs nicht erwischen“, schmunzelt der Publikumsliebling. Noch eines ist für einen Nordamerikaner eher untypisch – bis heute hat Ryan „Sound of Music“ nicht gesehen, man glaubt es kaum. „Als ich 2009 erstmals nach Salzburg kam, wusste ich so gut wie nichts über die Stadt. Einige Freunde haben mir nur erzählt, dass sie wunderschön ist und ja, das hat sich mehr als bestätigt“. Calgary, Ryans Heimatstadt, knackt zwar knapp die Millionengrenze, doch studiert hat er im beschaulichen Grand Forks, einem 50.000 Einwohnerstädtchen im Osten des Bundesstaates North Dakota.

Ryan Duncan mit Teamkollege John Hughes; Foto: Red Bull

Ryan Duncan mit Teamkollege John Hughes; Foto: Red Bull

Insofern war die überschaubare Größe Salzburgs für ihn von Beginn an kein Problem. Im Gegenteil, denn sportlich überzeugte der quirlige Kanadier schnell und lebt seitdem – abgesehen von zwei kurzen Unterbrechungen – in Salzburg. Seit einigen Jahren stehen ihm dabei auch seine Frau Kelsey und Mops Bean zur Seite und schnell verliebte sich die kleine Familie in die Besonderheiten der Landeshauptstadt.

Welche das sind, erzählt Ryan mit einer fast schon unwirklichen Begeisterung. „Es ist unglaublich, wie freundlich hier alle Menschen sind und die Geschichte und traditionsreiche Kultur haben mich auch von Beginn an fasziniert. Den ersten Wow-Moment hatte ich, als ich zum ersten Mal auf der Spitze des Gaisbergs stand und die wunderschöne Stadt und Landschaft sah, das ist schon fast kitschig“. Dass Ryan mittlerweile schon ein halber Österreicher ist, erkennt man nicht zuletzt am freizeitlichen Kleidungsstil, der immer öfter von einer waschechten Lederhose geprägt wird. „Ja, davon habe ich sogar mehrere. In Kanada weiß man zwar, was eine Lederhose ungefähr ist, aber keiner hat eine Ahnung davon, wie viel Arbeit in so einer Hose steckt und wie angenehm sie zu tragen ist“.

Bei so viel Funkeln in den Augen und Lob wird einem als Salzburger oder Salzburgerin schon fast komisch zumute, scheint es doch aus unserer Sicht fast übertrieben. Es könnten aber genau die „fremden“ Augen sein, die uns die Schönheit, Einzigartigkeit und Lebensqualität der Mozartstadt wieder bewusst machen. Doch gibt es auch etwas, was Ryan hier nicht leiden kann? „Ja, dass die Supermärkte am Sonntag nicht offen haben“, schmunzelt der werdende Papa.

Eishockey-Fotos: GEPA/Red Bull
Fotos: Ryan Duncan

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