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Ein Machtwort gesprochen

Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar

Der Aufsichtsrat der Molkerei Berchtesgadener Land setzt Zeichen: Mit sofortiger Wirkung verbietet er den Einsatz von Totalherbiziden wie Glyphosat für Grünland und Ackerbau. Das Verbot gilt für alle 1.800 Genossenschaftsmitglieder, deren Milch in Piding verarbeitet wird. Geschäftsführer Bernhard Pointner: „Es gibt in unserem Milcheinzugsgebiet keine Notwendigkeit, Totalherbizide einzusetzen.“ Allen voran Glyphosat ist weltweit eines der am meisten enthaltenen Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. In Deutschland werden rund 500 Tonnen pro Jahr davon verkauft. Meist wird es im Ackerbau verwendet, um Unkraut zu vernichten. Auf Wiesen beschleunigt es die Grünlanderneuerung. Die Auswirkungen auf Mensch und Tier gelten aber als bedenklich. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Weil „wahrscheinlich“ nicht „sicher“ heißt, bleibt das Pflanzenschutzgift allerdings weiter auf dem Markt. Zuletzt hatte der zuständige EU-Fachausschuss eine Entscheidung über ein Verbot beziehungsweise die umstrittene Zulassungsverlängerung wieder einmal vertagt. Bernhard Pointner: „Ich kann hinter dem Hinauszögern der Politiker nur starke Lobbykräfte vermuten.“

Eine externe Firma kontrolliert künftig jeden Genossenschaftslandwirt. Bei Zuwiederhandlung wird die Milch beim Bauern nicht mehr abgeholt.

Kunden und Verbraucher reagieren auf das Glyphosat-Verbot der Molkerei BGL mit viel Zustimmung. Es gibt auch kritische Stimmen, die dem Unternehmen PR-Coups vorwerfen. Für die Molkerei ist das Glyphosat-Verbot indes ein weiterer Schritt in Sachen Nachhaltigkeit.

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