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Ein Labyrinth aus Tönen

Sich gegenseitig jene Freiheit zu geben, die es für das eigene künstlerische Schaffen braucht, und dabei stets einen roten, gemeinsamen Faden zu finden und zu leben; das ist das Erfolgsrezept von Marianne und Peter Ewaldt. Die SALZBURGERIN hat das Künstlerpaar zuhause besucht.

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n einer schmalen Seitenstraße unweit der Hofhaymer Allee im Süden Salzburgs, liegt ein Haus, in dem Kunst und Kultur zuhause sind. Bunte Skulpturen aus Holz zieren den Weg zur Haustür. Gleich am Eingang fällt der Blick in ein Atelier und einen Musikraum. Kunstwerke aus Keramik, in den dominierenden Farben Weiß und Gold sowie unzählige Musikbücher, ein rotes Cembalo und ein Flügel beherrschen das Erdgeschoss. Die Wand zur knarrenden Holzstiege hinauf in den ersten Stock ist mit Bildern und Kunstwerken gespickt. Der Küchentisch ist liebevoll gedeckt, auf dem selbstgemachten Kuchen prangt ein Labyrinth aus roter Farbe. Die Fenster geben den Blick frei in alle Himmelsrichtungen. Hier leben seit 15 Jahren Marianne und Peter Ewaldt.

„Wenn Peter nach der Arbeit am Theater nach Hause kommt, setzt er sich oft an sein Klavier und spielt Schubert oder Monteverdi oder er backt einen Kuchen. Das ist Entspannung für ihn“, erzählt die Künstlerin Marianne Ewaldt und hantiert mit einem Krug heißen Ingwer-Tees. „Wir wechseln uns beim Kochen und Backen aber generell ab“, ergänzt Peter Ewaldt. „Wir inspirieren und ergänzen uns auf allen Ebenen“, sagt der Musiker augenzwinkernd. Nimmt man am Küchentisch von Marianne und Peter Ewaldt Platz, so ist diese Harmonie und das gegenseitige Verständnis füreinander sofort zu spüren.

Das Theater und

die Salzburger Musikkreise

Seit 33 Jahren ist Peter Ewaldt erster Kapellmeister am Salzburger Landestheater. Sechs Jahre lang hat er zuvor in Linz gearbeitet, diese Zeit markiert den Beginn seiner Karriere. Viele Jahre lang war er zudem als erster Gastdirigent am Kammerorchester in Essen tätig. „Essen war eine ganz wichtige Station für mich“, sagt er. Insgesamt feiert Peter Ewaldt dieses Jahr sein 40. Theaterjahr. Schon immer war dem Dirigenten und Pianisten die musikalische Vielfalt besonders wichtig. „Neben meiner Arbeit am Theater habe ich schon immer viele andere Dinge gemacht. Das ist mir wichtig, um künstlerisch frisch und kreativ zu bleiben. Ich versuche immer, meinen Horizont zu erweitern.“

Im Theater ist Peter Ewaldt „Herr der leichten Muse“. Operetten und Musicals stehen im Zentrum seiner Arbeit am Pult des Salzburger Landestheaters. Stücke wie „The Sound of Music“, „La Cage aux Folles“ oder „Kiss me Kate“ zählen zu seinen größten Erfolgen der letzten Jahre. Aktuell probt er eifrig für die Operette „Im weissen Rössl“, die am 7. Dezember Premiere feiert.

Neben der Arbeit am Salzburger Landestheater hat Peter Ewaldt – zum Ausgleich und zur Ergänzung und aus Liebe zur Alten Musik – vor zehn Jahren die Salzburger Musikkreise gegründet. „Meine Liebe zum Barock und Frühbarock war schon immer vorhanden“, erzählt er. Ausgehend von dieser bestreitet Peter Ewaldt gemeinsam mit seinem Ensemble in Verbindung mit Neuer Musik ungewöhnliche, musikalische Wege und Cross-over-Projekte. Neben Wolfgang Amadeus Mozart, der sich als roter Faden durch all sein Schaffen ziehe, liegen dem Musiker dabei zwei Komponisten besonders am Herzen: Claudio Monteverdi und Arvo Pärt. „Die beiden haben im Prinzip überhaupt nichts miteinander gemein, aber korrespondieren unglaublich miteinander“, schwärmt Ewaldt. „Das ist wie mit meiner Frau – wir sind sehr verschieden und verstehen uns trotzdem prächtig!“, sagt er und lacht. Zwei bis drei Mal im Jahr ist aktuell ein Programm der Salzburger Musikkreise zu erleben. Das Ensemble wechselt dabei, bis auf einen kleinen, fixen Kreis, je nach Projekt, und es wird mit alten wie neuen Musikinstrumenten gespielt. Eine präzise Programmgestaltung sowie eine Moderation sind Peter Ewaldt wichtig, ein Fan der Wald- und Wiesen-Zusammenstellung sei er nämlich nicht und resümiert: „Eines war mir in meinem Berufsleben in jedem Fall noch nie: langweilig.“

Die Verbindung von

Spiritualität und Kunst

Ebenso beharrlich und erfolgreich wie Peter Ewaldt, geht Marianne Ewaldt ihren künstlerischen Weg. Seit 1999 hat die Objekt- und Landart-Künstlerin ein eigenes Atelier zuhause. Seit über 20 Jahren steht das Labyrinth im Zentrum ihres Schaffens, dessen Wirkung auf den Menschen sie bereits lange vor dem Schaffen der Labyrinthe in freier Natur, in- und außerhalb Österreichs, erprobt hat. „Es ist jenes Ordnungssystem und Symbol für mich, das Körper, Seele und Geist zu heilen vermag“, erzählt Marianne Ewaldt. „Eigentlich wollte ich schon immer Energie in geometrische Formen umwandeln“, erklärt sie den Zusammenhang von Spiritualität und Kunst, die in ihrem Leben schon immer eine Rolle gespielt haben. „Im Labyrinth vereint sich alles, was mir spirituell und physisch wichtig ist.“ Neben handgroßen Labyrinthen aus Keramik, Ästen, Holz, Steinen und vielem mehr, schafft die Künstlerin lebensgroße und begehbare Labyrinth-Wege zum Hineinsetzen und Nachspüren. „Ich will, dass die Menschen wissen, wovon ich rede, und dass sie diese Energie spüren, die von einem Labyrinth ausgeht.“ Das Zentrum eines Labyrinths ist für Marianne Ewaldt von größter Bedeutung. Im Mittelpunkt des Ur-Labyrinths mit seinen sieben Gängen fände der Mensch absolute Harmonie, Balance, Heilung und Ruhe.

Eigentlich ist Marianne Ewaldt in der Keramik zuhause. Mit 28 Jahren ist sie dem 1973 verstorbenen Keramiker, Maler und Bildhauer, Arno Lehmann, begegnet, der auf der Festung Hohensalzburg lebte und arbeitete. „Bei ihm habe ich mein Handwerk gelernt, er war mein Mentor.“ Vor rund 20 Jahren hat sich das künstlerische Schaffen Marianne Ewaldts schließlich entscheidend verändert. Auf dem Haunsberg in Salzburg traf die aufstrebende Künstlerin Nigel Pennick und fand seine Labyrinthe faszinierend. „Da war mir klar: Da bin ich daheim!“ Zwei Jahre danach schuf Marianne Ewaldt ihr erstes Labyrinth im freien Raum, das es heute noch gibt und welches vor Kurzem restauriert wurde: das Hügellabyrinth am Kinderspielplatz der Christian Doppler Klinik. Unzählige Labyrinthe aller Größen und unterschiedlichster Materialien hat Marianne Ewaldt seitdem geschaffen. Das letzte und ebenfalls begehbare Labyrinth hat sie gemeinsam mit den Künstlerinnen Elfriede Hufnagel und Christiane Pott-Schlager umgesetzt: ein Labyrinth aus Wundtüchern im Park der Berchtoldvilla, welches bis zum Frühling 2015 dort zu sehen und zu erleben ist, denn: „Es eignet sich auch wunderbar zum Durchjoggen“, so die Künstlerin augenzwinkernd. „Man kann sich einfach seinen Weg ins Zentrum und wieder hinaus bahnen und synchronisiert und aktiviert dabei die Gehirnhälften.“ Und was ist für Marianne Ewaldt das ideale Labyrinth? In ihrem Atelier gibt es bereits ein Modell dafür: ein begehbares Lichtlabyrinth zur Zellerneuerung, aus Gold und Bergkristall.

Das Liebespaar und gemeinsames

künstlerisches Schaffen

Am 5. Dezember ist es 29 Jahre her, dass sich Marianne und Peter Ewaldt bei einem gemeinsamen Freund kennen gelernt haben. „Es war einfach sofort eine Basis da“, erinnert sich Peter Ewaldt. Im folgenden Oktober haben die beiden geheiratet. Manchmal hat das Paar seine künstlerischen Talente auch schon in einem gemeinsamen Projekt verwirklicht. So trägt die erste, große Produktion der Salzburger Musikkreise, mit dem Titel „Odysseus“, die künstlerische Handschrift von Marianne Ewaldt, die das Bühnenbild dafür gestaltet hat. Und das Logo der Salzburger Musikkreise enthält das siebengängige Ur-Labyrinth. Umgekehrt hat sich Marianne Ewaldt für die Vernissage einer ihrer Ausstellungen das „Kleine harmonische Labyrinth“ von Johann Sebastian Bach gewünscht. Und bei der Eröffnung des Spiegeloktogons im Romanischen Keller 2012 hat Peter Ewaldt die Besucher gemeinsam mit der Geigerin Romana Rauscher mit „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt begeistert. Eine bedeutende Gemeinschaftsarbeit gebe es natürlich noch: „Peter macht Kuchen und ich darf das Labyrinth darauf zeichnen“, so Marianne Ewaldt. Doch manchmal flüchten auch die Ewaldts aus ihrem Kunsthäuschen. Lässt es die Zeit zu, verbringt das Paar seinen freien Tag am liebsten gemeinsam in dessen Berghütte in Wagrain. Dort genießen sie die Stille, die Natur und das Nichtstun.

Eva Pittertschatscher

Cathy Kagiri, geboren 1990 in Nairobi, Kenia, kam vor fünf Jahren nach Österreich, um zu studieren. Als Au Pair-Mädchen fasste sie Fuß in Salzburg. Heute ist die schöne Kenianerin fast fertig mit ihrem Geschichte – Studium an der Universität Salzburg – und außerdem die frisch gekrönte Miss Integration sowie unser Cover-Model der SALZBURGERIN. Für Cathys titeltaugliches Make-up und Haare sorgte Evelyn Karbach vom Team Mario Krankl. Die 24-Jährige wurde Newcomerin des Jahres 2015 bei den Austrian Hairdressing Awards und hat mit ihrer allerersten Kollektion bereits die begehrte Trophäe für das Team Mario Krankl (Judengasse 11 in Salzburg) gewonnen.

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