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Ein Hauch von Freiheit…

Motorisierte Bikes, egal ob Moped, Roller, Enduro oder Rennmaschine, schwärmen bald wieder aus, auch weil sie für viele Piloten Spaß und Freizeit bedeuten. Betrachtet man die Zweiräder, dann stellt sich nüchtern aber zuerst die Frage, wozu man sich ein solches anschafft. Weil sie praktisch sind? Oder weil der Rausch der Geschwindigkeit lockt?
Ein Artikel von René Herndl

Das Moped, der kleine Roller – das sind die ersten motorisierten Fortbewegungsmittel, die junge Menschen fahren dürfen und wollen. Und schon in dieser Kategorie ist die Auswahl fast unübersichtlich, jedenfalls aber sehr unterschiedlich im Charakter: Das kleine Zeitgeist-Gefährt ist dort und da auch ein Statussymbol und sollte deshalb oft mehr den persönlichen Vorstellungen, den modischen Trends entsprechen als dass sie bloß der Fortbewegung dienen. Und in diesem sehr jugendlichen Markt tummeln sich etliche Marken, die damit auch die Vorlieben der Erwachsenen prägen. Es geht natürlich auch um die Erschwinglichkeit, aber vor allem um ein bestimmtes Image, das teilweise sogar soziale Gruppierungen hervorbringt. Beispiel? Die Harley-Davidson-Fans, die weniger an den technischen Finessen ihrer ballernden Untersätze interessiert sind, dafür deutlich mehr an der Optik, am Auftritt samt Zubehör, die schon fast zum Inbegriff des Motorrad-Kults geworden sind. Ähnlich verhält es sich bei der Marke Vespa und ihren Rollern, die nicht nur Mitte des letzten Jahrhunderts eine ganze Generation geprägt hat, die gerade jetzt wieder eine Renaissance erlebt. Da haben aber praktische Erwägungen oder günstige Preise kein Gewicht mehr, das Bike, das Zweirad wird zum Selbstdarstellungsmerkmal, mehr ein Identifikationsmittel als ein praktisches Fahrzeug. Das ist aber nur eine Seite.

Fakten ohne Klischees
Die andere ist die der Fakten, die sehr oft den subjektiven Eindrücken widersprechen. Zulieferteile werden längst weltweit zugekauft, selbst ganze Modellpaletten mittlerweile außerhalb der Stammwerke produziert oder montiert. Das macht den Markt international und qualitativ ausgewogen. Egal ob eine BMW-Maschine in Indien hergestellt wird, eine Triumph in Thailand oder irgendein japanisches Bike irgendwo außerhalb Japans, der Markt der Marken ist keine Frage der Herkunft mehr, sondern eine des Images. Und so wählt der Zweiradfahrer sein Bike wohl eher nach sehr stark persönlich orientierten Motiven, in zweiter Linie wahrscheinlich nach der Preisfrage und erst nachrangig wegen der Praktikabilität und des Nutzens. Zumindest in unseren Breitengraden.

Nischen und Verwendungszweck
Am Motorradmarkt gibt es auch die Unterscheidung nach der Verwendung, wobei hier die Vielfalt ebenfalls zunimmt und die Features immer ausgefeilter werden und – im Sinne des Zeitgeists – immer stärker digitalisiert. Die Naked Bikes werden im Aussehen und bei der Leistung immer brachialer, wie man etwa bei der neuen MV Agusta sehen kann. Die Tourenmaschinen, bei denen wohl die Vielseitigkeit eine große Bedeutung hat, zeichnen sich vor allem durch eine hohe Bequemlichkeit aus, die sich auf langen Strecken angenehm bemerkbar macht. Hier hat BMW, zumindest in Mitteleuropa, eindeutig die Nase vorne, aber auch KTM versucht auf diesem Sektor verstärkt Fuß zu fassen. Die Modellbezeichnung Adventure ist Programm. Die oft heftig übermotorisierten Zivilableger der Rennmaschinen, siehe Aprilia oder Honda, stehen für Geschwindigkeiten, die kaum jemals real zu er-fahren sind, aber auch kleinere Ausgaben – etwa die neue Suzuki GSX-S750 – orientieren sich in ihren Leistungsdaten an der Spitze. Der kleine Roller für die Stadt schaut dagegen ganz anders aus wie die Motocross-Maschine oder gar eine Enduro, wobei auch gering motorisierte Bikes sich optisch oft an die großen und starken anlehnen. Auch Mopeds schauen oft so aus wie eine kräftige Geländemaschine, etwa bei KTM oder Husqvarna.

09_Vespa-GTS-Super

Vespa GTS Super

Honda-Integra

Honda Integra

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BMW R Nine T

Suzuki-GSX-S750

Suzuki GSX S750

Gautier-Paulin-Husqvarna

Husqvarna

Fotos: Hersteller

Wesentlich bei den Neuigkeiten sind auch neue Assistenzsysteme oder neue Ausstattungs- und Designmerkmale, wobei bei den Zweirädern die hier besonders effektive und interessante Elektrifizierung noch etwas nachhinkt, aber ebenfalls langsam in Schwung kommt – siehe wiederum BMW oder bei den kleinen Rollern der deutsche „unu Elektroroller“. So sieht wohl die mobile Stadt der Zukunft auf zwei Rädern aus.

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