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Ein Hauch von Freiheit

Draußen im Freien zu sitzen und zu essen – schlicht ein Picknick zu machen – ist ein großes Vergnügen. Aber woher kommt diese Tradition? Und wie gelingt das Picknick am besten?
Ein Artikel von Marion Flach
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Foto: Depot

Ein paar junge Leute sitzen auf Decken in der Wiese. Sie plaudern, lachen und verbringen eine gute Zeit miteinander. Zwischen ihnen stehen allerlei Leckereien. Und zu trinken gibt es natürlich auch etwas! Ein idyllischer Anblick, ganz so, als wäre die Zeit stehen geblieben und die Welt vollkommen in Ordnung.

Das Picknick in dieser geselligen Form gibt es schon beinahe seit Menschengedenken. Nur hieß es früher noch nicht so. In der Antike beispiels-
weise bezeich
neten die Griechen mit „Eranos“ ein Freundschaftsmahl, an dessen Kosten sich alle Teilnehmer beteiligten. „Kosten“ bedeutete, dass jeder seine eigenen Nahrungsmittel mitbrachte und diese mit den anderen dann auch teilte.

Später im Mittelalter waren es vor allem die einfachen Leute oder Leibeigene, die – gezwungenermaßen – im Freien speisten. Bauern etwa unterbrachen ihre Arbeit nur so kurz wie unbedingt notwendig und aßen direkt auf dem Feld. Erst in der Renaissance und im Barock wurde das Speisen unter freiem Himmel auch in Adelskreisen schick.

Wortklauberei?

Im 17. Jahrhundert wurde das Picknick zum gesellschaftlichen Highlight und bedeutet spätestens seit damals viel mehr als bloß im Freien zu essen. Ein Picknick ist ein gesellschaftliches Ereignis, das Anbahnen einer neuen Liebe oder der Versuch, die Flammen der Leidenschaften erneut zum Erglühen zu bringen. Woher die Bezeichnung „Picknick“ selbst stammt, ist nicht ganz unumstritten. Sowohl die Franzosen als auch die Briten beanspruchen den Wortursprung für sich. Die erste schriftliche Erwähnung dürfte auf einen Roman von Jean de La Bruyère zurück-
zuführen sein. Pique-nique setzt sich im Französischen aus piquer (stechen oder stehlen) sowie nique (Kleinigkeit) zusammen. Allerdings sind auch die Briten davon überzeugt, dass sie den Begriff selbst kreierten und prägten.

So komme er von pick (greifen) und nick (alter Begriff für Augenblick). Ein Mysterium also, das wohl nicht gelöst werden kann und unter französisch-
britischen Zwistigkeiten zu verbuchen ist.

Stille Rebellion

Ob die Bezeichnung nun britischen oder französischen Ursprungs ist, sei einerlei. Das Picknick in seiner heutigen Form entwickelte sich auf jeden Fall Ende des 18. Jahrhunderts in aristokratischen Kreisen. Das Paris und London der damaligen Zeit war überbevölkert, schmutzig und laut. Um sich zu erholen, fuhren die Adeligen also in die Natur.

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Foto: exclusive-design – fotolia.com

Diese Ausflüge in die Natur hatten aber auch eine Veränderung im sozialen Gefüge zur Folge. Denn damals war es üblich, dass sich Männer und Frauen nach dem gemeinsamen Essen in getrennte Räume zurückzogen. Auf der grünen Wiese war das aber nicht mehr möglich und so verbrachten plötzlich alle Zeit gemeinsam – auf beengtem Raum. Dabei hatten die ersten Picknicker wohl keine Rebellion im Sinn. Dennoch zeigt sich, dass damals etwas im Wandel und das Einverständnis bzgl. mancher (sozialer) Regel nicht mehr gegeben war.

Im 19. Jahrhundert dann erfuhr diese Form des Freizeitvergnügens einen großen Aufschwung durch die Eisenbahn. War die Fahrt mit der Postkutsche mühsam und langwierig, konnten Ziele außerhalb der Stadt nun schnell und günstig erreicht werden. Vor allem in Künstlerkreisen war das Picknick von da an sehr beliebt. Bei den Impressionisten etwa wurde es zu einem sehr beliebten Motiv in Gemälden, Romanen oder Gedichten.

Seit damals ist mit dem Picknick also die Vorstellung von Freiheit und dem Entfliehen vor dem Alltag verbunden. Mit einem Picknick verändert man die Welt zwar nicht, dennoch ist es oft Ausdruck von (stiller) Rebellion. So sei ein Picknick die harmlose kleine Schwester des Sitzstreiks, formuliert es
Friederike Milbradt. Ein politisches Statement, das keinesfalls nach einem solchen aussieht. Erwähnt sei hier beispielsweise das Paneuropäische Picknick, das 1989 zum Symbol der Fluchtbewegung aus den Ostblock- Staaten wurde.

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Foto: conorcrowe – fotolia.com

Britisch vornehm

Aber zurück auf die grüne Wiese. Frische Luft, Vogelgezwitscher und Sonnenschein. Was könnte es an einem freien Tag Schöneres geben? Wie herrlich ein Picknick sein kann, wussten die Briten schon im 19. Jahrhundert. Maßgeblich daran war auch Königin Victoria beteiligt, die von 1837 bis 1901 auf dem
englischen Thron war. Sie liebte es, draußen zu speisen. Aber selbstverständlich wollte sie dabei nicht auf Luxus verzichten: Porzellan, Silberbesteck, Teezubereiter und nur erlesene Speisen und Getränke musste das Personal herbeischaffen.

Auch für Otto Normalverbraucher gehörte feines Essen schon damals zum Picknick dazu. Und um den Transport zu erleichtern, wurde kurzerhand der Picknickkorb erfunden, in dem neben Decke, Geschirr und Besteck auch alle Leckereien Platz fanden.

Romantischer Volkssport

In England ist Picknicken nach wie vor ein Volkssport. So ist es durchaus üblich, bei Sportveranstaltungen zu picknicken. Beim vielleicht bekanntesten Pferderennen, dem Royal Ascot, ist sogar – auch typisch englisch – penibel geregelt, wer wo und wie auf der grünen Wiese speisen darf.

Kulturhistorisch ist das Picknick bei uns vielleicht nicht ganz so stark verankert. Dennoch erfreuen sich immer mehr Menschen am Genuss im Freien. Ein Picknick hat dabei auch oft eine romantische Note, die historisch vielleicht noch von der verklärten Pariser Künstleridylle herrührt.

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Foto: ivanko80 – fotolia.com

Raus ins Grüne

Aber ganz egal, ob mit dem Liebsten oder mit Freunden – ein Picknick im Grünen ist einfach herrlich! Am Boden auf einer Decke sitzend verändern sich manchmal auch die Perspektiven: Die Einfachheit – Pappbecher und Servietten statt Tellern tun dem Genuss keinen Abbruch – gehört zu dem Mix aus ländlicher Idylle und urbanem Lifestyle dazu.

Natürlich ist ein Picknick am See oder auf einer Almwiese besonders schön, romantisch und entspannend. Aber es gehört auch immer mehr dazu, (Geheim-)Plätze in der nächsten Umgebung zu erkunden. In einer belebten (europäischen) Stadt ist es mittlerweile üblich, dass junge Menschen in den Parks auf ihren Decken liegen, Musik hören, lesen und ihren Proviant selbst dabei haben. Denn schließlich kann der Ausflug ins Grüne so nah und so entspannend sein!

Wer hat’s erfunden?

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Das Picknick macht erfinderisch! So sind Sandwiches eine Erfindung von John Montagu, 4. Earl of Sandwich. Ursprünglich handelte es sich dabei einfach um eine dünne Scheibe gesalzenem Rindfleisch zwischen zwei Scheiben Toastbrot.

Auch die Erfindung der Thermoskanne war ein Fortschritt für jedes Picknick. Sir James Deware erfand 1874 das Vakuumgefäß, das in der Isolierkanne seine perfekte Anwendung fand. Weiterentwickelt und für den Alltag perfektioniert, ließ sich Reinhold Burger die Thermoskanne 1903 patentieren.

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Foto: marketing concepts

Picknick light auf Salzburgerisch

Traditionell waren gerade in Salzburg die Bierkeller ein Ort, an dem mitgebrachte Speisen in rustikal-gemütlicher Atmosphäre bei gutem Bier, das vor Ort frisch gezapft wurde, verzehrt wurden. Man traf sich, aß gemeinsam und spielte vielleicht Karten. Dennoch war der Besuch im Bierkeller nicht ganz so naturverbunden und rustikal wie ein Picknick. Und vor allem war man wetterunabhängig, was in Salzburg ja kein Fehler ist!

Heute kann diese Tradition noch im Bräustüberl in Mülln gelebt werden. Das Augustinerbräu gilt als größter Biergarten Österreichs. Unter den alten Kastanienbäumen kann die selbstgemachte oder gekaufte Jause in gemütlicher Atmosphäre genossen werden. Falls der Schnürlregen sein Werk beginnt, bieten unzählige Stüberl und Säle genug Platz zum Verweilen.

A feins Platzerl

In der Stadt Salzburg gibt es viele schöne Fleckchen, an denen man ein Picknick genießen kann. Klassisch ist hier sicher der Park in Hellbrunn. Auch am Mönchsberg oder am Kapuzinerberg kann man es sich gemütlich machen. Genügend Platz gibt es auch am Lehener Glanspitz, nahe der Salzach-Staustufe. Ein wahres Highlight ist das Areal rund um die Naturwissenschaftliche Fakultät und den Botanischen Garten der Universität. Angst vor Hunden sollte man aber nicht haben, da Vierbeiner hier gerne ausgeführt werden.

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Foto: Schlossverwaltung Hellbrunn

Proviant

Die Speisen sollten Sie in gut verschließbare Boxen und Gefäße verpacken. In Kühltaschen oder mit ausreichend Kühl-Akkus bleiben die Leckereien dann über längere Zeit frisch. Allerdings ist es nicht ratsam, Gerichte mit leicht verderblichen Zutaten einzupacken. Torten mit Sahne-Creme oder Sushi sind also eher etwas für zuhause. Ansonsten sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt! Besonders hip und vor allem praktisch sind Gerichte in Weck- oder Rexgläsern.

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Foto: A_Lein – fotolia.com

Pizzarolle

Pizzateig für 1 Blech, 200 g Schinken oder Prosciutto, 200 g Mozzarella, Getrocknete Tomaten, Kräuter nach Belieben, Oliven, 2 hartgekochte Eier

Pizzateig mit Schinken oder Prosciutto bis zum Rand auslegen, die getrockneten
Tomaten und Oliven fein schneiden und auf dem
Prosciutto verteilen. Mozzarella würfelig schneiden und ebenfalls verteilen. Zum Schluss die Eier hacken und
darüber streuen. Evtl. mit Kräutern noch ein bisschen würzen. Nun von links und rechts jeweils bis zur Mitte straff einrollen. Umdrehen, so dass die offene Seite auf dem Blech unten liegt.

Bei 200 Grad 25 bis 35 Minuten backen.

Auskühlen lassen und in etwa 1 bis 2 cm dicke Scheiben schneiden.

Tipp: Bevor die Rolle in den Ofen geschoben wird,
noch einmal rundherum mit Wasser anfeuchten, so
wirft der Teig nicht so schnell Blasen und wird rund-
herum goldbraun.

Schicht für Schicht

1 große, reife Mango, 1 Avocado, 4 EL Zitronensaft, 150 g Mozzarella, Rucola, 0,125 l Orangensaft, 1 rote Chilischote, 3 EL Honig, 5 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer

Mango fein würfeln, Avocado ebenfalls würfeln und mit Zitronensaft beträufeln. Mozzarella ebenfalls würfeln.

Die Chilischote entkernen und klein schneiden.

Mit Orangensaft und Honig verrühren. Nach und nach Olivenöl unterschlagen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Mango auf 4 Gläser verteilen, mit Dressing beträufeln. Mozzarella draufgeben, wieder mit Dressing beträufeln, gleiches mit den Avocadowürfeln machen. Zum Schluss ein bisschen Rucola im restlichen Dressing schwenken und auf die Gläser verteilen.

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Foto: Africa Studio – fotolia.com
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Foto: Viktor – fotolia.com

Fruchtig-frisch

0,75 l Apfelsaft, 4 bis 5 EL Holundersirup, 3 EL Zitronensaft, 5 Stiele Basilikum, 0,75 Liter Mineralwasser oder, Soda

Apfelsaft mit Holundersirup und Zitronensaft mischen,
Basilikum hineingeben und mindestens 25 Minuten ziehen lassen. Vor dem Servieren mit Mineralwasser oder Soda mischen.

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