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„Die“ ländliche Region wird männlich

Ein Artikel von Susanne Radke, Redaktion Pinzgau

Früher waren es die Männer, die in die Welt hinausgezogen sind, um in der Bauwirtschaft oder auch in höher gestellten Berufen Geld zu verdienen. Die Frau mit den Kindern blieb zu Hause im Dorf. Die kürzlich bei einer Diskussionsrunde im Pinzgau präsentierte Studie von Prof. Gerlinde Weber (BOKU Wien) belegt hier aber eine dramatische Trendumkehr. In manchen Dörfern gibt es bereits ein Viertel mehr Männer und generell erwartet man bis 2030 einen 10%igen Rückgang bei der ländlichen Bevölkerung. Gründe sind natürlich die bessere Ausbildung der Frauen und der kontinuierliche Jobabbau im traditionell weiblichen Dienstleistungssektor u.a. durch den Staat, der Postämter, Gerichte, Schulen etc. schließt. Inzwischen tourt Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter in Sachen Stärkung des ländlichen Raums durch eben diesen, veranstaltet engagierte Workshops und stellt in Aussicht, dass Regierungsstellen möglicherweise bald wieder aus der Stadt aufs Land ausgesiedelt werden. Das wäre klug. Ich selbst hätte nach dem Studium niemals in meine geliebte Heimat zurückziehen können, wären da nicht interessante Jobmöglichkeiten gewesen. Und ein leistbares Haus. Und gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Und eine wunderbare Natur samt guter touristischer Infrastruktur, die meiner gesamten Familie Lebensqualität bietet. Das alles lässt die geringeren Löhne vergessen und könnte mithelfen, die weibliche Landflucht einzudämmen. Aber dafür braucht es Taten statt Absichtserklärungen und gut ausgebildete Frauen, die bereit sind, sich in und für ihre Gemeinden zu engagieren…

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