Die Küche ein gestalteter Lebensraum

Wohnraumgestaltung bezieht immer stärker auch die Küche ein. Sie wird zum Lebensmittelpunkt, zum Aufenthaltsraum mit Koch-Funktion, maßgeschneidert für individuelle oder familiäre Bedürfnisse und angepasst an die moderne Raumaufteilung.
Ein Artikel von René Herndl

Die Entwicklung des Küchendesigns und deren technischen Ausstattungen ist eine schleichende – permanent kommen kleine Neuigkeiten, Verfeinerungen und technische Finessen dazu. Aber eine Revolution findet nicht statt, eher eine Evolution.

Foto: Leo Mayrhofer/HAAS

Foto: Leo Mayrhofer/HAAS

Generell wird die Küche zunehmend als Lebensraum, als Aufenthaltsraum genutzt, dessen Funktion weit über die der Zubereitung von Speisen hinausgeht. Dafür reichte auch eine Feuerstelle. Diese Entwicklung dokumentiert am besten die Kochinsel, die gleichsam in den Wohnbereich integriert als Kommunikationszentrum mit Funktion dient. Die Insel ermöglicht, sich frei und dem Raum zugewandt zu bewegen, sie wird zum Mittelpunkt des gemeinsamen Kochens und Genießens und bietet maximalen Stauraum. Je nach ästhetischen Vorstellungen und persönlichen Lebensumständen kann man eine bodenstehende oder eine fußgestützte Variante auswählen. In jedem Fall aber gilt bei Küchen in allen Details – bis auf wenige geschmacklich konservative Ausnahmen – das Prinzip des Puristischen und der Ergonomie. Das Ganze steht als Summe der Einzelteile, die schlank und glatt an den Funktionen gemessen wird. Schnörkellos, grifflos, haptisch und optisch edel – so schaut die moderne Küche aus.

Qualität, Farben und Funktionen
Auch wenn man sich gestalterisch austobt, die Qualität der Materialien, etwa Altholz oder eine zurzeit besonders aktuelle Keramikarbeitsplatte, bestimmen den Gesamteindruck. Auch die Multifunktionswand, hinter der bei Bedarf die Küchengerätschaften unsichtbar versteckt werden können, zeigt sich modern, gedämpft dunkel, etwa anthrazit oder schlammgrau, unaufdringlich zeitlos gefärbt. Weiß ist in der Küche zur sterilen, fast klinischen „Unfarbe“ geworden, vielleicht auch, weil sie die optische Gemütlichkeit schmälert.

Die Funktionen einer Küche, die individuell angepasste Ausstattung in Übereinstimmung mit der Architektur, finden ihre Vollendung in der bedarfsorientierten Geräte- und Werkzeugauswahl, die geordnet und griffbereit liegen. Selbstverständlich gehören Dampfgarer, Induktionskochplatte, Kochfelddunstabzug und dergleichen zur Standardausrüstung, die durch funktionelle Kleinigkeiten und Accessoires noch verfeinert werden können. Die
Eiswürfelmaschine oder die eingebaute Kaffeemaschine sind eventuell luxuriöse Ergänzungen, die weniger nützlich sind als ein Brotkasten samt Schneidbrett aus Ahornholz, das vorhandene Inhaltsstoffe mit antibakterieller Wirkung freisetzt.

Foto: Christian Hemmelmeir

Foto: Christian Hemmelmeir

Essen und sitzen in der Küche
Ein weiterer Mittelpunkt der Küche wird vom Esstisch bestimmt, der als Ergänzung die Einheit komplettiert. Er ist Mittelpunkt des Lebensraumes, der Gemeinsamkeit des Essens und Trinkens, des Genusses und der Kommunikation. Er ist der zentrale Ort der Familie, des endlichen Erlebens dessen, was die Küche produziert. Hier wird Leben zelebriert – authentisch, tagtäglich, praktisch, individuell! Unmittelbarer geht es nicht, auch, weil er die Schnittstelle zwischen dauerhafter Ergonomie und kreativer Kochkunst ist, die Kombination aus Gemütlichkeit und Sich-zuhause-fühlen.

Letztendlich genügt bei einer Küche trotzdem das Prinzip der Einfachheit, solange alle Bedürfnisse, die das Kochen erleichtern, den Genuss bereichern und die Kommunikation ermöglichen, befriedigt werden, wobei die Materialqualität sowohl den Preis als auch die Lebensdauer der Küche beeinflusst.

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