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Die Jungen Wilden von Salzburg

Mozart, Festspiele, Sound of Music – attraktive Standbeine, doch Salzburg kann weitaus mehr. Die heimische Start-Up-Szene sprießt und eröffnet die Bühne für alle mit innovativen Ideen.
Ein Artikel von Christine Gnahn

Wer nach Salzburg kommt, lechzt, so lautet das Klischee, nach Kunst und Kultur. Mozart und Erzbischof sei Dank ist die Stadt an der Salzach bekannt für ihre prunkvollen barocken Bauten und als Hochburg der klassischen Musik. Doch ist Salzburg auch modern genug, um Start-Up-Unternehmern geeigneten Grund und Boden zu bieten? Ja, ist Dominik Mayer, der Salzburger Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, überzeugt. „Salzburg ist ein enorm innovativer Standort voller Talente – das zeigt sich in der Dichte an Startups, Patenten und Entwicklungen, die sich auch international erfolgreich durchsetzen.“

Gründer mit Rockstar-Status

Seit gut fünf Jahren steigt die Zahl der frischgebackenen Unternehmer stetig an. Der Gründerservice der Wirtschaftskammer verzeichnete im Vorjahr gar 218.400 Kontakte. Dabei handelt es sich häufig um Betriebe in den Medien. „Salzburgs Gründerszene rockt im Moment gewaltig! Und das ist gut, denn wir ‚Jungen‘ stehen im Wettbewerb um die Zukunft und die Innovation unserer Startups zeigt, dass wir international relevant sind.“

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Foto: inspiranto

„Der aktuelle Hype der Startup-Szene ist ein wertvoller Impuls für die gesamte Gründerszene in Salzburg.“

– Dominik Mayer

Konservative Investoren und eine Steuerpolitik, die Selbstständigen und Gründern das Leben schwer machen – das soll nach der Meinung einiger Drahtzieher der österreichischen Politik der Vergangenheit angehören. ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer, in der Start-Up-Szene auch als „Mr. Startup“ bekannt, führte beispielsweise das Crowdfunding-Gesetz ein: Die Erlaubnis für Unternehmer, finanzielle Mittel über Investitionsbeiträge der „Massen“ zu sammeln.

In Salzburg beginnen

Um Start-Up-Gründer nach Salzburg zu holen und Heimische gleichermaßen zu motivieren, etablierte sich in jüngster Zeit eine Kooperation aus Wirtschaftskammer, Fachhochschule, Universität, Techno-Z und Coworking-space: Eine Union namens „Startup Salzburg“. Diese setzt sich auf wirtschaftlicher und politischer Ebene für die Interessen innovativer Denker ein.

An der Fachhochschule gibt es mittlerweile sogar eine eigene Startup-Beauftragte, die von regen Anfragen der Absolventen berichtet. „Start-Ups sind die Speerspitze der Veränderung, die wir in diesem Land dringend brauchen“, fasst Mahrer die aktuellen Entwicklungen zusammen – und appelliert damit an alle, potenzielle Geschäftsideen wahrzumachen und die eigenen Visionen zu realisieren. Es ist an der Zeit.

In Start-Ups investieren

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Foto: vege – fotolia.com

 

Als Business Angel und Kulturmanager blickt Dr. Thomas Bodmer auf einen reichen Erfahrungsschatz in puncto Finanzierung von Start-Ups und Kultur zurück. Im Gespräch mit dem gebürtigen Schweizer.

Herr Dr. Bodmer, ein Start-Up in Salzburg gründen – ist das eine gute Idee?

Ja, sogar eine ausgezeichnete! Die Lebensqualität ist hoch und das positive Image der Stadt öffnet die Herzen, auch jene von Investoren. Die Menschen kommen nach Salzburg, weil sie wissen, dass sie hier Kunst, Kultur, atemberaubend schöne Natur, ein tolles Stadtbild und ein hoher
Lebensstandard erwartet.

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Foto: www.kaindl-hoenig.com

Was ist die Zukunft?

Die Zukunft sind innovative und kreative Menschen, denen es gelingt, aus einer guten Idee ein florierendes Unternehmen zu schaffen und solche, die dahingehend investieren. Die Zeiten haben sich geändert, ein guter Business-Plan dient meist nur zur Konkretisierung der Idee. Dann aber ist es viel wichtiger, den Schwierigkeiten zu trotzen und immer flexibel zu bleiben.

Ihr Unternehmen „NextFloor“ beschäftigt sich mit Investoren für Start-Ups.

Das ist richtig. Wir sind ein Kreis von Investoren, die über den Tellerrand blicken können und wollen, und wir helfen uns gegenseitig bei der Einschätzung von Start-Ups. Bei einem sogenannten „Pitching“, also wenn Unternehmen sich innerhalb kurzer Präsentationen vorstellen, braucht man Ahnung, um die Ideen auf ihre Beständigkeit und Praktikabilität zu durchleuchten.

Worauf muss man da achten?

Das Wichtigste sind immer die Menschen hinter der Idee. Dann hilft nachfragen. Jemand, der in einem bestimmten Sektor Fuß fassen will, muss sämtliche Zahlen und Infos aus diesem noch im Schlaf nennen können. Im zweiten Schritt ist es wichtig, sämtliche Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen – gerade was Statistiken und ähnliche leicht erfindbare Sachverhalte angeht!

Immer wieder wird die „Kultur des Scheiterns“ thematisiert, die in Amerika scheinbar so viel besser funktioniert als hier. Wie ist das gemeint?

In den USA gibt es tendenziell mehr Start-Up-Versuche. Jemand hat eine Idee, einen Traum, und möchte seiner Vision folgen. Er macht einfach mal, probiert sich aus, gründet ein Unternehmen – und riskiert dabei auch, zu scheitern. Das Motto lautet hier ganz klar: Nur wer wagt, gewinnt. Natürlich kommt es in Amerika dadurch auch zu mehr gescheiterten Projekten, schließlich kann nicht immer alles wie geplant funktionieren. Hierzulande brauchen wir noch mehr Mut und Toleranz hinsichtlich des Scheiterns. Es ist kein Weltuntergang, wenn man manche Projekte eben doch wieder begraben muss.

Sie leiten ein erfolgreiches Unternehmen und sind im Vorstand der Stiftung Mozarteum. Haben Sie denn selbst Erfahrung mit dem Scheitern?

Ja, ich habe einmal versucht, eine Applikation für Handys auf den Markt zu bringen. Trotz super Business-Plan und allem „Drum und Dran“ gab es dann große Schwierigkeiten: die Idee bewährte sich in der Praxis einfach nicht. Es ist natürlich nicht leicht, irgendwann einen Strich zu ziehen und zu sagen: Da bin ich jetzt gescheitert, das lasse ich sein. Aber es geht weiter und man darf die Flinte nicht ins Korn werfen. Wenn eine Idee nicht funktioniert hat, dann vielleicht die nächste. So gesehen ist die Kultur des Scheiterns eher eine Kultur des Ausprobierens.

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Foto: Melpomene – fotolia.com

Angenommen, ich möchte meine Idee ausprobieren und ein Start-Up-Unternehmen gründen. Kann man das dank des Internets heutzutage von überall aus machen?

Nein, das ist ein Irrtum der heutigen Zeit. Im Prinzip stimmt es, die Internet-Technologie sowie die Mobiltelefonie und alles, was damit verbunden ist, erlaubt eine flexiblere Handhabung des Stand- und Arbeitsortes. Dennoch ist es nicht egal, von wo aus ich mein Unternehmen leite. Es nimmt einen erheblichen Einfluss auf das Gelingen einer jeden Firma, ob man sich vor Ort wohlfühlt und wo das Umfeld stimmt. Nur dann können Ideen sprießen.

In gewissen Belangen, beispielsweise zur Kundengewinnung oder für Kooperationen ist es zudem günstig, nicht komplett „ab vom Schuss“ zu wohnen.

Braucht es mehr Förderungen für Start-Ups?

Eine Förderung im Sinne von: Privatleute, die sich selbstständig machen, werden steuerlich und in anderen Hinsichten begünstigt. Ja, die erachte ich für sinnvoll. Um so nach und nach dazu zu motivieren, die eigenen Visionen zu realisieren!

Dr. Thomas Bodmers Firma Nextfloor unterstützt und berät Investoren, die auf Start-Up-Unternehmen setzen. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, bei denen sich Interessierte informieren können.

Weitere Infos: next-floor.at

Die Schmiede der Kreativen

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Foto: Jannik Weylandt

Als eine Kulturinitiative, die frische Ideen und kreative Köpfe vereint und dabei neue Konzepte entstehen lässt: Als solche gründete Rüdiger Wassibauer vor 13 Jahren die Schmiede Hallein.

Herr Wassibauer, was genau ist die Schmiede Hallein?

Die Schmiede Hallein ist ein sogenanntes Arbeitsfestival, auf dem Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen und gemeinsam „werkeln“. Dabei entstehen neue Verbindungen, Kontakte und natürlich auch Ideen.

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Foto: Jannik Weylandt

Das heißt, wildfremde Menschen lernen sich kennen und arbeiten Hand in Hand? Funktioniert das?

Das funktioniert ausgezeichnet. Wenn ein gemeinsames Interesse besteht, dann fügen sich unterschiedliche Kenntnisstände ineinander und sowohl das Know-how als auch der Ideenreichtum ergänzen sich gegenseitig. Hier kann man potenzielle Partner oder Mitarbeiter viel besser kennen lernen, als beispielsweise bei einem einfachen Gespräch.

Verstehe, man sieht die Person also gleich live in Aktion.

Genau! Es kommen ja Menschen aus der ganzen Welt, 350 Leute aus insgesamt 30 Ländern und alle im Bereich der Kreativwirtschaft verstrickt. Wenn der eine in Öster-reich und der andere in Belgien arbeitet, würden sich die beiden wohl kaum kennenlernen. Je spezialisierter jemand in seinem Fachbereich ist, umso schwieriger wird es, sogar in der eigenen Region.

Das Internet macht zwar jedes Unternehmen schnell potenziell global – doch die unglaubliche Vielfalt erschwert es wiederum, gezielt Menschen kennenzulernen. Dafür eignet sich der reale Raum wie nichts anderes.

Was genau heißt in diesem Kontext eigentlich „Kreativwirtschaft“?

Für mich geht es um die Art und Weise, wie man an Dinge herangeht und seine Möglichkeiten betrachtet.

Ein Beispiel: Technologie mit physischen Objekten zu verbinden. Interaktive Kopfhörer rein aus Leder oder Datenhandschuhe, mit denen man etwas ein- und ausschalten oder steuern kann. „Wearable Devices“, also Geräte, die man anziehen kann, sind hier das Stichwort. Kleidung, die nicht nur warm hält oder im Sinne eines bestimmten Stoffes funktionell ist, sondern die wirklich etwas „kann“.

Klingt sehr futuristisch.

Im Prinzip waren schon Brillen, die unser Sehvermögen unterstützen, ein Teil dieser Entwicklung. Ein aktuelles, aber eher umstrittenes Beispiel ist die „Smart Watch“ von Apple.

Und all diese Innovatoren pilgern nach Hallein?

Erfreulicherweise ja. Beim ersten Mal im Jahr 2003 waren es noch 70 Leute, eine Zahl, die sich heute mehr als vervierfacht hat. Salzburg ist logistisch gut im Herzen Europas gelegen und hat einen eigenen, gut ausgebauten Flughafen. Außerdem hat Salzburg einen Namen in der Öffentlichkeit. Das ist ideal für ein internationales Zusammentreffen – Hallein ist dann nur noch einen Katzensprung entfernt.

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Foto: Jannik Weylandt

Was ist denn das erklärte Ziel der Schmiede Hallein?

Im besten Fall entstehen hier Teams, die sich gut kennen gelernt haben und darum gut zusammen spielen.

Daraus resultieren neue Start-Ups, neue Geschäftsideen, neue Produkte und eben neue zündende Ideen sowie Kooperationen. Im „schlechtesten“ Fall hatte man eine abwechslungsreiche, inspirierende Zeit, in der man viel und viele kennenlernt, und in verschiedene Bereiche schnuppern konnte.

Wie oft findet die Schmiede denn statt?

Einmal im Jahr, dann dauert sie zehn Tage lang. Eine sehr intensive Zeit.

Warum spielen sich die meisten Start-Ups eigentlich im Bereich des Computers und des Internets ab?

Da geht es um die Skalierbarkeit. Angenommen, es erfindet jemand ein technisches Gerät, das aufwändig ist in der Herstellung. Für jede Bestellung, die hereinkommt, muss ein großer Aufwand getätigt werden, um ein weiteres dieser Geräte herzustellen.

Nun das Gegenbeispiel: Jemand programmiert eine App. Funktioniert die App gut, kann es dem Programmierer vom Aufwand her egal sein, ob zehn oder zehntausend seine App kaufen. Er muss nichts extra erstellen oder machen.

So wie bei den vier Österreichern, die die Fitness-App „Runtastic“ schließlich für berühmte 220 Millionen Euro an Adidas verkauften?

Ganz genau, das ist die größte Erfolgsgeschichte der Start-Up-Szene in Österreich. Vier Tüftler setzen sich zusammen und teilen eine Vision – am Ende kommt ein Produkt raus, mit dem sie ausgesorgt haben. Das ist natürlich der Traum.

Weitere Infos: www.schmiede.ca

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Foto: Jannik Weylandt

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Foto: Jannik Weylandt

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