_beitrag_criticus

Des einen Freud, des anderen Neid

Ein Kommentar von Nur Meinereiner, Autor, Mentalcoach SQ
criticus

Foto: Nur Meinereiner

Sind Sie im Laufe Ihres Lebens schon einmal Neidern begegnet oder hatten Sie schon mit Neidern zu tun? Was ist Neid?
Neid ist die Angst des Menschen vor den Vorteilen der anderen, derentwegen man – wenn sie als Ursache wahrgenommen – durchaus benachteiligt werden könnte. Da tritt das Bewusstsein des eigenen persönlichen Tiefstandes, sei es in wirtschaftlicher oder sozialer Art, aus dem Schatten hervor. Der Neid ist eine Verschmelzung mehrerer Untugenden zu einem Laster, die dessen Geschwister – die Habsucht, die Schadenfreude, die Verleumdung und die Ungerechtigkeit – immer wieder handelnd mit einbezieht.
Nun, Neid infiltriert und vernichtet jegliche Motivation und ist demzufolge auch negativ produktiv. Neid kann überall auftauchen, zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Neid ist mühelos und einfach, es ist das emotionellste Aufbegehren gegen eine empfundene Ungerechtigkeit und macht die Unzufriedenheit, unterstützt durch die eigenen bescheidenen Fähigkeiten, klar ersichtlich.
Freude wird heutzutage oft nur geheuchelt, der Neid hingegen ist durchaus ehrlich empfunden und in einer Bewunderung kann schon der Neid beginnen zu keimen und sich prächtig entwickeln. Sogar falsches Glück, in Verbindung mit Hochmut, erzeugt paradoxerweise gerne echten Neid. Interessant dabei ist auch, dass der Neid mit der Ungeduld immer im Unreinen ist, weil die Schadenfreude einfach auf sich warten lässt (oftmals weiblich) und der Ausfluss der Selbstsucht stockt.
Der Neid ist gelblich und sehr hager, weil er nur beißt und gar nichts verspeist. Wahrscheinlich hat Hugo von Hofmannsthal deshalb im Schauspiel „Jedermann“ auf den Neid in Gestalt verzichtet. Was hätte der Neid denn auf der Bühne tun sollen, außer in der Ecke zu stehen, um dort zu „granteln“. Übrigens, die Schadenfreude ist nur die lustvolle geile kleine Schwester des Neides, aber das sei jetzt nur so am Rande erwähnt.
Schadet Neid nicht meist denjenigen, die ihn hegen und pflegen? Fakt ist, der Neid frisst nur die Neider. Dann noch diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass die Reichen auch noch den Neid der Besitzärmeren völlig gratis dazubekommen. Und der Beneidete genießt die saisonale Hoch-Zeit und denkt sich folglich: „Wenn Dich Missgunst und Neid umringen, so erinnere Dich an Götz von Berlichingen!“ Der Neid ist der romantische Beweis einer übertriebenen Ablehnung, die dem Betroffenen zuerst wie ein eleganter Dolchstoß vorkommt und die bei genauerem Hinsehen ihre enthusiastische Vollendung erst in einer beglückenden Schadenfreude findet. Der Beneidete liebt den Neid, dem man ihm nachsagt und glaubt, es sei ein verlässlicher und wesentlicher Imageindikator seines irdischen Daseins. Dabei vergisst er völlig, dass der Neid immer länger dauert als das Glück, das beneidet wird. Für den Beneideten ist das auch eine Frage der Zuteilung, je mehr dieser davon erhält, desto weniger neidisch wird der Beneidete dann auch sein.
Die ältere Schwester des Neides ist die Missgunst, die sich in ihrer Destruktivität suhlt, nicht unbedingt besser gestellte Themen behandelt und anders als beim Neid durchaus zerstörerisch sein kann. Wenn schon Neid oder Missgunst, sollte diesen dann nicht mit dem nötigen Respekt begegnet werden, damit sie den eigenen Ehrgeiz wecken können?
Vielen wird immer erst dann bewusst, wie schön Regen sein kann, wenn es hagelt.

81 total views, 1 views today

Alle Beiträge aus Reportage & Wissen


Facebook Icon