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Der Stoff, aus dem die (Wohn-)Träume sind…

„Cocooning“ ist das Schlagwort unserer Zeit. Der Rückzug in die Heimeligkeit der eigenen vier Wände als Gegenpol zu einem immer schnelllebigeren Alltag. Eine wesentliche Rolle kommt dabei der ganz persönlichen Gestaltung des Wohnraums zu. Und womit ließe sich dieser besser und individueller in Szene setzen, als mit edlen Stoffen?
Ein Artikel von Doris Ahornegger

Stoffe und textile Accessoires sind die perfekten Mittel, um Räumen Individualität zu verleihen und wohnliche Akzente zu setzen. Mit ihrem Variantenreichtum an Strukturen und Farben inszenieren sie Einrichtung und Licht – und schaffen so eine ganz spezielle Wohnatmosphäre.

Kleine Veränderung mit großer Wirkung
Mit Stoffen lassen sich Räume immer wieder neu definieren. Vorhänge, Kissen oder auch Teppiche schaffen mit nur wenig Aufwand ein völlig neues Wohnambiente und holen die ganz besondere Stimmung der verschiedenen Jahreszeiten in die eigenen vier Wände. Während luftige Leinenstoffe zum Sommer dazugehören wie der Sand zum Meer, sehnen wir uns, kaum wird es kälter, nach flauschig warmen Materialien wie Samt oder Velours. Im Nu wird die coole Lederliege dann mit einem kuscheligen Plaid zur passionierten Romantikerin, die alten Holzstühle bewähren sich in baumwollene Hussen gekleidet als perfekte Gastgeber, und das kühle weiße Sofa mutiert mit weichen Kissen bestückt zur winterlichen Wohlfühloase.

Steril war gestern
Stoffe schaffen Harmonie, vermitteln Geborgenheit und erwecken Räume zum Leben. Nach Jahren des cleanen, fast schon sterilen Purismus, vermitteln die Wohntextilien von heute durch ihre naturnahen Farben und lebendigen Strukturen Wärme, und haben ihre ganz eigene Aussagekraft. Zudem wirken sie sich positiv auf die Akustik der Räume aus. Größere Textilflächen, wie etwa Vorhänge, beeinflussen die Aura des Wohnbereichs ganz entscheidend.

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Foto: Zirngibl – Handwerk & Wohnkonzepte
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Foto: Wohnmode Mayr/Zimmer + Rohde
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Foto: Eberharter Raumgestaltung

Blickschutz oder Dekorationselement
Die Wirkung von Vorhängen und Gardinen wird oft unterschätzt. Fein abgestimmt auf die Wohnsituation, geben sie Räumen eine neue Wertigkeit und beinhalten zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten mit Möbelstoffen, Teppichen und Tapeten. Bei ihrer Auswahl steht eine zentrale Frage im Vordergrund: Sollen die Stoffbahnen vor neugierigen Blicken schützen und den Raum bei Bedarf verdunkeln, oder werden sie als reines Stilmittel eingesetzt, um den Charakter des Zimmers zu unterstreichen? Denn abhängig von Stoffdichte und Farbe lassen Vorhänge mehr oder weniger Licht in den Raum. Die Auswahl der Gardinenstoffe ist groß, je nach Oberfläche und Textur erzeugen sie völlig unterschiedliche Effekte. Ob transparent oder dicht, leicht oder üppig, uni oder gemustert entscheiden schlussendlich der persönliche Geschmack oder die Raumsituation.

Persönlichkeit sticht Trend
Individualität spielt auch bei Möbelstoffen eine große Rolle. Während sich Kissen und Plaids schnell mal austauschen lassen, begleiten uns manche Möbel, wie Sofas und Sessel, oft ein Leben lang. Umso wichtiger ist es deshalb, für sie zeitlose, strapazierfähige und hochqualitative Materialien zu wählen. Und: der Stoff muss in den Raum, aber auch zum Möbel passen! Denn nicht jede Form passt zu jedem Muster bzw. jeder Struktur. Stilbrüche sind bei der Auswahl der Bezugsstoffe aber durchaus erlaubt! Denn während die Ton-in-Ton Harmonie schnell für optische Langeweile sorgt, kann beispielsweise die Kombination von antiken Möbelstücken mit modernen Stoffbezügen ein ungeahnt dynamisches Ambiente schaffen. Alte Erb- oder Lieblingsstücke können auf diese Weise zu neuem Leben erweckt und als ganz besonderer Eyecatcher im Raum eingesetzt werden. Der alte Biedermeier-Sessel der Großmutter im modernen Streifenlook etwa macht den eigenen Stil unverwechselbar. Empfehlenswert ist dabei nur, das Innenleben des betreffenden Möbels vorher zu prüfen, denn ohne den gewissen Sitzkomfort kann das ehemalige Lieblingsstück auch im neuen Gewand schnell zum unliebsamen Staubfänger werden.

Wunderbare VerWANDlung
Genauso wie die griffigen Möbelbezüge mit ihrer weichen, lebendigen Haptik, feiern auch Wandbeläge ein absolutes Revival. Wurde die Tapete viele Jahre lang aus den heimischen Wohnzimmern verbannt, ist sie heute von den meisten Raumgestaltungskonzepten kaum mehr wegzudenken. Ob aus Papier, Naturmaterialien wie Kork, Leinen oder Leder, oder diversen Stoffen, kann der Wandbelag sowohl als dekoratives Element oder kurzlebiger Eyecatcher, als auch als langfristige und akustische Raumlösung fungieren. Neben der klassisch tapezierten Wand kommen immer häufiger auch mit unterschiedlichsten Materialien bespannte und individuell angepasste Wandpaneele zum Einsatz. Als wandgestalterisches Element ersetzen sie oft Gemälde und haben wie diese den Vorteil, bei einem Umzug mitgenommen oder auch mal in einem anderen Raum installiert zu werden. Mit ihren zahlreichen Strukturen, Farbnuancen und Oberflächen verleihen die neuen Wandkleider jedem Raum das gewisse Etwas. Ob glänzend, matt, mit eingearbeiteten Metall- oder Perlmuttplättchen, gemustert, einfärbig, klassisch oder modern – das Angebot an hochwertigen Tapeten ist enorm. Und auch hier ist Individualität gefragt. Denn: Trends kommen und gehen. Stil bleibt.

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Experten-Tipps

Foto: Eberharter Raumgestaltung

Foto: Eberharter Raumgestaltung

Wir als Raumgestalter haben Wandbeläge schon immer gerne als gestalterisches Stilmittel eingesetzt. Textile Elemente vermitteln eine Behaglichkeit, die selbst warme Wandfarben nie ausstrahlen können. Zu beachten ist immer, was eine Wand können muss, bzw. was sich der Kunde wünscht. Gibt es ein akustisches Problem im Raum? Soll der Raum größer wirken? Oder heimeliger, kuscheliger? Zudem sollte der Wandbelag auf seinen Vordergrund, z.B. das Sofa, abgestimmt werden. Ist dieses sehr auffällig, empfiehlt es sich, zu ruhigeren Elementen für die Wandgestaltung zu greifen – und umgekehrt.
Edith Eberharter, Eberharter Raumgestaltung, www.eberharter.co.at

Foto: Zirngibl

Foto: Zirngibl

Die Rückkehr zur Natur ist ein ganz großes Thema in puncto Wohntextilien! Das macht sich nicht nur bei den Materialien, sondern auch bei den Farben bemerkbar: erdige Töne, Senf oder Olive sind gerade bei Möbelbezugsstoffen absolut im Kommen. Trends sollte man aber nicht überbewerten – denn das Wichtigste ist: Man soll sein Zuhause so kreieren, dass man sich darin widerspiegelt. Persönlicher Stil ist mit keinem Zeitstempel versehen! Bezugsstoffe müssen nicht nur zum Möbel und zum Raum, sondern auch zu dessen Bewohnern passen. Und je nach Nutzung beanspruchbar sein. Denn gerade Polstermöbel sind zum Leben da!
Martin Zirngibl, Zirngibl – Handwerk & Wohnkonzepte, www.zirngibl.at

Foto: Wohnmode Mayr

Foto: Wohnmode Mayr

Selbst wenn der Ausblick noch so schön ist, braucht es zum Wohlfühlen Gardinen oder Dekostoffe an Fenstern, Türen oder großen Glasfronten. Außenliegende Raff-stores sind zwar oft vorhanden, können den Charme und Nutzen von Stoffen aber nicht ersetzen. Wichtig ist auch die Abstimmung mit eleganten Vorhangstangen und modernen Innenlaufschienen, die ein harmonisches Gesamtbild erzeugen. Als Tapezierer + Raumausstatter Fachbetrieb führen wir eine Vielfalt an internationalen Textil-Kollektionen von namhaften Verlagen und können dank unserer handwerklichen Erfahrung auch anspruchsvollste Wohnträume realisieren.
Markus Mayr, Wohnmode Mayr Seekirchen, www.wohnmode-mayr.at

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