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Datensammeldosen

Eine Kolumne der FH-Salzburg
DI (FH) DI Roland Graf, MSc, Senior Lecturer des Studiengangs Informationstechnik & System-Management
Foto: FH Salzburg/P. Ott

Foto: FH Salzburg/P. Ott

Also im realen Leben überlegt man sich in der Regel schon, was man wann und wem erzählt und anvertraut. Nicht jedem berichtet man über seine persönlichen Vorlieben, Interessen, seine Gesinnung oder sein Privatleben. Man sollte auch durchaus wählerisch und vorsichtig sein, wenn es um die Weitergabe persönlicher Daten geht. Obwohl, Menschen sind wenigstens vergesslich, – glücklicherweise! – und so ist manche heute von sich gegebene und vielleicht unüberlegte Aussage morgen eh schon wieder Schnee von gestern. Also kein Problem.

Foto: bht2000 - fotolia.com

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In der digitalen Welt haben wir offensichtlich kaum Hemmungen, uns informationstechnisch gänzlich zu entblößen. Manche posten in sozialen Netzwerken mehr von sich und ihrer Umgebung, als vor einigen Jahren noch je jemand gewagt hätte zu erfragen. Sie stellen Bilder online und geben Privatestes von sich oder anderen preis, ohne je zu hinterfragen, wo, von wem und wie die Daten prozessiert, und wie lange diese Informationen gespeichert werden. Manche Unternehmen und Geheimdienste haben dadurch gar schon so viele Daten von uns gesammelt, dass sie nur noch mit speziellen Algorithmen und exzessiven Speicherlösungen (Stichwort Big Data) sinnvolle und für sie verwertbare Datenauszüge und Schlüsse daraus ableiten können. Und was tun wir? Wir liefern stetig weiter und legen sogar noch eins drauf.
Tippen, schauen und wischen ist ja von gestern und „out“, und wer heute wirklich „in“ sein will, muss mit seinen Gerätschaften sprechen. Absolut im Trend stehen derzeit sprachgesteuerte Assistenzsysteme, die „mehr und mehr bei uns in Untermiete wohnen“ oder im Handy überall mit dabei sind und so Zugang zu privatesten Informationen erhalten.

Was die wenigsten von uns dabei bedenken ist aber, dass die meisten dieser nett klingenden Systeme, die beispielsweise auf die Namen Alexa (Amazon), Siri (Apple), Cortana (Microsoft) oder Hey Google (Google) hören, nicht so verschwiegen sind, wie man es von privaten und vertrauenswürdigen AssistentInnen eigentlich erwarten könnte. Ganz im Gegenteil sogar.
Die meisten dieser Assistenzsysteme sind von sich aus weniger intelligent, als es uns die Hersteller weismachen wollen. Sie sind dafür aber umso freigiebiger mit unseren Informationen. Unsere gesprochenen Anfragen und Dialoge werden direkt an die Cloud weitergeleitet, um irgendwo in den Systemuntiefen der jeweiligen Organisationen eine (selten) mehr oder (öfter) weniger intelligente oder (ungewollt) witzige Antwort zu generieren oder einfache Aktion auszulösen. Das Problem dabei?

Foto_ bht2000 - fotolia.com

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Es ist nur schwer nachvollziehbar, wann nun wirklich zugehört wird, was gespeichert wird und was an wen weitergegeben wird. Ganz sicher ist aber: Mit jeder einzelnen Anfrage und jedem gesprochenen Wort geben wir tagtäglich noch mehr von unseren privaten Daten preis und vervollständigen damit unser Profil. Die Hersteller verkaufen uns dies sogar als Feature, denn immerhin lerne das System damit dazu, um uns in Zukunft noch besser zu verstehen.

Früher führten schon die einfachen Fragen einer Volkszählung zu heftigen Kontroversen und Protesten. Heute gibt es keinen Widerstand mehr. Wir positionieren freiwillig remote gesteuerte Mikrophone, die direkt mit den Servern und Abhörposten der Datenkraken verbunden sind, in unseren privatesten Räumlichkeiten. Da verstehe einer die Welt noch und den Ruf nach verschärften Datenschutzgesetzen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung könnte man nämlich durchaus auch kritischer auslegen.

Hier ein paar Apps und Links für Assistenzsysteme:

ifttt-do_1

if this, then that
https://ifttt.com

alexa_oebb

Alexa Österreichische Bundesbahnen (Fahrplanauskunft)
https://www.amazon.de/gp/product/
B06ZZRC6S8?ref=skillrw_dsk-pnps-dp-3

ikea

Günstiges Smart Home: Ikea lässt Beleuchtung von Alexa, Google Assistant und Siri steuern
http://t3n.de/news/ikea-beleuchtung-alexa-siri-825568/

Fotos: Screenshots vom Anbieter

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