Das Wohnzimmer 2017

Hochmodern und mit ausgefeilter Technik oder doch lieber geerdet und gemütlich? Das Wohnzimmer 2017 ist ganz einfach: Beides!
 Ein Artikel von Christine Gnahn

Lange Tage im Büro, private Erledigungen, der Haushalt und natürlich die Familie: Der Alltag vieler Menschen ist von einem erhöhten Stresspegel geprägt. Kein Wunder, dass da die eigenen vier Wände, in denen man nach getaner Arbeit die Beine hochlegen darf, eine gewichtige Rolle spielen. „Wohnen gehört zu den elementaren Bedürfnissen des Menschen und weckt Assoziationen wie Sicherheit, Schutz, Geborgenheit, Kontakt, Kommunikation und Selbstdarstellung“, so beschreibt es 2014 die Professorin für Architektur- und Wohnsoziologie Christine Hannemann in der Fachzeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“. Das Zuhause ist der Rückzugsort schlechthin und nimmt gerade in stressreichen Zeiten die Rolle einer schützenden Burg ein, ganz nach dem Motto „My home is my castle“. Einer solch ausführlichen Einleitung bedarf es, wenn über das moderne Wohnzimmer geschrieben werden soll, denn: Das Wohnzimmer ist heute oftmals mehr als EIN Raum. Es nimmt das Zuhause für sich ein, weil das ganze Zuhause gelebt werden will.

Foto: Dariusz T. Oczkowicz - fotolia.com

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„Der Trend geht ganz klar zu einem großen Wohnraum, von dem nur noch die Toilette und eventuell das Schlafzimmer abgetrennt sind“, beschreibt auch Andrea Hehle. Die Einrichtungsexpertin beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Wohnen und Einrichtungen und führt das erfolgreiche Geschäft ArtDesign Lebensraumgestaltung im Salzburger Stadtteil Riedenburg. „Das Wohnzimmer ist heute häufig nicht mehr ein einzelner Raum mit Couch und Fernseher – stattdessen ist da ein großer Raum, in dem alles stattfindet.“ Die Einrichtung dieses großen Wohnzimmers wiederum gestaltet sich dadurch komplexer. „Wo man früher jedes Zimmer individuell gestaltete, muss heute ein Interieur her, das insgesamt eine klare Linie ergibt.“ Der Beginn der offenen Wohnungen und Häuser findet sich in den 1940er Jahren der USA und Englands wieder, als man begann, leerstehende Hallen zu Wohnzwecken umzufunktionieren. Einen der Gründe für die große heutige Beliebtheit der sogenannten Lofts sieht Hehle in der veränderten Privatsphärenkultur. „Man teilt heute einfach viel mehr miteinander.“ Tatsächlich: Was es zu Mittag gab, welche Arbeitsstelle man gerade angenommen hat und welches Kleidungsstück man so eben erworben hat, wird gepostet. Offenes Wohnen, in dem (fast) nichts verborgen bleibt und alles auf den Präsentierteller gelegt wird, scheint da nur die logische Konsequenz.

Wie sieht nun die angesprochene klare Linie im Mobiliar des trendig eingerichteten Wohnzimmers aus? „Das Motto lautet: Die Mischung macht’s“, beschreibt Hehle. „Moderne Möbel greifen in solche aus den 50er Jahren über, kühle Materialien wie Glas und Chrom in warme wie Holz und Stoff.“ Bio, öko, nachhaltig und fair – die zeitgemäßen Werte scheinen auch beim Wohnen anzukommen. „Die Menschen möchten wissen, woher ihre Möbel kommen, aus welchen Materialien sie gebaut wurden und woher wiederum diese stammen.“ Gleichzeitig seien ruhige Formen und Farben im Kommen, „die beruhigen in den hektischen Zeiten heutzutage ungemein.“ Auch ein weiterer Aspekt der heutigen Zeit, die Individualität, zeichnet sich im Interieur des Wohnzimmers ab. „Viele wollen heute nichts mehr von der Stange. Sie investieren lieber Geld und auch Zeit, um hochwertige und persönliche Lieblingsstücke von der Manufaktur des Vertrauens zu bekommen.“ Eben das seien auch die Herzeige-Objekte der heutigen Zeit – etwas, das nicht jeder hat. Doch nicht nur teure Designer-Möbel, auch die ganz eigene Linie ist hier wieder der entscheidende Faktor: „Man erzählt mit seinem Wohnzimmer eine Geschichte, bestehend aus Dingen, die man gerne hat.“ Eine Geschichte, die schon heute durch modernste Technik ausgeschmückt wird, die per Touchscreen auf einem einzigen Gerät das Licht dimmen, die Musik und die Heizung anschalten und den Ofen schon einmal vorheizen lässt. Komfortabel, so soll das Wohnzimmer, ja der ganze Wohnraum sein. Denn, so formuliert es Hehle treffend: „Leben ist Wohnen. Und Wohnen ist Leben.“

Foto: slavun - Fotolia.com
Foto: slavun – fotolia.com

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