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Das Poesiebuch der Berge

Ein Artikel von Andrea Kocher

Dies sollte neben dem Berggruß und der Jause bei jedem Gipfelsieg zum Ritual gehören: der Eintrag ins Gipfelbuch. Kaum ein Gipfelkreuz, unter dem nicht eine kleine wetterbeständige Schatulle angebracht ist, in dem das Büchlein verwahrt wird. Das Gipfelbuch soll dazu dienen, den Zeitpunkt des Aufenthaltes am Gipfel zu dokumentieren, ebenso wie die Eindrücke auf dem Fußmarsch dorthin sowie vielleicht den Beweggrund. Es hat wahrlich vielfältige Funktionen, dieses Poesiebuch der Berge. Die Tradition der Gipfelbücher reicht auch im Lungau weit zurück, womöglich bis vor die Jahrhundertwende. Dass es Gipfelbücher gibt, das ist den Menschen aus dem Tal zu verdanken. Die Dorfgemeinschaft, die Almbauerngemeinschaft oder Bergliebhaber aus dem Ort sorgen dafür, dass die Bücher vorhanden sind und, sobald die weißen Seiten gefüllt sind mit all den individuellen Berggeschichten, archiviert beziehungsweise ersetzt werden. Da es diese Rücksicht und Wertschätzung aber nicht für jeden Gipfel im Lungau gibt und sich unter manchen Gipfelkreuzen lediglich noch ein zerflettertes Heft oder ein ausrangiertes Kalenderbuch befand, wurde heuer ein Projekt ins Leben gerufen: 100 neue Gipfelbücher wurden auf private Initiative und mit Unterstützung der heimischen Wirtschaft aufgelegt. Auf der Umschlagseite die Einladung von Hobbydichterin und „Bergfexin“ Margreth „Maggie“ Wieland aus Tamsweg: „Ich bin das Gipfelbuch und freue mich sehr, über deinen Eintrag noch viel mehr, denn Seite um Seite soll Zeuge sein, wer sich schreibt in das Bücherl ein. (…) Zeichnen, malen oder dichten, Bilder, Verse und Geschichten, fülle meine Seiten, genieße den Tag und kehre glücklich wieder heim – ohne Müh‘ und Plag‘.“

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