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Das Grabkreuz muss weg

Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar
Foto: vician_petar - fotolia.com

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Schon lange sorgt ein Grab auf der idyllischen Chiemseer Fraueninsel für Streit, genauer gesagt das Gedenkkreuz für Alfred Jodl. „Generaloberst“ ist in den massiven, grauen Stein gemeißelt, auch das Geburtsdatum *10.5.1890 und der Sterbetag 16.10.1946. Rechts und links erinnern kleinere Grabsteine an die beiden Ehefrauen Irma und Luise Jodl. Das Prekäre: Alfred Jodl gehörte zu den 24 im Rahmen der Nürnberger Prozesse angeklagten NS-Hauptkriegsverbrecher. Er wurde in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Nach seiner Hinrichtung 1946 wurde sein Leichnam verbrannt und die Asche in der Isar verstreut. Nicht nur Anwohner und Besucher haben wenig Verständnis für den Gedenkort auf der Fraueninsel, der immer wieder auch Rechtsextreme anzieht. Proteste und Widerstand nahmen in den letzten Jahren zu. Ein Münchner Aktionskünstler bemalte das Grabkreuz sogar mit roter Farbe und hängte ein Schild drüber. Die Aufschrift: „Keine Ehre für einen Kriegsverbrecher“. Im Februar nun hat der Chiemseer Gemeinderat endgültig beschlossen: Der Jodl-Grabstein muss weg. Wie Insel-Bürgermeister Georg Huber gegenüber den Medien sagte, soll der Beschluss spätestens innerhalb von drei Monaten umgesetzt werden. Zwar bleibt das Grab bestehen und die Nachfahren der Familie können es weiterhin besuchen. Namentlich genannt werden dürfen an der Grabstätte aber nur noch die Mitglieder der Familie Jodl, die auch tatsächlich in dem Grab bestattet sind. Nicht aber Alfred Jodl. Das Nutzungsrecht für weitere Bestattungen ist heuer sowieso ausgelaufen. Der Antrag auf Verlängerung von Seiten der Jodls wurde schon vor vier Jahren von den Gemeinderäten abgelehnt.

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