Das Glück ist ein Vogerl

Redaktionskolumne

Am 14. Juni hat unsere National-Elf auf tragische Art und Weise das erste Spiel gegen Ungarn 2:0 verloren. Der kollektiven Euphorie folgte das kollektive Niedergeschlagen-Sein, die ihren Höhepunkt nach dem Spiel gegen Island erreichte. Die Stimmen, die es ohnehin immer wussten, häuften sich:„Des hob i doch gleich gsogt! Wos wü Österreich a bei da EM. Schifoan is des, wos wir können. Ned Fuaßboll spün.“ Dass die EM noch nicht vorbei war, die Gruppenphase noch zwei weitere Spiele dauerte, war da schnell vergessen.

Dass das Glück ein Vogerl ist, haben da eben auch Fußballfans und Freunde der gemeinschaftlichen Gefühlsausbrüche erlebt. Noch ein paar Monaten zuvor waren Alaba, Arnautovic, Dragovic und Co Helden Österreichs. Heute ist das wieder anders. Glück und Unglück, Erfolg und Misserfolg liegen oft sehr nahe beieinander. In hektischen Zeiten wie der unseren konzentrieren wir uns allerdings oft auf das, was gerade nicht so gut läuft, anstatt auch zu sehen, was alles toll ist und war.

Wir haben es seit 1998 endlich wieder aus eigener sportlicher Kraft zu einem Großereignis geschafft. Eigentlich doch ein schöner Erfolg. Dass wir keine Fußballgroßmacht sind, ist wohl klar – obwohl die Erinnerungen an Córdoba 1978 oftmals zu einer anderen Darstellung führen. Erfolg sollte doch in einem gewissen Maßstab betrachtet werden. Dass immer nach den Superlativen gestrebt wird, ist auch eine Erscheinung unserer Zeit. Allerdings führt das auch dazu, dass wir unzufrieden werden. Immer nach dem Höchsten zu streben und das nicht oder nur selten zu erreichen, führt oftmals zu Frustration, die nicht notwendig ist. Motivierend hingegen ist es, erfolgreich bei Zwischenetappen anzukommen und von dort aus neue Ziele zu definieren.

Erfolg kann auch durchaus abhängig von Glück sein. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, bewegt vieles. Sich das bewusst zu machen, kann auch zu einer positiven Grundeinstellung führen. Manchmal hat man eben auch Pech, aber deshalb geht die Welt nicht unter. Und vielleicht setzt sich das Glücksvogerl ja morgen schon wieder auf Ihre Schulter!

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