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Da stinkt es wem

Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar, Redaktion Bayern

Fremde und Einheimische, das ist so eine Sache in einem Land wie Bayern, wo Tourismus Tradition hat. Mögen tut man sich selten, oft geht man sich furchtbar auf die Nerven – kann aber auch nicht ohne einander. Dem Geld der Gäste war man noch nie abgeneigt. Auch nicht am idyllischen Tegernsee. Seit Jahrzehnten rollen hier Autokarawanen – und Rubel. Der Spitzname des Sees: „Lago di Bonzo“. Die Hassliebe zwischen Oberlandlern und Preissn droht nun zu eskalieren, es geht um Semmeln und Brezn oder vielmehr darum, wie es aus der Backstube riecht. Klar, über guten Geruch lässt sich streiten, auch über Geschmack. Was ist passiert?

Eine traditionsreiche Bäckerei in Rottach-Egern bekommt Post vom Anwalt. Den haben die aus Norddeutschland zugezogenen, neuen Nachbarn eingeschaltet. Luftlinie etwa 50 Meter entfernt. Der morgendliche Back-Geruch stört sie. Sie fordern, umgehend Filteranlagen zu installieren. Aus dem Nachbarschaftsstreit entwickelt sich eine Inte-grations-Debatte. Der Ort, die ganze Region ist in Aufruhr. Vor laufender Kamera wird geschimpft: „De Zuagreisdn stäin sofoat Foaderunga“. „Kia dürfa ned mehr laidn, Kirchengloggn aa ned“. „De soin do hiziagn wos herkema“. Die Solidarität mit der Bäckersfrau ist groß. Man stellt Schilder vor ihre Tür: „Vielen Dank Evi für den täglichen Bäckerei-Duft“ steht drauf. Die Fremden und Zugezogenen halten dagegen. Es gäbe Gesetze für Geruchsbelästigung, sagen sie, die gelten schließlich überall. In Hamburg, Düsseldorf und auch am Tegernsee.

Der Ausgang des Streits ist noch offen. Das Ultimatum ihres Nachbarn hat Bäckerin Evi Treml verstreichen lassen. Die Angelegenheit dürfte somit als nächstes beim Landratsamt landen.

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