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Cabrio-Lust auf frische Luft

Kaum wird es wieder wärmer, lechzen die Sinne nach Sonne und frischer Luft. Also decken die Cabrio-Besitzer ihre Schätze ab und holen sie aus der Garage, wo sie während des Winters nur ab und zu betrachtet werden durften. Oder sollte es gar sein, dass Sie ein neues Cabrio kaufen wollen? Das Angebot ist wieder größer geworden – und vielfältiger.
Ein Artikel von René Herndl

Die Gegner der „Verkühle-Dich-täglich-Cabrio-Fraktion“ werden sie nie verstehen, diese spezielle Gattung Autofahrer, die auch bei noch relativ kühlen Temperaturen die dicke Jacke anziehen, das Halstuch um den Nacken schlingen und bei den ersten wärmeren Sonnenstrahlen das Dach wegklappen und durch die Landschaft kutschieren. Ja, es ist eine gewisse Art der Freiheit, die Verbindung von Technik, Lust und frischer Luft, die empfindliche Gemüter nie verstehen werden – es sei denn, das Auto ist als Prestigeobjekt ein Statussymbol. Aber daran wird kein eingefleischter Cabrio-Fan jemals denken.

Die Auswahl bei den Mobilen für Sonnenanbeter ist jedenfalls groß genug und wieder gewachsen. Da sollte jeder seinen Traumwagen finden, sei es ein kleiner, knackiger Flitzer, ein spritziges, sportliches Automobil der ursprünglichen Art oder das Genussobjekt gehobenen Stils und bequemer, gelassener Fortbewegung. Ja, da gibt es natürlich auch noch die Ex-trem-Sportfraktion, die aber eine fast verschwindende, wenngleich auffallende Minderheit stellt.

Klein und preiswert?

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Fotos: Hersteller

Das aktuell günstigste bekannte Modell auf dem Cabrio-Markt ist der Smart fortwo Cabrio. Klar, er eignet sich mit seinen zwei Sitzen am besten für die Stadt und kurze Strecken, aber auch das Flanieren durch die Gassen kann Spaß machen. Und hier ist er auch praktisch, weil wendig und zudem sparsam im Verbrauch. Das Stadtcabrio, könnte man sagen. Dicht dahinter (oder daneben?) positioniert sich die Rolldach-Variante des kultigen Fiat 500, während der neue Mini Cabrio trotz deutlichen Wachstums immer noch als Traum unter den kleinen Offenen gelten darf. Bei den rund 50 am Markt angebotenen Cabrios nimmt der Mazda MX5 schon durch seine lange Geschichte eine Sonderstellung ein: Er ist als sportlicher Zweisitzer fast ein Evergreen und in der neuesten Fassung erneut Anwärter auf die Bestseller-Krone. Konkurrenz könnte ihm durch den brandneuen, auf der gleichen Bodengruppe basierenden Fiat 124 Spider erwachsen, der wahrscheinlich die Anhänger klassischer Roadster-Formen stark anspricht. Die heißeste Nummer unter den kleineren Flitzern ist aber der Alfa 4c in der offenherzigen Version – da trifft Sportsgeist auf Mythos und Kurvengier auf Purismus.

Bequem und familientauglich

Knapp am konservativen Verständnis eines Cabrios liegen die kleineren Cabrios von Audi und BMW, wobei hier dank möglicher Motorisierungsexzesse bis weit über 300 PS auch extreme Fahrleistungen erreicht werden: Der neue BMW 2er Cabrio trägt sportive Gene in sich, auch wenn man nur gemächlich dahingondelt und bei Audi sind ebensolche Erlebnisse denkbar, wenngleich hier der Frontantrieb eine andere Philosophie des Fahrens bedingt. Und die beiden süddeutschen Marken haben logischerweise auch größere und klassisch geformte Convertibles im Programm – familienfreundlicher eben. Zu dieser Sorte gehört am unteren Ende der Hackordnung auch der hübsche Opel Cascada, während die neuen Viersitzer-Cabrios von Mercedes, die der C-Klasse und der S-Klasse, eindeutig auf eine eigene Käuferschicht zielen – das fahrbare Wohnzimmer soll es sein. Und der VW Beetle ist mit Fetzendach eine Version familientauglichen Freizeitvergnügens, das schon formal nostalgische Gefühle weckt – der Käfer lässt grüßen.

Neu und zeitgeistig

Und es gibt auch ganz neue Trends bei den Cabrios, dessen Vorreiter einmal mehr Range Rover mit dem Evoque als offenen Offroader stellt. Natürlich schwingt da ein bisserl die ursprünglich militärische Version der Vierradler nach, aber hier wird eher Luxus geboten, der über all mitgenommen werden kann, sogar ins Gelände, wie es Range Rover schon bei der Erfindung dieser Klasse vorgemacht hat. Und bald werden Nachahmer daherkommen, da darf man drauf wetten. Auch bei Porsche stand die Geschichte Pate, als der Boxster mit der Ziffernkombination 718 ergänzt und der kleinste Porsche wieder mit einem starken Vierzylinder vorgestellt wurde. Zweimal Fahrspaß pur auf sehr gegensätzliche Weise – die Modellvielfalt wird immer größer.

Gute alte und teure neue Cabrios    

11_Audi_R8_SpyderNeben den Neuerscheinungen gibt es selbstverständlich nach wie vor die schon bekannten Cabriomodelle der ebenfalls bekannten Marken, die Sommer-Sonnen-Frischluft-Vergnügen garantieren, sei es das VW Golf als Vertreter der kompakten Cabrios, der Nissan 370Z als immer noch unterschätzter Sportler zum günstigen Preis, der Morgan als Sinnbild britischer Roadster-Philosophie der brettharten Art oder der so stylische Jaguar F-Type, der an die große Tradition dieser Marke nahtlos anschließt.

Und wer zur Minderheit der wirklich Reichen zählt, der wird wohl einen Bentley GTC oder gar einen Rolls-Royce Dawn, also einen der wirklich exklusiven Convertibles chauffieren und sich die Luft um die Nase wehen lassen. Und wer es eher stürmisch mag, der wird sich einen neuen Lamborghini Huracan Spyder, einen Audi R8 in der offenen Ausführung oder einen Ferrari gönnen. Aber, wie schon geschrieben, auch ein Smart Cabrio kann viel Spaß und frische Luft bieten. Schönen Sommer!

Porsche-718-Boxster
BMW-2er-Cabrio
Jaguar-F-TYPE
VW-Beetle

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