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Burn-out ist ein Anfang, Fluch und Segen!

Ein Kommentar von Berti Mielach, Gastwirt aus Salzburg

Die Zeit in der Gastronomie prägt einen Menschen und hinterlässt Spuren. 25 Jahre lang Tag und Nacht zu arbeiten und dabei immer freundlich und lustig sein, hat mich geformt.

Nach dem Tod meiner Mutter im letzten Jahr hat es mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weggerissen. Knapp 14 Tage war ich zu Hause, hab das alles aber keineswegs verarbeitet. Danach habe ich nur noch funktioniert.

Ich habe mich abgekapselt, war teils sogar aggressiv. Zu den Leuten, die mir sehr viel bedeuten, war ich richtig böse. Auch zu meinen Mitarbeitern, die trotzdem immer zu mir gestanden sind. Zu Hause habe ich mich um nichts mehr gekümmert. Irgendwann allerdings beginnen naturgemäß die Probleme, wenn man monatelang die Post nicht mehr kontrolliert.

Meine Freunde haben schon lange gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt, mich aber nicht darauf angesprochen. Sie wussten, dass ich mich sowieso dagegen wehren würde. Sie haben also den richtigen Zeitpunkt abgewartet, um eine Chance zu haben, mich zur Einsicht zu bringen. Zum Glück ist ihnen das gelungen. Dafür bin ich enorm dankbar.

Anfang März hat mich meine beste Freundin zum Kaffee abgeholt. Ich wollte sie zwar abwimmeln, aber sie war standhaft. Otto und Sonja, die wir besuchten, sind dann vor mir gesessen und haben gesagt, ich solle jetzt endlich reden. Sie wüssten schon lange, dass etwas mit mir los sei. Zwei Stunden habe ich nur geredet und geweint, bin total zusammengebrochen.

Dr. Huber, ein Neurologe, war dann mein Rettungsanker. Er hat mir sofort geraten, eine Psychotherapie zu machen, und mir auch eine Kur empfohlen, die ich schon am 30. April in Goldegg antreten konnte.

Goldegg war zunächst heftig: Von 100 auf 0, Stille, ganz allein mit dir selbst. Die ersten Tage habe ich nur geweint, mich ganz allein und verlassen gefühlt. Die Therapie war am Anfang wirklich hart, bedeutete für mich aber einen Befreiungsschlag. Das Team in Goldegg war immer für mich da. Das Sportteam und die Psychologin Mag. Berger haben mich ins Leben zurückgerettet. Ich habe die Ernährung umgestellt und mit Sport angefangen. Dieses Gesamtprogramm ist für mich ein guter Weg aus dem Burn-out.

Früher dachte ich, Burn-out ist was für Schwache. Wie schlimm das wirklich sein kann, habe ich nun schmerzlich selbst erfahren. Bei meinen Mitarbeitern, die unter meiner früheren Meinung vielleicht auch gelitten haben, habe ich mich entschuldigt. Man lernt eben nie aus und zum Glück wird man manchmal ja auch klüger.

Ich habe jetzt den Mut, weiterzumachen. Es macht mir zwar Angst, gerade so glücklich zu sein. Aber ich bin bereit, dass ich zu allem stehe, was passiert ist. Ich stelle mich diesen Herausforderungen. Was ich zukünftig beruflich mache, werde ich sorgfältigst aussuchen. Den Vollgas-Berti wird es nicht mehr geben. Ich stehe jetzt zu mir und bin so, wie ich eben bin. Es wird noch ein langer Weg sein, aber ich freue mich auf etwas Neues und Tolles. Ich habe mein Selbstvertrauen wieder zurück bekommen. Es war mir ganz wichtig, was die Leute über mich denken. Jetzt bin ich wichtig und ich bin mir wichtig. Trotzdem freue ich mich wahnsinnig über die positive Resonanz, gerade auch auf Facebook: Das ist wie eine Riesenumarmung für mich!

Vielleicht kann ich mit meiner Geschichte auch anderen Mut machen, zu Schwächen zu stehen, diese zuzulassen und vor allem zu sich selbst zu stehen. Man darf auch sagen: Jetzt reicht’s. Genug ist genug.

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