1612-77b(c)agathe-poupeney

Bezaubernde Tanz der Pferde

Ein einzigartiges Projekt soll es werden, welches in der Mozartwoche 2015 in der Felsenreitschule zu erleben ist: Für die szenische Umsetzung von Wolfgang Amadeus Mozarts Kantate „Davide penitente“ hat der künstlerische Leiter Marc Minkowski den Pferde-Choreografen Bartabas und sein Team der Académie équestre de Versailles gewinnen können.

Wenn im Jänner zwölf schillernde und erhabene Hengste und Stuten auf der Bühne der Felsenreitschule zur Musik von Wolfgang Amadeus Mozart tanzen und eine überwältigende Magie zwischen Mensch und Tier den Raum erfüllt, ist jenes Vorhaben gelungen, welches sich Marc Minkowski, künstlerischer Leiter der Mozartwoche und Matthias Schulz, kaufmännischer Leiter der Stiftung Mozarteum, für ihr drittes gemeinsames Projekt in den Kopf gesetzt haben: die Umsetzung von Mozarts Kantate „Davide penitente“ mit dem französischen Pferde-Flüsterer Bartabas.

Ein Traum wird wahr

Für den französischen Dirigenten und Musiker Marc Minkowski geht mit der Produktion ein lang gehegter Traum in Erfüllung: Er hat für die Mozartwoche zusammengeführt, was er selbst am meisten liebt: Pferde und die Kunst. Viele Jahre ist es her, dass er die einzigartigen Shows von Bartabas in Paris gesehen hat und jener Traum wieder auflebte, den er bereits seit seinen Jugendjahren hegte: eine künstlerische Verbindung von Pferden und Musik. Beinahe parallel haben sich die Leidenschaften in seiner Jugend entwickelt. Neben seiner Arbeit als künstlerischer Leiter, Dirigent und Fagottist nennt er heute selbst vier starke Pferde sein Eigen. Generell sei das Zusammenspiel der stolzen Rappen und der klassischen Musik nichts Neues, reiche ihre Tradition in der Geschichte doch lange zurück. Mit der Produktion Davide penitente wird sein Traum aber nun endlich wahr – und das gleich gemeinsam mit dem aktuell berühmtesten Pferde-Choreografen weltweit.

Behutsamer König der Pferde

Mit dem magischen Ort der Felsenreitschule konnte Marc Minkowski den Pferdeflüsterer Bartabas für seine Pläne gewinnen. Die Bühne mit ihren imposanten Arkaden hat den französischen Choreografen und König der Pferde sofort gereizt. „Es ist unglaublich, was Bartabas vollführt, und ich bin sehr stolz darauf, mit ihm zusammen arbeiten zu dürfen“, so Minkowski. 

Zwölf Pferde von Bartabas´ weltberühmter Akademie und drei Reiter – Christiane Karg, Marianne Crebassa und Stanislas de Barbeyrac – werden Mozarts Kantate umsetzen. Geprobt wird in Paris, Mitte Jänner wird das Ensemble aus Mensch und Tier nach Salzburg kommen, damit sich die Protagonisten eingewöhnen können. Denn das Wohl der Tiere, die er seine besten Freunde nennt, ist dem scheuen Bartabas wichtiger als alles andere. Genauestens wird das Quartier für Bartabas´ vierbeinige Freunde während der Zeit in Salzburg unter die Lupe genommen werden. Und der Bühnenboden in der Felsenreitschule wird verstärkt, gepolstert und isoliert sowie mit einem speziellen Sand versehen, der bequem für die Pferde ist.

Seit 1989 leitet Bartabas sein Theater gegenüber dem Schloss von Ludwig XIV und reist von hier aus gemeinsam mit seinen Pferden durch die ganze Welt. Seit 1985 gilt er als unschlagbarer Pferde-Magier, der einen noch so wilden Rappen zum eleganten Tänzeln bringt und der für seine zeitgemäßen wie poetischen Präsentationen bekannt ist.

Bis auf wenige Ausnahmen, wie Peter Steins Shakespeare-Produktion oder Alvis Hermanis Inszenierung „Die Soldaten“ und Harrison Birtwistles „Gawein“, ist die Felsenreitschule in den letzten Jahrzehnten weitgehend vierbeinerfrei gewesen. Höchstens als Statisten wurden sie eingesetzt. In Davide penitente werden sie jetzt zu erhabenen Protagonisten. Pferdeerprobt ist die Felsenreitschule sehr wohl. 1693 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaut, war sie anfangs erzbischöfliche Sommerreitschule und wurde für Tierhatzen verwendet. Das Publikum nahm in den aus dem Mönchsberg gemeißelten Arkaden Platz. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Felsenreitschule schließlich für die Kunst und mit Herbert von Karajan in Folge für die Oper entdeckt.

Poesie aus Tier, Mensch und Musik

Mit Davide penitente wird die Felsenreitschule jetzt für Tier, Mensch und Musik zurück erobert. Wahre Poesie vollführe Bartabas weltweit, schwärmt Minkowski. Und obwohl große Teile von Mozarts Werk bekannt seien, sei Davide penitente doch ein insgesamt unbekanntes Bühnenwerk, das hier zur Umsetzung gelange. 1785 wurde das kurze Oratorium in Wien uraufgeführt und basiert auf der Umarbeitung der 1782 begonnenen Missa c-Moll KV 427. Sie bildet die Grundlage der Musik für das Projekt, das mit Mozarts Adagio Fuge c-Moll KV 546 und der Maurerischen Trauermusik KV 477 ergänzt wird.

Zuviel verraten will Marc Minkowsi über das Projekt jedoch nicht. Eine Mischung aus abstrakter Dressur und berauschender Musik soll es werden, eine von Tier, Mensch und Musik getragene Aufführung. „Und ich werde beim Dirigieren dazwischen stehen“, verrät der künstlerische Leiter, der am Tag der Premiere durchaus selbst etwas nervös sein wird. So ist es doch auch für ihn das erste Mal, dass die Pferde mit der Kunst in dieser Größe zu einem gemeinsamen Spiel verwoben werden – und das unter seinem Dirigentenstab.

Eva Pittertschatscher

496 total views, 1 views today

Alle Beiträge aus Gesellschaft & Kultur


Facebook Icon