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Bescheidener Luxus oder luxuriöse Bescheidenheit

Bei Automobilen wird meist Größe, viele PS und eine gewisse Exklusivität unter „Luxus“ subsummiert. Aber ist diese Regel noch gültig? Ist Luxus auch in
bescheidenem Rahmen möglich? Oder aber: Gibt es Luxus auch ohne Exklusivität und den üblichen Ingredienzien der höchsten Preisklasse? Sind die Luxus-Eigenschaften auch zu geringeren Kosten zu haben?

Die Gleichung „je mehr PS, desto teurer das Auto“ stimmt zwar meist, hat aber mit dem, was man gemeinhin als luxuriöse Automobilität bezeichnet, nicht viel zu tun. Eher mit dem Attribut der Sportlichkeit.  Aber was ist Luxus eigentlich? Was versteht man darunter? In Lexika kann man nachlesen, dass dieser Begriff oft mit „verschwenderisch“ gleichgesetzt wird, mehrheitlich aber damit, dass das Luxusgut ein eher knapp vorhandenes ist und für die Masse der Konsumenten eher unerschwinglich. Luxus wird auch mit sozialem Prestige verbunden, was jedoch keinesfalls mit sozialer Unverträglichkeit gleichgesetzt wird und er ist heute auch als Eigenschaft der vielfältigen Wahlmöglichkeiten definiert. Damit relativiert sich auch die Bezeichnung des Luxusautomobils, die vielfach mit bestimmten Marken assoziiert wird. Und auch dies trifft auf die heute angebotenen Autos mit entsprechenden Features nicht mehr zu, wie man anhand einer ganzen Reihe von Beispielen feststellen kann.

Preiswerter Luxus

Nehmen wir ein Beispiel: Der neue Skoda Superb, ein durchaus elegantes, modern gestyltes Fahrzeug mit großzügigem Platzangebot, vielen Ausstattungs- und Motorisierungsoptionen, wird wohl kaum in die Liga der Luxusautos eingereiht. Und dennoch, wählt man aus den Optionen nur das Beste und Feinste aus, wobei die Motorisierung nicht die stärkste sein muss, wird jeder Passagier in diesem „luxuriösen“ Ambiente samt technischen Spielereien nur minimale Unterschiede zu den wirklich teuren Fahrzeugen der obersten Klasse finden. Und es setzt sich auch zunehmend die vernünftige Ansicht durch, dass Luxus nicht unbedingt mit vielen Zylindern und hohem Verbrauch einhergeht. Also kann man den Skoda Superb durchaus als ein Auto mit gewissem Luxus klassifizieren, als preiswerten Luxus. Dementsprechend sind alle Autos, die eine innere Großzügigkeit und erstklassige Ausstattungsmerkmale, vom edlen Lederbezug der Sitze über elektronische Allerleis bis zu fein glänzendem Klavierlack in der Armaturenlandschaft vorweisen können, auch bei bescheidener Motorisierung eben auch als luxuriös zu betrachten – weil man sich so fühlt, wenn man drinnen sitzt. Das große SUV, egal welchen Herstellers, wird als Luxusvehikel wahrgenommen, auch wenn der Motor nur vier Zylinder hat, während das kleinere, kompakte SUV auch samt luxuriösen Beigaben einfach nur als „fein ausgestattet“ angesehen wird. Auch wenn hier das Markenprestige immer noch eine kleine Rolle spielt. Aber warum sollte nur ein üppig ausgestatteter Vierradler einer so genannten Premiummarke luxuriös sein dürfen?

Interpretationssache

Letztlich liegt, so die allgemeine Ansicht, auch die Empfindung von Luxus im subjektiven Bereich. Auch ein Mittelklassewagen wie z.B. der neue Jaguar XE, ist mit entsprechendem Ambiente ein luxuriöses Gefährt, ebenso ein stinknormaler VW Passat, auch wenn dieser fast noch das Image eines Arbeitstiers hat. Die ganz persönliche Einstellung zum mobilen Untersatz kann aber das Gefühl von Luxus erzeugen, etwa, wenn sich zum Zweckauto auch noch der Spaß hinzugesellt, der nicht alltäglich ist. Und da genügt es auch schon, ein automobiles Spielzeug nebenher zu haben und als Luxus zu empfinden. Generell kann man also sagen, dass der Luxus durchaus schon bei kleineren Autos beginnen kann, wenn sie außerhalb einer Zweckbindung benützt werden und außerordentliche Freude damit verbunden ist.

Also, welche Autos sind dann wirklich als „luxuriös“, aber doch bescheiden und preisgünstig(er) zu klassifizieren? Sportraketen, Großlimousinen und Autos mit Pferdestärken jenseits der 300 sind da sicher auszuschließen (ausgenommen vielleicht einige amerikanische Exoten), ein BMW X5 mit einem Vierzylinder-Diesel-Triebwerk dagegen ist als Einstieg ins Luxussegment ein sicherer Tipp. Auch bei den Kombis findet man etliche Angebote, die mittels Zusatzausstattungen und dank Platzangebot der obersten Wohlfühlklasse zuzuordnen sind, und da könnte man schon deutlich unter der 50000er-Grenze ansetzen. Und auch ein Kleinbus mit feiner, wohnlicher Ausstattung statt vieler Sitze geht als Luxusauto durch, vielleicht wegen des wahrhaft grandiosen Raumangebots samt Kühlschrank oder dergleichen. Da wird das Reisen richtig exklusiv, auch wenn das äußere Erscheinungsbild nicht danach ist.

Gebrauchter Luxus

Eine weitere Möglichkeit zum Einstieg ins Luxussegment bieten gepflegte Gebrauchtwagen der oberen Klassen. Oftmals sind diese Autos sogar ausgesprochen günstig beim Erwerb, weil die Nachfrage gering und die Erhaltungskosten doch höher sind. Der Preisverlust dagegen ist denkbar gering und wiegt die Betriebskosten möglicherweise auf. Dafür ist der Spaß an üppiger Ausstattung und vielen PS auch auf wenigen Kilometern umso größer. Und man kann hoffen, dass das ältere Auto bis zum Oldtimer-Alter gepflegt vielleicht sogar wieder mehr wert wird. Das wäre dann ultimativer Luxus.

René Herndl

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