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Augenschmaus

„Essen ist ein Bedürfnis, genießen eine Kunst.“ Ganz im Sinne dieser alten französischen Lebensweisheit stehen auch die jüngsten Wohntrends rund um den Esstisch. Längst überschreitet dieser seine einstigen Funktionen um ein Vielfaches, die Anforderungen an den Essplatz von heute sind enorm: als Kommunikationszentrale schlechthin muss er nicht nur einladend schön, sondern auch pflegeleicht und vor allem gemütlich sein…
Ein Artikel von Doris Ahornegger

Vorbei die Zeiten, in denen man am Esstisch maximal zum Frühstück, Mittag- und Abendessen zusammenkam. Vormittags bietet er die perfekte Homeoffice-Kulisse, sind mittags alle satt, werden die Teller ab- und die Hausaufgabenhefte hergeräumt. Danach verwandelt sich unser Tisch für ein paar Stunden in eine Kreativzone, und auch nach dem opulenten Mahl am Abend gibt es keinen Grund, auf die Couch zu wechseln. Zu fein lässt es sich an der schön gedeckten Tafel plaudern, philosophieren, und bei einem guten Glas Wein den Tag Revue passieren.

gemütlich – gemütlicher – Essplatz
Der Essplatz von heute wird rund um die Uhr bespielt – kein Wunder also, dass die Möbelbranche vor allem auf eines setzt: Gemütlichkeit. Und da kommt die Natur ins Spiel. In puncto Tischplatte rangiert auch weiterhin Massivholz ganz oben – die Eiche bleibt im Trend – sowohl geölt, als auch in der pflegeleichteren Variante naturlackiert. Neu bzw. wieder im Kommen sind auch dunklere Hölzer, wie etwa Nuss. Eine Entwicklung, die sich auch in der Farbwahl rund um den Tisch wieder-spiegelt. Heutzutage wird großzügiger gebaut, die Räume sind höher, man achtet auf genügend Tageslicht. Da darf die Essecke dann schon etwas ruhiger, gedämpfter ausfallen. Knallige Farben werden nur als Eyecatcher eingesetzt, etwa in Form einzelner Sessel. Vorwiegend regieren hier aber natürliche Töne, wie braun, beige, grau oder anthrazit. Farben, mit denen sich auch die komfortablen – und darum meist gepolsterten – Sitzmöbel rund um den Tisch besonders einladend gestalten lassen. Ungebrochener Beliebtheit erfreut sich hier die Bank – mit angenehmer Rückenlehne versteht sich. Ob an der Wand, als Eckelement, oder auch freistehend als Raumteiler eingesetzt, das Gerangel um den besten Platz ist vorprogrammiert.
Nichts zu streiten gibt’s hingegen, was die verwendeten Materialien betrifft. Erlaubt ist, was gefällt – und kombiniert werden darf nach Lust und Laune: naturgebeiztes Holz trifft auf in Bronze lackiertes Metall, edelstes Leinen auf Elemente im Industrial Style. Individualität ist gefragt, einziges Credo: die einzelnen Materialien müssen harmonieren und gut aufeinander abgestimmt sein. Außerhalb der Norm denken, aber das Gesamtkonzept nie aus den Augen verlieren – so der Leitsatz führender Einrichtungsexperten.
Apropos Gesamtkonzept: Dieses sieht vor, die einzelnen Lebensbereiche – wenn aus Platzgründen schon nicht räumlich, dann zumindest optisch – voneinander zu trennen. Stichwort Teppich. Der schneeweiße Hochflor macht unterm Esstisch maximal im Ausstellungsraum gute Figur, ein dezenter, flacher Webteppich hingegen unterstreicht den persönlichen Stil, ist leicht zu reinigen, und sorgt zudem für eine bessere Akustik im Raum.
Gleiches gilt für die Tapete – die auch rund um den Essplatz ganz stark im Kommen ist. Vor einigen Jahren noch verpönt, ist sie inzwischen zum heimlichen Star unserer vier Wände avanciert. Qualitativ enorm weiterentwickelt, bietet sie schier unendliche Möglichkeiten zur Raumgestaltung, und ist bestes Beispiel dafür, dass auch schon kleinste Veränderungen große Wirkung erzielen können.

Leuchten-Trend: ab jetzt hängen sie zusammen ab
So richtig in Szene gesetzt wird der heimische Essplatz schlussendlich von der passenden Beleuchtung. Dekorativ soll sie sein, und trotzdem funktionell. Heimelig warm, und zugleich hell genug, um den Anforderungen des Alltags auch an grauen Wintertagen gerecht zu werden. Mehrere Lichtquellen, lautet hier die Devise. Die mittig platzierte, große Deckenleuchte war einmal. Jetzt sind ihre flexiblen Kollegen am Zug. Abhängen – wo und wie es beliebt – lautet das Motto. Ob in Grüppchen arrangiert, in individuell bestimmbaren Höhen, ob aus gefärbtem Glas, schwarzem Metall oder filigranem Messing. Wer hätte gedacht, dass etwas so Simples wie die Glühbirne, einmal zum gefragten Stilelement wird?

WunderBAR wandelBAR
Bei einer so großen Portion an Ästhetik, Schönheit und Gemütlichkeit sind lange Abende vorprogrammiert. Die einzige, die unserem Esstisch jetzt noch die Show stehlen kann, ist die Küchenbar. Denn, wie heißt es so schön? Die besten Partys finden in der Küche statt. Kein Wunder, bei den neuen Barmodellen: Während bei den Arbeitsflächen derzeit die pflegeleichte Keramik ganz hoch im Kurs liegt, setzt man bei der Bar gerne auf das viel weichere und wärmere Material Holz. Platziert auf selber Höhe wie die Arbeitsfläche fungiert sie als optischer Trenner und geselliger Treffpunkt zugleich, bietet eine stylische Location für den Aperitif oder auch den besten Platz, um Küchengeheimnisse auszutauschen.

Fotos: Möbel Treml, Küchenstudio Christ / Anrei, Möbel Treml

Womit wir beim Stichwort wären. Damit wir unsere Lieblingsspeisen auch stilgerecht – und wie die Profis – präsentieren können, bedarf es einiger Kniffe und Tricks. Wie also decken und dekorieren wir unseren Tisch richtig?

Sommerliche Tafelfreuden
Zentraler Punkt beim Tischdecken ist der Teller. Besonders edel: ein extragroßer Platzteller, der bis zum Schluss des Essens an seinem Platz bleibt, und auf dem alle weiteren Teller arrangiert werden. Das Besteck – Gabeln links, Messer und Suppenlöffel rechts – wird in der Reihenfolge des Menüs angeordnet, und zwar von außen nach innen. Sprich, das äusserste Besteck ist für den ersten Gang, das innerste fürs Hauptgericht. Unser Dessertbesteck platzieren wir über dem Teller.
Weiter geht’s mit den Gläsern, die für gewöhnlich schräg rechts des Platztellers stehen. Rotwein-, Weißwein- und Wasserglas machen dabei sowohl in einer Linie neben-einander, als auch im Dreieck gute Figur. Und dann wäre da noch die Serviette – besonders edel: in feinem Leinen gehalten. Sie kommt auf den Suppenteller oder links neben die Vorspeisengabel – und wird übrigens erst angerührt, wenn der Gastgeber seine Serviette auf den Schoß legt. Denn dies gilt als Zeichen, dass das Mahl eröffnet ist.
Und weil das Auge bekanntlich mitisst, ist auch die perfekte Tischdekoration ein Muss! Vorsicht ist dabei in puncto Größe geboten: Zu hohe Blumengestecke etwa hindern Tischnachbarn daran, sich beim Anstoßen tief in die Augen zu blicken. Schade wäre es! Laternen, Vasen und andere Dekoelemente werden daher immer so gewählt, dass sie auch am Tisch bleiben können, wenn das Essen serviert wird. Und auch, wenn die Deko zu festlichen Anlässen üppiger ausfallen darf, gilt wie so oft: Weniger ist mehr! Man sollte sich auf zwei bis drei Farben und maximal drei verschiedene Elemente festlegen – sonst wirkt die Tischdeko schnell überladen. Wer diese Regeln beachtet, darf seiner Fantasie freien Lauf lassen. Gerade jetzt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit nur wenig Aufwand den Sommer auf den Tisch zu zaubern. Die Auswahl ist riesig, von luxuriös über traditionell und mediterran bis maritim reicht die Palette der Möglich-keiten. Blumen, Früchte, Muscheln, bunte Windlichter oder selbstgemachte Accessoires bringen die Gäste augenblicklich in Urlaubsstimmung und laden dazu ein, den Sommer zu feiern! Genießen wir das süße Leben also in vollen Zügen…

Fotos: Riedel Glas, Stakhov-Yuriy – istockphoto.com

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