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„Als Miss muss man sich auch ein bisschen benehmen.“

Am 11. Mai wurde Mirella Klammer im Casino Salzburg zur neuen Miss Integration gekürt. DIE SALZBURGERIN hat die lebensfrohe Pinzgauerin zum Interview getroffen.
Ein Artikel von Marion Flach
Das wunderschöne Kleid, das Mirella beim Shooting trug, kommt von Mirabell Plummer by Tracy Hauenschild. Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Das wunderschöne Kleid, das Mirella beim Shooting trug, kommt von Mirabell Plummer by Tracy Hauenschild.
Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Du bist jetzt Miss Integration 2017. Aber wer ist Mirella?
Ich bin mittlerweile Mama. Leidenschaftliche Mama.
Früher habe ich alles ausprobiert, ich bin für jeden Spaß zu haben gewesen. Ich bin sehr lebenslustig.
Ja, was bin ich? Das ist jetzt schwierig. Ich bin ich (lacht). Ich glaube, dass ich sehr humorvoll bin. Das kann ich von mir sagen.

Was machst du beruflich?
Ich bin im Marketing tätig und für Eventmanagement, hauptsächlich im Sportbereich, zuständig. Und nebenbei bin ich auch im Autoverleih und mit Immobilien be-schäftigt. Ich bin nicht diejenige, die sich auf eine Sache konzentriert. Ich bin jemand, der viel will.

Was hat dich dazu bewegt, bei der Miss Integration-Wahl mitzumachen?
Eigentlich habe ich gemeint, ich bin zu alt. Als Marion Ebner den Facebook-Aufruf gemacht hat, dachte ich mir aber: Ich habe einen Hintergrund. Wieso nicht? Marion hat mich dann auch dazu ermutigt und so habe ich es probiert. Ich habe aber nicht geglaubt, dass ich da überhaupt weiterkomme. Aber dann war ich dabei und wir sind nach Salzburg zum ersten Kennenlernen mit den anderen Mädels gefahren. Da ist eigentlich schon das Kribbeln in mir aufgestiegen. Es war die richtige Entscheidung. Miss zu werden, war aber wirklich nicht mein Ziel oder der Grund für die Teilnahme. Es waren mehr die Mädels und die Stimmung. Das letzte Mal war ich schon als Zuschauerin dabei. Da war die Stimmung einfach so mega. Heuer habe ich es selbst erlebt: Alleine das Feeling, wenn du da hinausgehst. Das ist einfach cool.

Wie war die Stimmung hinter den Kulissen?
Es war total lustig. Wie gesagt, das erste Treffen war schon cool. Da haben wir bei Mirabell Plummer die Kleider probiert. Am Tag der Misswahl sind wir um 12 Uhr ins Casino gekommen. Wir hatten dann ein Catwalk-Training: Mit hohen Schuhen, mit den Turnschuhen mitsamt der Stiege durften wir üben. Es ist also gleich mit Vollgas losgegangen. Im Anschluss sind wir von der Modeschule Hallein geschminkt und frisiert worden. Und dann ging es eigentlich schon los. Es ist irgendwie lustig: Am Ende des Tages ist die Nervosität weniger geworden, weil wir uns einfach schon so kennengelernt haben und weil die Stimmung so cool war und wir nonstop beschäftigt waren. Das hat mir richtig getaugt, dass wir uns einfach einmal so wohlfühlen konnten. Es war eine richtige Wellnessoase (lacht).

Als du zur Miss Integration gekürt wurdest, kullerten ein paar Tränchen. Waren das Tränen der Freude?
Ja. Ich habe es zuerst ja gar nicht geglaubt. Ich hatte meine zwei Favoritinnen sowieso schon. Aber sie waren Dritte und Zweite. Und dann sagt der Moderator „Die Gewinnerin kommt von weit her.“ Ich grübelte, wer eine lange Anreise hatte. Aber dass er mich meint, kam mir nicht in den Sinn. Ich glaube, ich musste zehn Mal nachfragen. Ich habe es einfach nicht geglaubt. Ich habe mich dann aber wahnsinnig gefreut.

Was sind jetzt deine Aufgaben?
Das Covershooting natürlich für DIE SALZBURGERIN. Und dann bin ich bei der Casinos Austria Integrationsfußball WM dabei. Beim Finale darf ich sogar den Pokal an die Gewinner übergeben. Darauf freue ich mich schon sehr. Und: Als Miss muss man sich natürlich auch ein bisschen benehmen (lacht). Man soll aber trotzdem so bleiben, wie man ist. Auch wenn man diesen Titel hat.

Du wohnst in Krimml. Bist du dort auch auf die Welt gekommen?
Ich bin in Mittersill geboren. Meine Mama ist mit ungefähr 23 Jahren in den Pinzgau gekommen und hat meinen Papa kennengelernt. Meine bosnischen Wurzeln habe ich von meiner Mama. Das südliche Temperament und das Ausschauen wahrscheinlich auch. Aber darauf bin ich stolz!

Wie wichtig ist dir Heimat? Und was bedeutet Heimat für dich?
Heimat ist sehr wichtig. Vor allem das Familiäre bedeutet für mich Heimat, das ich im Pinzgau und in Österreich spüre. Ich fühle mich da einfach so wohl. Es ist egal, ob ich nach Salzburg fahre, nach Oberösterreich, nach Kärnten – es ist irgendwie immer so ein Heimatgefühl da. Ich war früher auch oft in Bosnien. Aber dort, wo du geboren und aufgewachsen bist, wird immer die Heimat bleiben.

Was bedeutet für dich „Integration“?
Integration ist für mich ein großer Begriff. Integration wird oft nur auf Ausländer bezogen. Aber für mich ist es ein weit größerer Begriff, sich zu integrieren und anzupassen. Wenn man zusammen leben will, muss man sich immer anpassen und integrieren.

_MG_5393Integration ist zurzeit generell ein großes Thema. Wie wichtig ist es dir da auch, für deinen Sohn ein Vorbild zu sein?
Das ist schon wichtig. Zum Beispiel freue ich mich sehr, wenn er im Kindergarten mit den ausländischen Kindern spricht. Da ist zum Beispiel Burak. Er ist Ausländer und kann noch kein Wort Deutsch. Aber Max lernt ihm das beim Spielen. Es freut mich sehr, dass er das schon für ganz normal empfindet und damit auch aufwächst.
Ich habe auch einen Bekannten aus Syrien, dem ich helfen wollte. Max habe ich da sofort eingebunden und ihm erklärt, dass wir der Familie helfen. Auch mit Kleidung von Max. Jetzt kommt er jeden Tag mit einem Teil und erklärt mir: „Schau, das darfst du wieder dem syrischen Buben geben.“

Im Herbst stehen wieder einmal Wahlen an. Was würdest du ändern oder machen, wenn du Bundeskanzlerin von Österreich wärst?
Ich würde es abschaffen, dass es nur einen Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin gibt. Ich würde die Macht aufteilen. Es sollte viel mehr Entscheidungskraft da sein, also nicht nur bei einer Person. Es heißt ja immer, jeder darf wählen und mitentscheiden. Im Endeffekt wählen die Leute zwar, aber trotzdem entscheidet derjenige, der oben ist.

Was wäre dein Herzensprojekt, von dem du sagst, dass das in Österreich angegangen werden sollte?
Dadurch, dass ich selbst ein Kind habe, bin ich extrem sensibel geworden. Es ist immer wieder traurig, wenn man Familien mit Kindern sieht, die in einem schlimmen Zustand leben müssen. Dass es da mehr Hilfe gibt, wäre mir ein großes Anliegen. Ich würde auch schauen, dass es jedem gut geht.

Hast du einen großen Wunsch, den du dir irgendwann erfüllen möchtest?
Ich habe keine Wünsche. Naja, mein Traum war schon immer ein altes Bauernhaus mit einem riesen-riesen-riesengroßen Garten. Das ist eigentlich mein Wunsch. Und beim Rest lasse ich mich einfach überraschen.

Mirella Klammer ist 26 Jahre alt und kommt aus Krimml. Die lebenslustige Eventmanagerin mit bosnischen Wurzeln spielt gerne Saxophon und ist sehr sportlich. Und ihr Herz? Das hat sie an ihren 6-jährigen Sohn Max vergeben.

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Für Haare und Make-up waren die Schülerinnen der Modeschule Hallein (Schulzweig für Hairstyling, Visagistik und Maskenbildnerei) verantwortlich.

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