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Afrikas Perle

Einst nannte Winston Churchill Uganda die „Perle Afrikas“. Zu Recht. Denn kostbar wie eine Perle sind seine erlesene Natur, seine einzigartige Tierwelt und seine Gastfreundschaft.

Kaum setzen wir in Entebbe den Fuß auf ugandischen Boden, steigt uns der Duft Afrikasin die Nase. Es riecht nach Holzfeuer, Feuchtigkeit und Gräsern, nach Savanne, Freiheit und Abenteuer. Im Ankunftsgebäude gehtdagegen die Sicherheit vor. Jeder Einreisende muss sich die Temperatur messen lassen, um Fieber auszuschließen. Ebola soll in Uganda keine Chance mehr haben. Schließlich hat das Land die Seuche schon vor Jahren erfolgreich bekämpft.

Der Traum vom Studium

Es ist Ende November und für Michael beginnt die Hauptsaison. Als Safari-Guide begleitet er uns auf unserer Reise durch das Land, ist unser kompetenter Fahrer, Ansprechpartner, Geschichtenerzähler. eboren ist Michael in Fort Portal, dem kommunalen Zentrum des Westens. Hier leben die Menschen vor allem vom Tee- und Bananenanbau. Als Michael 14 Jahre alt ist, ändert sich sein Leben radikal. Sein Vater wird von Neidern erschossen. „Sie haben ihm seinen Peugeot nicht gegönnt“, erzählt er uns in einem unserer zahlreichen, anregenden Gesprächen. Fortan ist er das Oberhaupt der Familie, finanziert seinen Brüdern das Studium im Ausland. Das eigene Studium bleibt ein Traum.

Streng geheime Zahl

Auf der Fahrt in den Norden stoppt unser Guide zunächst im Ziwa Rhino Sanctuary. Hier werden die seit Jahren in Uganda ausgerotteten Nashörner wieder angesiedelt. Unter Führung eines Rangers schleichen wir uns möglichst geräuschlos zu Fuß an. Schließlich trennen uns nur noch 15 Meter von einer Kuh mit Kind und einem Bullen. Träge liegen sie in der Sonne, scheinen unsere Anwesenheit zu dulden. Vielleicht liegt es daran, dass sie an Menschen gewöhnt sind. Tracker leben Tag und Nacht bei den Tieren im Busch, um sie vor Wilderern zu schützen. Dem Glauben der Chinesen und Vietnamesen, dass die aus dem Horn gewonnene Substanz potenzsteigernd sei, fallen in Afrika jedes Jahr hunderte Tiere zum Opfer. „Wir werden die Nashörner in Uganda auch erst wieder in unseren Nationalparks auswildern, wenn ihre Zahl stabil ist“, erklärt der Ranger. Wie hoch diese ist und wie viele Nashörner die Zuchtstation ihr Eigen nennt, verrät er uns nicht. Streng geheim! Begehrlichkeiten sollen auf keinen Fall geweckt werden.

Paradies am Nil

Kein Mangel herrscht dagegen an Nilpferden. Wasser gibt es dank regelmäßiger Niederschläge genug. In Uganda entspringt der Weiße Nil, das ostafrikanische Land nennt riesige Seen wie Lake Victoria, Lake Albert oder Lake George sein eigen. Auf unserer Reise zum Murchinson Falls Nationalpark sehen wir viele Nilpferdgruppen in Seen und Flüssen, oft in trauter Gemeinschaft mit Wasserbüffeln badend. Ausgesprochen gut scheint es den riesigen Krokodilen zu gehen. Sie liegen unterhalb der Murchinson Fälle auf der Lauer. Viele Fische überleben den Sturz in die Tiefe nicht, daher müssen die furchterregenden Amphibien nur das Maul aufmachen. Mit ihnen lauern majestätische Fischadler und bunt schillernde Eisvögel auf Beute. Während unserer abendlichen Bootsfahrt sehen wir prächtige, dunkelbraune Elefantenbullen mit XL-Stoßzähnen am Nilufer entlangziehen. Als wir wieder anlegen, schickt sich die Sonne an, in einem einzigen Farbenrausch unterzugehen. Wenn es für mich ein Paradies auf Erden gibt, dann ist es auf jeden Fall hier in Afrika.

Wasser holen vor Schulbeginn

Doch das Paradies hat Schattenseiten. Während unserer Fahrt über holprige lehmige Straßen mit metertiefen Furchen werden wir immer wieder mit großer Armut konfrontiert. Am frühen Morgen sehen wir Kinder und junge Frauen mit Wasserkanistern zum nächsten Brunnen laufen, noch lange bevor die Schule beginnt. Wasserleitungen gibt es nur für die Touristen, selbst in der Hauptstadt Kampala wäscht jeder seine Kleidung von Hand, wie Michael erzählt. Allerdings hat jeder ein Handy und der Empfang ist besser als bei uns zuhause.

Wir passieren Steinbrüche, in denen Frauen mit Babys auf dem Rücken Steine klopfen, mit Hammer und Steinen als Werkzeug. Vor einiger Zeit wurde in Uganda Öl gefunden. Die Regierung hat versprochen, dass die Erlöse dem Aufbau des Landes zugutekommen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das Land seinen Platz als eines der Schlusslichter im Armutsindex der Vereinten Nationen verlassen kann.

Touristen als Naturschutz

Noch leben die Menschen mehr recht als schlecht von archaisch betriebener Landwirtschaft, die oft in Konkurrenz mit der unberührten Natur der Nationalparks steht. Besonders stark ist der Siedlungsdruck im Bwindi Impenetrable Forest. Der „undurchdringliche“ Regenwald ist bereits stark geschrumpft. Der Schutz der verbliebenen Waldfläche hat inzwischen oberste Priorität, beherbergt sie doch die letzten 400 Berggorillas. Touristen tragen mit ihren Eintrittsgeldern zum Erhalt der herrlichen Tiere bei. Genau wie die Nashörner werden die Berggorillas Tag und Nacht bewacht. Am frühen Morgen geben die Tracker die Standorte der an Menschen gewöhnten Gorillagruppen per Walkie Talkie an die Nationalparkleitung durch. Wir erfahren, dass wir eine 15-köpfige Familie besuchen. Die Vorfreude steigt. Doch erst einmal steigen wir acht Touristen auf meterdickem, weichem Waldboden hintereinander den Berg hinab. Jeder von uns hat seinen persönlichen Träger, die einen fantastischen Job machen. Sie sind sofort zur Stelle, falls einer strauchelt und reichen manch helfende Hand. Voraus geht der Ranger, bewaffnet mit einem Gewehr. Eine Vorsichtsmaßnahme wegen aggressiver Waldelefanten, die allerdings fast nie zu sehen sind, so scheu sind sie. Ab und zu schlägt er uns den Weg mit der Machete frei. Manche Gruppen müssen lange gehen, wir haben Glück. Schon nach einer Dreiviertelstunde lichtet sich der Wald. Der Ranger hebt die Hand. Wir sind da. Die Rucksäcke bleiben bei den Trägern zurück. Die Fotoapparate gezückt, gehen wir langsam weiter.

Kaffeeklatsch alla Gorilla

Und dann sehen wir sie. Zwei Baby-Gorillas turnen in den hohen Bäumen, tiefschwarz und ganz flauschig ist ihr Fell. Eine Mutter mit einem winzigen Baby, das sich an ihrem Bauch festklammert, klettert zu ihnen hinauf. Wir spähen durch das Dickicht und erblicken weitere, erwachsene Tiere. Sie liegen gemütlich in den Farngräsern und schieben sich mit den Händen Blätter ins Maul. Das Ganze hat die Atmosphäre eines menschlichen Kaffeeklatsches. Der Ranger winkt uns weiter und dann sitzt knapp fünf Meter vor uns der Silberrücken, der imposante Anführer der Gorillagruppe. Sein Blick ist auf den Nachwuchs in den Bäumen gerichtet, uns Menschen scheint er geflissentlich zu übersehen. Schließlich erhebt er sich auf alle Viere und wendet uns sein gewaltiges und durchaus knackiges Hinterteil zu. Meter für Meter zieht er sich tiefer ins Dickicht zurück. Wir stolpern auf dem steilen Gelände hinter ihm her. Ich bin mir sicher, er findet das amüsant. Die Zeit, die wir bei den Gorillas verbringen dürfen, geht schnell vorbei. Es hätte nicht die Worte des Rangers gebraucht, um uns zum Aufbruch zu mahnen. Der Silberrücken wird unruhig und signalisiert seiner Familie, sich zurückzuziehen. Die Gorillas sind schlau.Michael erzählt uns später, dass sie sich bei den Trackern durch lautes Trommeln beschweren, wenn sie einmal einen Tag lang nicht besucht werden. Genauso wollen sie aber nach einer Stunde gefälligst in Ruhe gelassen werden.wenn sie einmal einen Tag lang nicht besucht werden. Genauso wollen sie aber nach einer Stunde gefälligst in Ruhe gelassen werden. Wer übrigens den Nervenkitzel einer „echten“ Tiersafari zu Affen erleben will, sollte unbedingt die Schimpansen im Kibale Forest Nationalpark besuchen. Hier gibt es keine Tracker und Walkie Talkies. Die Menschenaffen werden nur gefunden, wenn sie sich durch ihr ohrenbetäubendes Schreien bemerkbar machen. Wer hätte gedacht, dass wir ein so fürchterlich schrilles Gekreisch einmal dankbar begrüßen würden.

Doris Goossens

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