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Abenteuer Auslandssemester

Das Programm Erasmus ermöglicht Studierenden bereits seit 30 Jahren, ein Semester oder sogar ein ganzes Jahr an einer ausländischen Hochschule zu verbringen. Eine spannende Reise, die auch in Salzburg gerne angetreten wird.

Ein Artikel von Christine Gnahn

Den Koffer packen, die eigene Studentenbude für ein Semester lang verlassen und Universitätsluft in einem anderen Land schnuppern: 4.557 österreichische Studierende begaben sich im vergangenen Jahr auf ein Erasmus-Semester oder -Jahr, davon 190 aus Salzburg. Erasmus, das Programm der Europäischen Union mit dem Ziel, den Austausch zwischen den Universitäten aller EU-Länder zu fördern, gibt es bereits seit 1987 – damit feierte es heuer 30-jähriges Jubiläum.

300 bis 450 Euro monatlich erhalten Studierende auf Erasmusaufenthalt. „Auf Erasmus zu gehen, lohnt sich in jedem Fall“, erklärt Petra Höpfner, die Studierende aus dem Ausland in Salzburg empfängt, „es ist eine tolle
Erfahrung, an der man nicht nur persönlich wächst – auch die beruflichen Chancen steigen nachweislich, nachdem man ein Auslandssemester absolviert hat.“ So seien Arbeitgeber in der Regel besonders empfänglich für Bewerberinnen und Bewerber, die einen entsprechenden Auslandsaufenthalt nachweisen können. „Es zeigt einfach, dass diese Person einen erweiterten Horizont aufweist und sich auch in einem anderen Land und mit einer anderen Sprache zurechtfinden konnte.“

Besonders beliebt seien bei den Salzburger Studierenden Destinationen in Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, Schweden und Deutschland. Die Studiengänge Anglistik und Amerikanistik, Romanistik, Psychologie, Kommunikationswissenschaften und Rechtswissenschaften seien dabei die reisefreudigsten. Für Erasmus-Studierende aus Italien, Frankreich, Polen und Tschechien falle die Wahl hingegen besonders oft auf Salzburg. Von einem Anstieg der Erasmus-Studierenden berichtet Teresa Rieger von der Fachhochschule Salzburg, die Schweden als beliebte Destination der FH-Studierenden nennt. „Doch auch Finnland, Spanien und generell der englischsprachige sowie südosteuropäische Raum ist bei unseren Studierenden sehr beliebt.“ Auch an der Fachhochschule gebe es mit Innovation und Management im Tourismus, Design- und Produktmanagement, MultiMediaArt, Holztechnologie und Holzbau sowie Betriebswirtschaft besonders Erasmus-affine Studiengänge.

Ein Auslandssemester zu absolvieren schätzt auch Rieger als eine wichtige Erfahrung ein: „Die Zeit im Ausland soll die Studierenden interkulturell, sozial, akademisch und international anschlussfähig machen.“ Qualifikationen, die am globalen Arbeitsmarkt zunehmend gefragt und gefordert würden. Insbesondere seien die Mobilität und Internationalisierung entscheidend, um ein offenes und solidarisches Miteinander zu fördern. Auch von den Studentinnen und Studenten am Mozarteum werde das Erasmus-Angebot gut genutzt, berichtet Elisabeth Skärbäck Schlegel aus dem dortigen Büro für internationale Beziehungen, „viele Studierende, besonders im Bereich der pädagogischen Studien, gehen allerdings bereits während des Studiums einer Beschäftigung nach.“ Das stelle eine Hürde dar – zusätzlich zur Finanzierung in Städten wie Paris und London mit hohen Lebenshaltungskosten. Auch seien Studiengänge im Bereich der Musik und Kunst häufig eng mit bestimmten Lehrerinnen und Lehrern verbunden, „da wird ein Lehrerwechsel, der ja mit einem Erasmus-Semester automatisch einhergehen würde, gar nicht erst in Erwägung gezogen.“

Es ist offensichtlich: Ein Semester oder gar Jahr an einer ausländischen Hochschule birgt Herausforderungen – angefangen bei der Suche nach einer Wohnmöglichkeit, bis hin zur Eingewöhnung an einem fremden Campus. Neben Bonuspunkten im Lebenslauf kann der Auslandsaufenthalt jedoch etwas noch Wertvolleres bereithalten: die Erweiterung des eigenen Horizonts.

Wie haben Salzburger Studierende ihren Erasmus-Aufenthalt erlebt? Wie haben sich Studierende aus anderen Ländern in Salzburg gefühlt? Einmal nachgefragt:

„Als Englischlehrerin in spe wollte ich auch außerhalb des Urlaubs längere Zeit in einem englischsprachigen Land verbringen. Deswegen habe ich mich für Aberystwyth in Wales entschieden. Nicht nur konnte ich mir etwas Walisisch aneignen, auch der Ort hat mir mit seiner wunderschönen Strandpromenade gut gefallen. Es war allerdings nicht einfach, mit sieben fremden Leuten aus verschiedenen Ländern zusammenzuleben und sich Küche, Dusche und WC zu teilen. Aber auch das war im Nachhinein keine schlechte Erfahrung.“

Susanne Haidler, studiert Englisch und Psychologie/Philosophie auf Lehramt in Salzburg

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Foto: Susanne Haidler
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Foto: Ferdiana Hoti

„Ich habe mich für Salzburg entschieden, weil ich zuhause bereits Deutsch gelernt habe und ich die Chance nutzen wollte, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und die Kultur kennenzulernen. Salzburg ist klein und sicher – das gefällt mir gut. Allerdings sind manche Salzburger nicht gerade freundlich zu Fremden. Ich habe mich dennoch schnell zuhause gefühlt – und habe nach meinem Erasmus-Jahr sogar beschlossen, hier zu bleiben.”

Ferdiana Hoti, Kosovo/Österreich, studiert Politikwissenschaft

„Ich habe mich bereits mit 13 in das wunderschöne Salzburg verliebt und es oft besucht, bevor ich die Chance hatte, hier auch ein Erasmus-Semester zu verbringen. Ich mag das Flair in der Stadt sehr, die frische Luft, die tollen Aussichten, das gute Essen – und natürlich die klassische Musik, die man jeden Tag in der Stadt hört. Ich würde gerne für immer in Salzburg leben – mal sehen, was die Zukunft bringt!”

Clarissa Biscardi, Italien, studiert Sprachwissenschaften

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Foto: Clarissa Biscardi
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Foto: Sarah Ducellari

„Ich war mit 15 das erste Mal im Ausland. Seitdem hat mich das Fernweh gepackt und Erasmus war die perfekte Möglichkeit, noch während der Studienzeit einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Dabei hatte ich genau zwei Auswahlkriterien:

Ich wollte Französisch lernen und ich wollte am Strand leben. Diese beiden Voraussetzungen hat La Rochelle  erfüllt. Mir ist aufgefallen, wie offen und herzlich die Menschen waren. Natürlich waren es dann auch die Menschen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und vor allem die Freundschaften, die ich dort geschlossen habe.“

Sarah Ducellari, hat Rechtswissenschaften in Salzburg studiert

„Dass ich ein Auslandssemester machen will, war für mich von Anfang an klar. Vor meinem Studium habe ich bereits anderthalb Jahre als Au-Pair in Amerika verbracht – das Reisefieber hat mich seither gepackt. Ich habe mich für Irland entschieden. Ein tolles Land! Anders als alle anderen internationalen Studenten hier, bin ich aber nicht hergeflogen, sondern war mit einer Freundin per Rucksackreise drei Wochen lang von Österreich nach Irland unterwegs.“

Lena Hartl, studiert Englisch und Geschichte auf Lehramt in Salzburg

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Foto: Lena Hartl
Denisa-Isaku
Foto: Denisa Isaku

„Ich wollte unbedingt nach Österreich und habe mich an meiner Universität, der ‘European University of Tirana’, für ein Erasmus-Semester in Salzburg beworben. Später habe ich dann erfahren, dass wir, ich und drei andere, die ersten waren, die jemals per Erasmus von Albanien nach Salzburg gereist sind.

Salzburg hat mir dann auch sehr gut gefallen, die Menschen waren alle sehr freundlich. Nur ein bisschen zu ruhig ist es mir manchmal geworden. Ich habe allerdings sehr viele Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt und nun gute Verbindungen für spätere Reisen.”

Denisa Isaku, Albanien, studiert International Relations

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