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50 Jahre Schifahren am Kitz

Das Kitzsteinhorn war das erste Gletscherskigebiet in Österreich. Bis heute ist es Vorreiter in Sachen Wintersport und ganzjährigem Naturerlebnis. 40 Millionen Besucher aus der ganzen Welt wurden seit 1965 befördert. Im Dezember wird rundes Jubiläum gefeiert.

Es ist einer dieser traumhaften Bergtage, an denen die Welt weit unten im Nebel versinkt. Wie weiche Watte hat er sich über die Täler gelegt. Einzig die höchsten Gipfel im Salzburger Land sind von der Sonne beglückt. Die Pisten am Kitzsteinhorn flimmern unter ihren Strahlen. Dazu ein königsblauer, klarer Himmel.  Den Skifahrern hüpft da fast das Herz aus der Jacke. Im grünen Kaprun sind sie in die Gondel ge- und im Winter wieder ausgestiegen. Das ewige Eis des Gletschers macht’s möglich. In den letzten Nächten ist auch noch Neuschnee hinzugekommen. Er ist leicht und flockig. Die Schneekanonen laufen zusätzlich auf Hochtouren. Von der weißen Pracht kann man nicht genug haben.

Bis auf über 3.000 Meter Höhe erstreckt sich das Skigebiet Kitzsteinhorn. Hier startet die Saison schon im Frühherbst und dauert bis in den Sommer hinein. Vor 50 Jahren wurde es als Sommerskigebiet eröffnet, heute ruht in den Hochsommermonaten der Skibetrieb, dafür locken die hochalpine Erlebniswelt „Gipfelwelt 3000“ und drei Freeride Mountainbike Trails.

Der Mann der ersten Stunde

Es war am 11. Dezember 1965, als die Gletscherbahnen erstmals ein illustres Publikum aufs Kitzsteinhorn beförderten – und das hatten sie Wilhelm Fazokas zu verdanken, Ingenieur und Bürgermeister von Kaprun (1961-1969). Von ihm stammten die Idee und die Pläne für die Erschließung des Skigebietes. Er überzeugte mit folgenden Argumenten: Die Höhe garantiere Schneesicherheit, der Ort profitiere von einer zweiten Ski-Saison und das österreichische Skiteam von einem exzellenten Trainingsgelände.

Im Sommer 1963 fiel der Startschuss für die Bauarbeiten, die rund zwei Jahre dauerten, wobei die Errichtung der Gletscherbahn vor allem eine Transportfrage war. Es mussten Materialseilbahnen aufgestellt werden, um Schotter, Zement, Armierungsstahl, Stahlkonstruktionen, Schalungs- und Rüstungsholz überhaupt erst an Ort und Stelle bringen zu können. Hinzu kamen die widrigen Umstände in der Höhe: Mit Schnee musste man immer rechnen und im Sommer 1964 sank das Thermometer an der Gipfelstation sogar auf minus 17 Grad. Der Sturm heulte nur so um die Felsen.

Technische Rekordleistungen

Walter Arnold war einer von rund 300 Männern, die am Bau von Österreichs erster Gletscherseilbahn beteiligt waren. „Oft lag unsere Baustelle unter einem halben Meter Schnee, oder wir konnten aufgrund von Nebel überhaupt nichts sehen“, erinnert sich Arnold. „Aber die Kameradschaft war gut, wir waren stolz darauf, beim Bau der Gletscherbahn dabei zu sein.“ Das konnten sie auch sein, die Stütze 7 der Gipfelbahn gilt nach wie vor mit 113,6 Metern als höchste Seilbahnstütze der Welt. Als 1967 zusätzlich zur Bahn noch die Maurerschlepplifte den Betrieb aufnahmen, waren es die weltweit ersten, die auf einem fließenden Gletscher standen und sommers wie winters liefen. Und das war Schwerstarbeit, erzählt Walter Arnold, der nach Eröffnung der Gletscherbahnen Chef der Schlepplifte wurde: „Das Einrichten der Stützen war körperlich sehr anstrengend. Für zehn Stützen brauchten 18 Männer rund zwei Wochen.“

Einige Kapruner seien anfangs skeptisch gewesen, was das Gletscherskifahren am Kitzsteinhorn anging, so Arnold. Der große Ansturm belehrte sie eines Besseren. „Teilweise mussten die Sportler im Tal vier Stunden warten und erst gegen 11 Uhr abends waren alle wieder unten.  Die Lifte wurden in den Folgejahren also kontinuierlich ausgebaut. Ein Großprojekt war die neue Standseilbahn durch den Berg bis zum Alpincenter. Sie war 1974 fertig und kostete stolze 41 Millionen Euro.

Tragödie markiert Neuausrichtung

Bis zum 11. November 2000 brachte diese Stollenbahn die Skifahrer verlässlich auf den Gletscher. Dann kam es zum größten Unglück in der Geschichte des Kitzsteinhorns. Durch einen Brand in der Bahn verloren 155 Menschen ihr Leben. Der Ort und die ganze Region standen unter Schock. Zur Erinnerung gestaltete der deutsche Architekt Anton Michael eine Gedenkstätte mit Fenstern aus individuell eingefärbtem Glas. Sie steht bei der Talstation.

Für die Gletscherbahn brachte die Brandkatastrophe eine schmerzvolle Zäsur. „Die folgenden Jahre waren geprägt von einer Neuausrichtung. Wir nahmen Naturnähe, Ökologie, Qualität und Sicherheit verstärkt in unseren Fokus“, so Ing. Norbert Karlsböck, Vorstand der Gletscherbahnen Kaprun.

Es wurde ein Partnerschaftsvertrag mit dem Nationalpark Hohe Tauern geschlossen und 2011 die „Gipfelwelt 3000“ eröffnet. Hier schwebt die Nationalpark Gallery Plattform über das Nichts hinaus und gibt den Blick frei auf die unberührte Weite des größten Nationalparks der Alpen. Mitten unter der Gipfelparade: der Großglockner, mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs. Für ihr besonders ökologisch orientiertes Management erhielten die Gletscherbahnen den „Pro Nature Ski Award“.

Blau-Roter Stangenwald

Seit 2006 stehen die Skilifte in den Sommermonaten still, dafür gibt es neben der ganzjährig geöffneten „Gipfelwelt 3000“ eine kleine Schnee-Arena zum Rutschen. Es sind vor allem internationale Gäste, viele aus den arabischen Ländern, die der Gletscher magisch anzieht. Schnee haben sie noch nie zuvor gesehen.

Im Herbst kommen diverse Ski- und Sportvereine und internationale Wintersport-Teams, um auf dem Kitzsteinhorn zu trainieren. Ein Lauf steckt dann ganz dicht neben dem anderen. Slalom neben Riesenslalom, im Wechsel blaues und rotes Tor, Kaderathlet und Firmengruppen, die ihr Bestes geben. Freerider aber auch Skitourengeher sind ein noch relativ neues Klientel auf dem Kitz. Für sie hat man spezielle Routen offiziell ausgeschrieben.

Neue Bahn zum Jubiläum

Im Dezember wird am Kitzsteinhorn Geburtstag gefeiert. Das Geschenk machen sich die Bergbahnen selbst: Die neuen Gletscherjets 3 und 4 bringen die Skifahrer schneller und komfortabler ganz hinauf – und im Idealfall stehen sie dann über den Wolken, da wo die Sonne am klaren Himmel blitzt.

Kathrin Thoma-Bregar

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